#6 Phnom Penh: Stromausfall, Verspätung und meine erste Fahrt mit einem Nachtbus

Bislang hatte ich ziemlich Glück mit dem Wetter. Meist sonnig und etwas bewölkt, regnete es in den letzten Tagen lediglich in den Morgenstunden. Trotzdem aber so heftig, dass ich oft um 5 Uhr morgens kerzengerade in meinem Hostelbett saß (und man sollte meinen Tiefschlaf nicht unterschätzen). Das diese Schön-Wetter Periode irgendwann ein Ende haben muss, wurde mir spätestens am frühen Abend in Sihanoukville klar, als ich nichtsahnend bei der Maniküre saß (so günstig!). Nachdem sich der Himmel immer bedrohlicher verdunkelte, ging nach kurzer Zeit einfach das Licht aus. Mein erster Stromausfall in Kambodscha, und die Kosmetikerin zögerte nicht lange, bevor sie mit mir ins zwei Häuser weiter gelegene Reisebüro umzog,  welches glücklicherweise über einen Generator verfügte. Kambodschaner gehen mit Stromausfällen definitiv sehr pragmatisch um. Eine Stunde später begann es dann schließlich aus Kübeln zu schütten. Bis dahin hatte ich es Gott sei Dank einigermaßen trocken zurück ins Hostel geschafft. Und zack, der nächste Stromausfall. Bei einem Hostelzimmer ohne Fenster kann es da schon ziemlich dunkel werden. Aber auch im Gemeinschaftsbereich waren nur zwei spärlich leuchtende Campinglampen aufgestellt – trotzdem war es angenehm, von hier aus dem Gewitter zu lauschen.

Der Regen hielt sich bis zum nächsten Morgen, und ich war ziemlich froh, mich auf den Weg zurück nach Phnom Penh zu machen. Mein Tuk Tuk Fahrer hatte mir am vorigen Abend versprochen, mich um kurz nach 6 abzuholen und mich zum Bahnhof zu bringen. Als die Uhr dann halb 7 anzeigte, wurde ich etwas nervös. Mein Zugticket war schon gekauft und es gab nur diesen einen Zug am Tag. Außerdem war meine Bereitschaft, bei diesem Wetter in Sihanoukville zu bleiben, nicht wirklich groß. Einen Anruf später (Miss, the weather, the weather..) versicherte Mr Nee mir, dass er bereits unterwegs war, aber er durch den Regen nicht so gut durchkam. Als er schließlich um kurz vor sieben vor der Tür stand, und wie ein Irrer Richtung Bahnhof düste, war ich mir eigentlich sicher, dass ich den Zug mit Sicherheit verpasst hätte. Zehn Minuten später die Erleichterung – Pünktlichkeit nimmt auch die kambodschanische Bahn nicht so genau. Zudem kam ich zur Einsicht, dass ich  mich vielleicht langsam von meiner German Pünktlichkeit verabschieden sollte. Zumindest für die Zeit in Südostasien.

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Die Bahnfahrt war super. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von höchstens 50 km/h sind wir durch wunderschöne Landschaften gefahren, vorbei an Reisfeldern, Hügeln und Blechhütten. Nebenbei wurden in meinem Abteil kambodschanische Filme gezeigt – ich habe nicht viel verstanden, die Filmeffekte schienen sehr veraltet, alle zwei Minuten war Blut zu sehen, aber die kambodschanische Frau, die neben mir saß, konnte sich vor Lachen nicht mehr auf ihrem Sitz halten. In zwei Städten (Kampot und Takeo) hatten wir einen kurzen Halt. Da ich im Hostel kein Frühstück hatte, kamen die Stops gut gelegen, denn am Bahngleis wurden Snacks en masse verkauft. Meine Wahl viel auf Kekse (warum auch nicht), und für 25 Cent schien die Packung ein guter Deal zu sein. Auf Nachfrage erklärte die alte Frau mir, dass die Kekse Num am bung genannt werden. Num steht hier generell für Kuchen (so eine wichtige Vokabel habe ich mir natürlich schon in den ersten Tagen angeeignet), aber was der Rest heißt, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Das wichtigste: Sie haben geschmeckt und bewahrten mich den Rest der Fahrt vor dem Hungertod.Processed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 preset

Zurück in Phnom Penh traf ich wieder auf die Amerikanerin Amy, die ich auf Koh Rong kennen gelernt hatte (die Angst vor Spinnen hatte uns da ziemlich zusammengeschweißt). Sie ist Golftrainerin und gerade für fünf Wochen in Asien unterwegs. Zusammen besuchten wir den Nachtmarkt, hatten Dinner und sprachen über Gott und die Welt. Amy war super geschockt, so viele Sextouristen in Phnom Penh zu sehen (was daran liegen mag, dass Prostitution in den USA verboten ist). Viele alte Männer, mit oft sehr junger weiblicher Begleitung. Ziemlich schockierend, aber der Sextourismus ist omnipräsent in Phnom Penh. Überall gibt es „Dream Bars“ und viele Massagestudios werben mit „Happy End“.

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Mit in unserem Hostelzimmer war auch die Chinesin May, die gerade in Kambodscha ihren Führerschein macht. Angeblich soll es hier einfacher sein als in China. Das mag zum Großteil am kleineren Fragenkatalog für die theoretische Prüfung liegen (10.000 Fragen zu vier DIN A4-Seiten), oder auch am günstigeren Preis. Die praktische Fahrprüfung findet dann auf einem speziellen Verkehrsübungsplatz statt (was in China nicht anders ist). May erzählte uns jedenfalls, dass viele Chinesen nach Kambodscha reisen, um hier ihren Führerschein zu machen. Was sie uns noch erzählte: Viele Chinesinnen finden Putin ziemlich attraktiv. So zumindest hat May ihre Handyhülle verteidigt, auf der das Gesicht von Putin abgebildet ist („He is such a handsome man, Charlotte!“). Es ist schon immer spannend, was für unterschiedliche und teils kuriose Leute man auf Reisen trifft. Aber das macht das ganze vielleicht auch so spannend.

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Am nächsten Abend ging es dann mit dem Nachtbus nach Battambang. Sieben Stunden Fahrt, ein 1 m breites und höchstens 1,70 m langes „Bett“ und eine asiatische Bettnachbarin, die zwar zierlich aussah, sich aber in der Nacht ordentlich breit machte. In Kombination mit unserem Handgepäck (man sollte seine Wertsachen ja immer nah bei sich haben) war also eher wenig Platz. Dazu die holprige Fahrt über die kaputten Straßen Kambodschas – ich muss wohl nicht erklären, warum ich in der Nacht nicht allzu viel Schlaf bekommen habe. Dennoch: für meine Zeit in Myanmar werde ich diese Busse aus Zeit- und Kostengründen wohl etwas öfter buchen müssen. Und vielleicht ist das Ganze nur Gewöhnungssache!

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#5 Koh Rong: Schnorcheln, Strand und Mr. Hun

Drei Tage und Nächte ohne fließendes Wasser, Klimaanlage oder Ventilator. Mitten am Strand, umgeben vom Dschungel und abgeschnitten von jeglicher Zivilisation. Welcome to Lonely Beach! Oder auch: Wie ich das Paradies fand und doch wieder verließ.

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Nach 72 Stunden und einer unfassbar wohltuenden Dusche bin ich wieder in Sihanoukville (der Zivilisation) und liege zufrieden unter der Klimaanlage. Abgesehen von acht Mückenstichen (trotz ultrastarkem Insektenschutzmittel) und einem kleinen Sonnenbrand (von der dreistündigen Bootsfahrt zum Festland) bin ich wohlbehalten zurück gekehrt. Wenn ich bis jetzt dachte, allein Hunger kann mich zur Bestie machen, dann muss ich das nach der dreitägigen Dschungelerfahrung etwas revidieren: Auch der Wunsch nach körperlicher Hygiene und einer Raumtemperatur unter 35°C  ist nicht zu unterschätzen. Jetzt, nachdem ich mich von einem unerträglichen Gemisch aus Schweiß, Sand, Insektenschutzmittel und Sonnencreme befreit habe und meine feucht-modrigen Klamotten bei der Wäscherei sind, kann ich ziemlich sicher behaupten, dass ich (a) noch niemals an einem so schönen Fleckchen Erde war und (b) ziemlich über mich hinausgewachsen bin.

Lonely Beach Resort ist eine umweltfreundliche Unterkunft, die von einer französischen Familie geführt wird. Komplett betrieben mit Sonnenenergie, lebt man hier in und mit der Natur. Und das meine ich nicht nur sprichwörtlich: Wenn man um 5 Uhr morgens vom Quaken der Frösche aufwacht und Toilette und Eimerdusche mit Spinnen, Eidechsen und anderen Krabbeltieren teilt, lernt man schnell, sich anzupassen. Oder in meinem Fall: seine Angst vor Spinnen für drei Nächte zu ignorieren (und mit Stirnlampe bewaffnet und in geduckter Haltung mitten in der Nacht zur Dschungeltoilette zu rennen). Was man dafür geboten bekommt: unberührte Natur. Einen wunderschönen weißen Strand. Palmen, wohin das Auge blickt. Kristallklares Wasser. Badewannentemperatur und Korallenriffe. Und nicht zu vergessen die tolle Atmosphäre der Unterkunft, das superleckere Essen und jede Menge Ruhe.

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In den 72 Stunden habe ich zwei Bücher gelesen, war zum ersten Mal in meinem Leben schnorcheln, habe ununterbrochen im Wasser gelegen (oder geschlafen) und abends fluoreszierendes Plankton im Meer bewundert. Mittwoch bin ich mit anderen Gästen zum 4 km entfernten Dorf Prek Svay gelaufen (natürlich durch den Dschungel und barfuß – so wie bei Tarzan), um bei Mr. Hun einen Kochkurs zu absolvieren und mehr über das kambodschanische Leben auf Koh Rong zu erfahren.

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Im Dorf leben ungefähr 800 Menschen und Mr. Hun hat hier vor drei Jahren sein Restaurant Firefly eröffnet. Mr. Hun gibt nicht nur Kochkurse und bekocht Gäste, sondern versucht auch, den ökologischen Tourismus zu fördern. Das bedeutet, dass er in mehreren Familien sogenannte Homestays (Privatunterkünfte) eingerichtet hat, dorfeigene Produkte in seinem Restaurant verkauft (so wie Bambushüte, Kokosöl oder Reiswein) und Dorfbewohnern aus Prek Svay beibringt, ihr Lebensumfeld nicht zu vermüllen, weniger Plastik zu verbrauchen und zu recyceln. Daneben bildet er Köche aus, die dann in umliegenden Resorts auf der Insel Arbeit finden und heuert ausländische Freiwillige an, die für einige Wochen in Prek Svay unterkommen, um den Kindern im Dorf Englisch beizubringen. Eine ziemlich tolle Sache, wie ich finde, vor allem wen man bedenkt, dass Mr. Hun zuvor auf dem Festland in Luxusrestaurants gearbeitet hat, in denen er sicherlich mehr verdienen konnte als hier.

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Mit uns hat Mr. Hun ‚Khmer Red Curry‘ gekocht – nur mit lokalen Zutaten, die wir zuvor im Dorfladen eingekauft hatten oder in seinem Kräutergarten fanden. Und es war definitiv so lecker wie es auf den Fotos aussieht, und das Firefly Restaurant ist eine Empfehlung für jeden, der mal nach Koh Rong kommt.

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Morgen geht es für zurück nach Phnom Penh. Diesmal nicht mit dem Bus, sondern mit dem Zug. Mein Tuk Tuk Fahrer Mr. Nee, der mich vorhin vom Pier abholte, hat ziemlich erstaunt geguckt, als ich auf dem Weg zum Hostel am Bahnhof stoppen wollte, um mir für morgen früh ein Zugticket zu holen. Er selbst ist noch nie mit dem Zug in Kambodscha gefahren (nun gut, den Zugbetrieb gibt es auch erst wieder seit einem Jahr). Da der Zug aber genauso teuer ist, wie der Bus – und auch genauso lange dauert – will ich mir diese Erfahrung auf keinen Fall nehmen lassen. In Phnom Penh bleibe ich voraussichtlich auch nur für eine Nacht, bevor es dann weiter Richtung Nordwesten geht – Richtung Pursat und Battambang.

bisbald

#4 Phnom Penh: Rote Khmer, Banana Shakes und Fußmärsche

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Nach insgesamt drei Tagen in Phnom Penh hieß es heute für mich schon wieder: Bus buchen, Sachen packen und auf in die nächste Stadt: Sihanoukville. Rund 220 km von Phnom Penh entfernt ist die Stadt Ausgangspunkt für meine Überfahrt nach Koh Rong morgen früh. Nachdem die zwei letzten Tage in Phnom Penh doch sehr programmreich und anstrengend waren, freue ich mich schon richtig, mir im Lonely Beach Resort die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen.

Rückblickend war Phnom Penh eine fantastische Erfahrung. Treibendes Stadtleben, wilder Verkehr und irgendwie so klein, dass sogar ich mich schnell zurecht finden konnte.

Mekong - Ausblick von der Dachterasse meines Hostels

Samstag ging es zusammen mit Steve und Jenny (zwei Briten) und Julia (aus Deutschland) zu zwei Gedenkstätten des kambodschanischen Genozids. Ich hatte im Vorfeld meiner Reise schon das Buch „First they killed my father“ von Loung Ung gelesen und den gleichnamigen Film (gedreht von Angelina Jolie) gesehen und war sehr gespannt, mehr über die Zeit der Roten Khmer und ihrem Anführer Pol Pot zu erfahren. Dieser herrschte von 1975 bis 1979 in Kambodscha. In diesem Zeitraum starb jeder vierte Kambodschaner.

Unser erster Halt waren die Killing Fields Choeung Ek, die etwas außerhalb des Zentrums von Phnom Penh liegen. Mit einer Audio Tour wurden wir über das weitläufige Gelände geführt. Insgesamt wurden hier fast 9,000 Leichen gefunden. Neben einer Stupa, in der 5,000 menschliche Totenschädel aufbewahrt werden, führte die Audio Tour uns an den Massengräbern vorbei und erklärte sehr eindrucksvoll von den schrecklichen Geschehnissen in Choeung Ek. Viel möchte ich hierzu nicht schildern, denn mein kurzer Bericht würde wahrscheinlich einen Haufen wichtiger Informationen vergessen. Wer möchte, findet hier den englischen Script der Audio Tour. Mich hat die Begehung der Massengräber ehrlich gesagt sehr mitgenommen und es gab einige Stationen, bei denen ich meine Tränen nur schwer unterdrücken konnte. Hierzu gehörte auch der Killing Tree, an dem hunderte Kinder qualvoll sterben mussten. Noch immer werden in den Regenmonaten Knochen und Kleiderreste freigelegt und es gibt Gräber, die aus Respekt vor den Toten nicht geöffnet wurden. An den geöffneten  und meist eingezäunten Massengräbern hängen hunderte Glücksarmbänder.

Unser zweiter Stopp war das Tuol Sleng Genozid Museum. Vor der Roten Khmer Zeit als High School in Benutzung, wurde es ab 1975 als Foltergefängnis (S-21) der Roten Khmer gebraucht. Insgesamt sollen hier rund 17,000 Menschen, darunter auch Ausländer, inhaftiert worden sein. Mithilfe von perfiden Foltermethoden wurden die Häftlinge zu „Geständnissen“ gezwungen und dann meist nach Choeung Ek zur Exekution gebracht. Viele aber starben bereits durch die furchtbaren Haftbedingungen. Das Museum zeigt Fotos der peinlich genau dokumentieren Häftlinge, der Haftbedingungen und Folterinstrumente, sowie der involvierten Gefängniswächter, hierunter auch der Gefängnisdirektor Kaing Guek Eav. Dieser wurde 2012 vom internationalen Rote-Khmer-Tribunal zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

Ich kann es jedem wirklich nur ans Herz legen, sich näher mit dem kambodschanischen Genozid auseinanderzusetzen. Rund 30 Jahre nach dem Ende der Roten Khmer Herrschaft werden die Geschehnisse erst langsam aufgearbeitet und erst seit kurzem ist die Rote Khmer Herrschaft Teil des kambodschanischen High School Unterrichts. Fast ein Drittel aller Kambodschaner kam in der vierjährigen Herrschaft um, und wenn ich das Treiben auf der Straße beobachte, kommt es mir vor, als wäre eine gesamte Generation komplett ausgelöscht.

 

Sonntag stand dann im Zeichen einer etwas weniger aufwühlenden Sightseeing Tour. Wat Phnom, der Hauptbahnhof sowie Russian und Central Market standen auf der Liste. Die Märkte in Phnom Penh sind stickig und laut, aber man kann hier tatsächlich so einige Schnäppchen machen. Viele (europäische) Hersteller wie Nike, Adidas, Converse, Zara oder H&M lassen in Kambodscha produzieren, und die Märkte bieten einen Großteil der B-Ware an. Mit Blick auf mein eh schon schweres Gepäck habe ich mich vornehm zurück gehalten, aber Julia konnte echte Chucks für 12 Dollar ergattern. Highlight für mich war an diesem Tag der vietnamesische Reisnudelsalat, den es in der Mittagspause gab. Schmeckte tatsächlich genau wie bei Nom Nom in Recklinghausen, war aber mit USD 1,50 sehr viel günstiger. Zusammen mit den drei Bananenshakes (insgesamt liegt die Zahl der verzerrten Fruchtshakes seit meiner Ankunft bestimmt schon bei 10!), die uns durch die Hitze brachten, haben wir an diesem Tag erfolgreich 12 km zu Fuß zurück gelegt. Kein allzu fauler Sonntag also!

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bisbald

 

 

#3 Phnom Penh: Pagoden, Palast und lächelnde Menschen

15 Stunden später, mit etwas reduziertem Gepäck (ich musste mir selber eingestehen, dass ich doch etwas zu viel eingepackt hatte) und wilder Tuk Tuk-Fahrt bin ich in meinem ersten Hostel direkt am Mekong angekommen, dem siebtlängsten Fluss Asiens.

Um direkt einmal die Fronten zu klären: Bis vor circa einem Jahr hätte ich weder die Lage, noch die Hauptstadt Kambodschas benennen können. Deshalb erst einmal die allerwichtigsten Informationen über Land und Leute.

  1. Kambodscha liegt in Südostasien. Nachbarländer sind Vietnam, Laos und Thailand. Hauptstadt ist Phnom Penh.
  2. Die Amtssprache ist Khmer, aber auch mit Englisch und Französisch kommt man hier sehr gut weiter.
  3. Kambodscha hat 16 Millionen Einwohner.
  4. Die Währung heißt Riel. 1 Euro sind ungefähr 4500 Riel. Ansonsten kann man meist auch überall mit USD bezahlen (was meiner Meinung nach deutlich einfacher ist, da es nicht so viele unterschiedliche Scheine gibt). 1 USD sind ungefähr 4000 Riel. Den Riel gibt es heutzutage nur noch in Scheinen (der größte ist 100.000!).
  5. Neben einem parlamentarischen Regierungssystem hat Kambodscha auch eine Wahlmonarchie (der Herrscher wird hier nicht durch die Erbfolge sondern durch eine Wahl bestimmt). Seit 2004 sitzt König Norodom Sihamoni auf dem Thron.
  6. Kambodscha ist immer noch eines der ärmsten Länder Südostasiens. Erst langsam erholt sich die Wirtschaft von den Konflikten der vergangenen Jahrzehnte.

Mein erster Eindruck von Kambodscha fällt positiv aus, auch wenn ich beim ersten Spaziergang durch die Stadt trotz Vorwarnung von Reiseführern und Freunden über die vielen bettelnden Kinder und den generellen Zustand der Stadt ziemlich erschrocken war. Aber man sollte sich auch vor Augen führen: es ist ein Entwicklungsland, in dem viele Kambodschaner meist gerade einmal 140 USD im Monat verdienen. Die Straßenverhältnisse erinnern mich ein wenig an Bali – viele Mopeds, viele Tuk Tuks, und viele Löcher in der Straße, die umfahren werden müssen. Es ist staubig, es riecht nach Abgasen, und der Verkehr ist einfach nur chaotisch – aber das habe ich ja auch schon in Manila erlebt. Bislang finde ich das kambodschanische Volk sehr freundlich, vor allem, weil mir jeder ein Lächeln zurückgeschenkt.

Was habe ich also an meinem ersten Tag erlebt? Neben der Besichtigung des Königspalasts und dem Wat Ounalom (einer Art religiöser Gebäudekomplex) habe ich Schlaf nachgeholt, eine Pediküre gehabt, eine frische Kokosnuss getrunken und das leckere Essen im Hostel genossen.

Wat OunalomWat OunalomMüllverbrennung neben Wat OunalomAuf dem PalastgeländeAuf dem PalastgeländeAuf dem PalastgeländeProcessed with VSCO with av8 preset

bisbald

 

#2 Hong Kong: Wandern, Strand und Feuerwerk

Hong Kong ist unberechenbar. Nachdem Eve und ich nach einer etwas durchzechten Nacht Sonntagmorgen bereits mit Ach und Krach unser Camping Sachen gepackt hatten (ich war voller Vorfreude, mein neues Campingequipment auszutesten), und sogar schon das ganze Essen und Trinken eingekauft hatten, mussten wir ernüchtert feststellen, dass (a) nun doch starke Gewitter vorhergesagt waren und (b) deswegen keine Boote von Sai Kung aus zum Strand fuhren. Da unser Zelt weder regenfest war, noch wir beide Lust verspürten, den ganzen Kram zu Fuß nach Tai Long Wan zu schleppen, wurde der Camping Ausflug daraufhin abgesagt.

Aussicht von Eves Dachterasse

Um den Sonntag trotzdem noch schön ausklingen zu lassen, waren wir bei zwei von Eves Lieblingsrestaurants in Sai Ying Pun, außerdem Laternen shoppen und sind am Abend dann zu Eves Freund Adam gefahren, um das große Feuerwerk anlässlich des Nationalfeiertags von seiner Dachterasse aus zu sehen. Diese Idee entpuppte sich zum Start des Feuerwerks dann leider als totaler Reinfall. Obwohl Adams Haus tendenziell eine sehr gute Lage hat, konnten wir – aufgrund eines noch höheren Hauses vor uns – nicht mehr sehen als die starke Rauchentwicklung und mussten das Feuerwerk auf dem Fernseher anschauen. Schön war es trotzdem.

Die Geschichte von Mrs PoundBrunch bei MrsLaternen einkaufen für Eves Wohnung

Abendessen mit Adam und Eve

Das "Feuerwerk"Das "Feuerwerk"

Was beim Nationalfeiertag natürlich auch nicht fehlen darf: die Yellow Umbrella Proteste, die seit 2014 für eine Unabhängigkeit Hong Kongs von China kämpfen. Ich war ehrlich gesagt etwas überrascht, wie wenig Menschen protestiert haben – vielleicht lag es aber auch am Wetter oder der Tatsache, dass der Anführer der Yellow Umbrella Proteste seit einigen Monaten im Gefängnis sitzt.

Yellow Umbrella MovementYellow Umbrella Movement

Neben einem Strandtag in Repulse Bay, der Fahrt mit der neuen South Island Metro Line (die wurde erst Ende letzten Jahres eröffnet), einer Morgenwanderung zum Victoria Peak, einem Ausflug in meine alte Nachbarschaft (denn auch dort wurde eine neue Metrostation eröffnet) und einem obligatorischen Dim Sum Abendessen ist ansonsten nichts nennenswertes passiert. Ach ja, ich habe meine Handwerkerfähigkeiten auf die Probe gestellt und erfolgreich Eves Dusche repariert.

Ansonsten genieße ich die Stadt, die angenehm warmen Temperaturen (es ist nicht mehr so unerträglich heiß wie im Sommer), die Leichtigkeit des Lebens und die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen.

Repulse BayVictoria Peak

Inzwischen ist es Mittwoch Nachmittag und damit ist auch mein vorletzter Tag in Hong Kong fast vorbei. Meine Tasche ist so gut wie gepackt und meine frischgewaschene Wäsche (ich hätte definitiv ein Microfaserhandtuch mehr mitnehmen sollen) hole ich gleich noch vom Laundry Shop ab. Morgen treffe ich mich noch mit meiner ehemaligen Chefin in der Chi Lin Nunnery zum Mittagessen. Mein  Flug geht dann um 9 Uhr abends erstmal Richtung Kuala Lumpur, wo ich einen 5-stündigen Aufenthalt haben werde, und dann um 6 Uhr morgens weiter nach Phnom Phen. Das klingt ziemlich unkomfortabel wenn man bedenkt, dass ein Direktflug nur 2,5 Stunden bräuchte. Ich denke, es wird auch ziemlich unkomfortabel, aber alle Direktflüge waren leider deutlich teurer und zu viel Luxus sollte man sich als Budget Traveller natürlich nicht gönnen. Außerdem habe ich ja auch massig Zeit. Mein erstes Hostel in Phnom Penh ist auf jeden Fall schon reserviert und ich freue mich Land, Leute und Essen (wie sollte es anders sein) zu entdecken!

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#1 Hong Kong: Habe ich Tuberkulose?

Nach 3 Flügen und 18 Stunden habe ich meine erste Destination erreicht: Hong Kong!

Sai Ying Pun

Die ersten Stunden in meiner alten Heimat waren leider nicht der absolute Knaller. Ich hatte Hunger (auf dem letzen Flug gab es leider total trockene Käsenudeln als Abendessen und lediglich einen Muffin als Frühstück) und war zudem unfassbar müde (weil es im Flieger trotz drei extra Decken, Mütze und Wollsocken so kalt war dass man nicht schlafen konnte). Mein 25 kg Gepäck steigerte meine Stimmung beim Verlassen des Flughafens auch nicht unbedingt. Eine Busfahrt, 3 Metrostationen und ein halbstündiger Suchlauf zu den Gepäckschließfächern war ich zumindest 18 kg los und um die Erkenntnis reicher, auf dem Rückweg zum Flughafen nicht am Komfort zu sparen und den Airport Express zu nehmen (der nur 24 Minuten bis ins Zentrum braucht, dafür aber das Doppelte kostet). Auch in Zukunft sollte ich besser als allererstes auf meinen Hunger hören, bevor ich wie eine Schildkröte bepanzert durch die Weltgeschichte laufe.

Nach einem lebensrettenden Mittagessen und einem Kaffee ging es für mich dann direkt weiter zur Gesundheitsuntersuchung. Für alle die es noch mitbekommen haben: letzen Mittwoch hatte ich eine Mail vom australischen Immigrationsministerium erhalten, dass ich (wegen meines halben Jahrs in Hong Kong in 2016) einen speziellen Tuberkulose-Test machen muss. Leichter gesagt als getan, denn in Deutschland gibt es gerade mal zwei Städte in denen man diesen Test machen kann. Da Berlin und Frankfurt nicht gerade mit dem Fahrrad zu erreichen sind, erschien Hong Kong als gute Ausweichmöglichkeit.

Queen's Road West (hier wohnt Eve)

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Nach 18 Stunden Reisezeit gibt es sicherlich schönere Dinge, die man unternehmen kann. Nichtsdestotrotz bin ich voller Erwartungen in die Praxis gelaufen – schließlich ging es hier um mein Australien Visum.  Und ich wurde nicht enttäuscht: Für meine 1350 Hong Kong Dollar bekam ich einiges geboten. Abgesehen vom Röntgen meiner Lunge wurde mein BMI und Blutdruck gemessen, ich hatte mehrere Augen- und Ohrentests, musste eine Urinprobe abgeben und mein ganzer Körper wurde abgetastet und abgehört. Zusammen mit einem wunderschönen OP Kleid, Strickcardigan und Identitätsarmband (welches tatsächlich vor jedem Test gescannt wurde) habe ich mich zudem auch als richtige Patientin gefühlt.

Um euch nicht weiter auf die Folter zu spannen: Ich habe natürlich keine Tuberkulose. Gleich am nächsten Morgen lag mein Australien Visum nämlich im E-Mail Postfach. Dafür weiß die australische Immigrationsbehörde jetzt so gut wie alles über meinen gesundheitliche Verfassung und die Praxis in Central ist um 150 Euro reicher. Und ich war ziemlich erstaunt, wie schnell ich das Visum in der Tasche hatte. Wahrscheinlich waren die Visa-Beamten einfach total geflasht in was für einem Top-Zustand ich mich befinde.

Mehr Top-Stories gibt es dann aber auch nicht über meine ersten drei Tage in der alten Heimat zu erzählen. Meine alte Mitbewohnerin Eve hat mich sehr gut aufgenommen, wir gehen jeden Tag lecker Essen und bis auf ein paar Monsun-Schauer heute war das Wetter bislang super. Ich habe noch keine Erkältung von den Klimaanlagen bekommen, dafür ist mein Jetlag omnipräsent. Die Stadt ist immer noch wunderschön und morgen geht es (wenn das Wetter sich wieder etwas beruhigt hat) zum Campen an den Strand nach Sai Kung. Montag ist dann Mid-Autumn Festival (Mittherbstfest) für welches das Zentrum schon wunderschön geschmückt wurde. Laut Eves Beschreibung wird es ein Mix aus chinesischem Neujahrsfest (mit Drachentänzern auf der Straße) und deutschem Sankt Martins Umzug (mit ganz vielen Laternen). Freut euch also auf neue Fotos und Eindrücke!

Hollywood Road ParkQueen's Road West

..UND ZWAR ZUSAMMEN!

 

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Reisen bedeutet herauszufinden, dass alle Unrecht haben mit dem, was sie über andere Länder denken. (Aldous Huxley; 1894 – 1963).

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Aber warum unbedingt ein „Reiseblog“? Warum etwas so Altbackenes, wenn es in der heutigen Zeit auch WhatsApp, Facebook, Instagram oder Snapchat gibt? Die einfachste Antwort ist wahrscheinlich, dass es so für uns am unkompliziertesten ist, jeden von euch über alle Schnorchelgänge, Tempelbesuche, Wanderausflüge und Mückenstiche zu informieren. Hierbei müssen wir natürlich betonen, dass der der Blog nicht durch Faulheit entstanden ist. Im Gegenteil! Wie das beim Reisen nun mal so ist, kann man niemals ganz genau wissen, ob man am anderen Ende der Welt (oder im Dschungel) kostenloses Wifi findet oder ob man es durch die vollgepackte Reiseplanung überhaupt schafft, alle Nachrichten gewissenhaft und zeitig zu beantworten. Dank des Reiseblogs stellen wir somit zum einen sicher, dass Mama und Papa sich keine Sorgen machen müssen, und zum anderen, dass jeder weiß, wo wir gerade stecken und warum wir vielleicht nicht innerhalb von 24 Stunden auf eine WhatsApp Nachricht reagieren. Wie clever!

In diesem Sinne:

adventure