#29: Goodbye, Sydney!

Es ist verrückt wie schnell die Zeit vergeht. Als wäre es gestern gewesen, dass David uns am Flughafen in Sydney begrüßt, sitzen wir heute schon wieder auf gepackten Sachen und fahren in wenigen Stunden los zum Flughafen. Die letzten Tage waren vollgepackt mit letzten Arbeitsschichten, vielen Abschieden, und der nötigen Frage, was wir eigentlich alles nach Neuseeland mitnehmen und was wir dann doch lieber hierlassen. Zur Vorsicht habe ich mir dann doch lieber noch eine weitere lange Jeanshose gekauft – die Wettervorhersage für Christchurch verspricht momentan einen deutschen Sommer mit 20 Grad und Regen. Die Hose wird sich demnach wahrscheinlich auszahlen. Während ich das hier gerade schreibe, liest Marius aktuelle Nachrichten aus Neuseeland vor, die von einem schweren Sturm berichten, der am Donnerstag (also unserem ersten Tag in Neuseeland) über die Südinsel ziehen soll. Mütze und Schal habe ich griffbereit.

It is crazy how time flies. It feels like it has just been yesterday that David picked us up from the airport, but today we are all set to go and will drive to the airport in just a few hours. The last days were fully packed with last shifts at work, tons of goodbyes and the important question, what we actually take to New Zealand and what we should better leave behind (because of course, you still collect a lot of unnecessary stuff in two months). Cautiously optimistic regarding New Zealand weather, I bought a second long pants – the weather forecast for Christchurch predict a rather German summer with 20 degrees and rain. The purchase will easily pay off. While I’m writing this post, Marius is reading current news about New Zealand that are reporting about a severe storm coming to the South Island on Thursday (on the day of our arrival). That’s why scarf and cap are close to hand.

Der schwierigste Teil des Abschieds aus Sydney steht aber noch bevor – wir müssen den Hunden tschüss sagen! Unsere Vermietern Lyn bringt uns netterweise nachher zum Flughafen – vielleicht können wir in der Fahrzeit also noch ein wenig mit Coco auf dem Rücksitz kuscheln. Es ist schon verrückt, wie sehr ich die Hunde ins Herz geschlossen habe, aber es war einfach immer so ein schönes Gefühl, nach Hause zu kommen und von vier treuen Hundeseelen begrüßt zu werden. Oder mit Coco zu spielen. Vielleicht werde ich also ein Tränchen verdrücken, wenn ich endgültig tschüss sagen muss. Zumindest haben wir die Fotos als Erinnerung für die Ewigkeit!

The most difficult part of leaving Sydney will probably be saying goodbye to the fur babies. Our landlord Lyn is so kind to drive us to the airport – I hope she takes Coco as well and I have a few more minutes to cuddle with her. It’s crazy how quickly I locked the dogs into my heart, but it has just been wonderful to have them around in our apartment. Just the fact that there is always someone when you come home. And that you lose any idea of time when you play with the puppy. I therefore might shed some tears while saying goodbye. At least we have the pictures as an everlasting memory!

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Ich wurde gefragt, ob ich mich freue, wieder auf Reisen zu gehen. Und ob ich Sydney vermissen werde. Die Antworten sind eindeutig: Ja und Nein. Nach zwei Monaten Schufterei (und ich nenne es wirklich so, denn es war nicht immer so ein Zuckerschlecken) haben wir uns die Auszeit wirklich verdient. Die vielen Stunden hinter der Kaffeemaschine; die tausenden Kaffees, die gemacht werden mussten; die ständig mit Kaffeepulver zugesetzten Fingernägel; die Spülhände, die ab und an schmerzenden Füße; der Schlafmangel – all das hat jetzt erst einmal ein Ende. Auch wenn wir gerade etwas „Hangover“ von gestern Abend im Café sitzen und man uns die Vorfreude nicht direkt vom Gesicht ablesen kann: Wir sind unfassbar aufgeregt und freuen uns wahnsinnig.

I was asked if I am looking forward to hit the road again. And if I will miss Sydney. The answers are crystal clear for me: yes and no. After two months of hard work (and I intentionally label it “hard”, because it was not always fun) we really deserved a little time off. The long hours behind the barista machine; the thousands cups of coffee that had to be made; the constantly dirty fingernails due to the ground coffee; the dry hand from rinsing; the hurting feet; the lack of sleep – all of that has come to an end now. And although we’re a bit hungover from last night and you can’t really tell the excitement we feel from our face, we are very excitement and super happy.

Nun zur Frage, warum ich Sydney nicht vermissen werde. Generell würde ich sagen, dass ich immer gerne in größeren Städten gelebt habe und den Trubel um mich herum genieße. Aber irgendwie ist bei mir in Sydney kein Funke übergesprungen. Das mag am furchtbar heißen Wetter gelegen haben (wobei das Wetter in Hong Kong deutlich anstrengender war), oder am schlechten Nahverkehr (der aber gerade ausgebaut wird), den Mietpreisen, oder, oder, oder… So ein Bauchgefühl lässt sich als Außenstehender wahrscheinlich schlecht verstehen, deswegen lasst es mich so zusammenfassen: Wir hatten eine wunderbare Zeit hier, aber für mich ist Sydney keine Stadt, in der ich wieder längere Zeit leben würde. Wenn wir wiederkommen, dann nur für einen Urlaub. Und Urlaub in Sydney kann ich jedem empfehlen!

(Ergänzung von Marius: in den Wellen rund um Sydney sind viel zu viele Surfer, ich habe an manchen Tagen über 200 Leute mit Surfboard im Wasser gezählt.)

 Now to the question why I won’t miss Sydney. Generally, I’d say that I always loved to live in bigger cities and that I can’t get enough of all the hectic around me. But with Sydney, it was kind of different, there was no spark. Maybe it was because of the super-hot weather (but I actually know it worse from Hong Kong), maybe because of bad public transport (that is improving right now), maybe because of rental prices, or maybe because of …. Honestly, I can’t really describe this feeling to an outstanding person. But, to sum up, we still had a very, very nice time staying here. Nevertheless, I wouldn’t pick Sydney again to stay for a longer time. If I come back, it would be for vacation. And I can absolutely recommend a city trip to Sydney to every one of you!

(Marius: the line up in Sydney was also packed with tons of surfers, on some days I counted more than 200 people being in the water with me.)

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Natürlich waren die letzten Tage nicht nur vollgepackt mit Arbeit, Abschied und Koffer packen. Marius und ich waren am Sonntag zusammen am wunderschönen Rockpool in Coogee, haben letzten Mittwoch die Streetart und tropfende Schweißperlen in Bondi bewundert. Ich war in der National Art Gallery und habe den „Angel’s Place“ im Zentrum besucht. Auf letzteres bin ich nur durch Anna aufmerksam geworden. Im ganzen Hinterhof, ganz versteckt zwischen Wolkenkratzern, hängen hunderte von leeren Vogelkäfigen. Jeder Käfig symbolisiert eine Vogelart, die es früher einmal in Sydney gab – und durch den Ausbau der Stadt in Sydney ausgestorben ist. Neben den Käfigen werden über Lautsprecher Vogelgesänge abgespielt. Ich war wirklich beeindruckt von dieser Kunstinstallation, gerade auch, weil dieser Ort einen so in den Bann gezogen hat und einen nachdenklich werden lässt.

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Of course we didn’t only work, had farewells or packed our stuff together. On Sunday, me and Marius went to the rock pool in Coogee, and Wednesday we went to Bondi Beach to have a look at the amazing street art there and the crazy people that exercised in the outdoor gym in the dead of the Australian sun. Moreover, I visited the National Art Gallery and the Angel’s Place in CBD. The latter I saw on Anna’s Instagram and was really fascinated. Hidden in a tiny backyard in the middle of Sydney’s skyscrapers, there are hanging hundreds of empty bird cages forming an incredible roof. Every empty cage symbolizes a bird species that died-out in Sydney. The cages together with the bird-voice sound installation really made this place breath-taking and worth a visit.

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Unsere Idee, noch einen romantischen Sonnenaufgang am Coogee Bay zu sehen, bevor wir unsere „Hood“ verlassen, ging etwas in die Hose. Nachdem wir uns um Viertel nach Fünf mühsam aus dem Bett gequält und es irgendwie zum Strand geschafft hatten, erwarteten wir einen einsamen Strand, wohltuende Ruhe und Meeresrauschen. Weit gefehlt: Uns begrüßten hunderte Australier, die um sechs Uhr bereits im Sand standen und Liegestütze, Kniebeugen und Sprints absolvierten und für ihr Schwimmtraining ins Meer hüpften. Und ich übertreibe mit dieser Beschreibung keineswegs. Während wir noch halb verschlafen auf der Promenade Platz nahmen, wurden wenige Meter entfernt hunderte Menschen freiwillig um diese frühe Stunde von ihren Trainern angebrüllt. Man lerne: Australier sind tatsächlich sehr, sehr sportverrückt. Und stehen gerne früh auf (was man von uns nicht behaupten kann). Daher verschieben wir ähnliche morgendliche Romantikaktionen also lieber nach Neuseeland.

Our spontaneous idea to watch a romantic sunrise at Coogee Bay before leaving was a complete flop. After fighting with our bodies to get up at quarter past five and walking to the beach, we expected an empty beach and the peaceful sounds of the ocean. However, there were already hundreds of Australians doing push-ups, squats and sprints on the beach (as part of several boot camps). Some even jumped into the water to swim. While we were still half a sleep sitting at the beach, just a few meters next to us people payed for sweating their ass off that early in the morning. We’ve learned: Australians are very, very much into sports. And like to get up early (what we can’t really say about ourselves). That’s why we should probably start similar early morning sunrise sessions while we’re in New Zealand.

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Was wir, abgesehen von der Sportsucht, sonst noch so über Australier, Sydney und in Sydney lebende Australier gelernt haben (diese Liste wird sicherlich noch ergänzt, wenn wir aus Neuseeland wieder zurückkommen):

  1. Australier können kein Auto fahren. Weil es keine Fahrschulen gibt. Jeder lernt mit Mama oder Papa, und der einzige Test ist eine theoretische Prüfung. Die einzige Sicherheit sind Plaketten am Auto, die über die Fahrkenntnis des Fahrers aufklären.
  2. Höchstwahrscheinlich aufgrund Punkt 1, herrscht fürs Fahrrad fahren Helmpflicht. Wäre mir hier auch sicherer.
  3. Die junge Generation (und alle Junggebliebenen) begrüßt sich gerne mit „Hey Mate“ (Hey Kumpel).
  4. Die Rettungsschwimmer am Strand tragen lustige Badekappen.
  5. Australier sind verrückt nach Bananenbrot (und wir inzwischen auch).
  6. Alle Australier halten mich für eine Irin. Und Marius für einen Skandinavier.
  7. Coffee is life. Am liebsten im Take Away Plastikbecher. Angesichts meiner zweimonatigen Barista-Erfahrung kann ich sagen, dass das Umweltbewusstsein hier noch nicht ganz angekommen ist. Höchstens 1 % meiner Kunden hatte einen wiederverwendbaren Kaffeebecher. Und das, obwohl Leute teilweise dreimal täglich vorbeikamen, um einen Kaffee zu kaufen!
  8. Es gibt zwei Seiten des Nationalfeiertags am 26. Januar: Den Australia Day (an dem man den Nationalstolz raushängen lässt und die Anladung der ersten britischen Flotte 1788 feiert) und den Invasion Day (der an die Unterdrückung der Aboriginie Stämme durch die Europäer erinnert). Wir haben am Australia/Invasion Day gearbeitet, damit war uns die Entscheidung abgenommen, ob wir mitfeiern oder nicht.
  9. Im Bus wird nicht angezeigt, welche Haltestelle als Nächstes kommt. Entweder man kennt den Weg, oder man ist aufgeschmissen. Na gut, so schlimm ist es auch nicht. Man kann auch den Busfahrer fragen, wann man aussteigen muss. Auf jeden Fall bedankt man sich bei dem Fahrer, wenn man aussteigt. Immer!

What we’ve learned about Australians, Sydney and Australians living in Sydney, besides the addiction to sports, we have comprehensively written down in the list below (which will probably grow once we are back in Aussie-land):

  1. Australians can’t ride a car. Because there are no driving schools. Everyone’s learning with Mum and Dad, and the only exam to take is theoretical. The only security for pedestrians are plates on the car that tell you about the experience of the driver.
  2. Probably due to 1, helmets are mandatory for every cyclist.
  3. The younger generation (and all those young at heart) greet themselves with “Hey mate”.
  4. Lifeguards at the beach wear funny bathing caps.
  5. Australians are crazy about banana bread (and we are addicted now, too).
  6. All Australians asked me if I am from Ireland. And if Marius is from Scandinavia.
  7. Coffee is life. Australians love take away coffee. Being a barista for two months, I can really tell there is no sense of environmental awareness when it comes to coffee. Maybe 1 % of my customers used a reusable cup. Even though many of them came for coffee a few times a day!
  8. There are two sides when talking about the 26th of January: Celebrating the Australia Day (with a lot of national pride) and the landing of the first fleet in Australia in 1788, or the Invasion Day, which basically raises awareness about the oppression of the aborigines by the Europeans. We actually worked on the 26th, wherefore we didn’t have to decide in which camp we’re in.
  9. The bus doesn’t tell you what’s the next stop. Either you know it, or you don’t. Well, you can ask the bus driver to give you a sign once he approaches your bus stop. Nevertheless, everyone says Thank you to the bus driver when leaving the bus. So friendly!

 

bis bald charlotte

#28 Sydney/Coogee: How to celebrate a French birthday and how to survive as a Sydney tourist

In den letzten Tagen bekomme ich öfter mal den Satz zu hören: Wir warten auf Neuigkeiten von euch! Wann gibt es endlich einen neuen Blogeintrag? – Zugegeben, die heißen Temperaturen in Sydney lassen uns etwas träge werden. Nach der Arbeit fallen wir todmüde ins Bett (oder spielen noch stundenlang mit Coco). Wir haben nicht viel Zeit, um auf Achse zu gehen und Sachen zu erleben. Viel Freizeit geht halt fürs Surfen drauf (bei Majo). Ich nutze jede freie Minute, um mit den Hunden zu spielen und meine Lieblingsserie weiterzugucken. Oder Sport zu machen. Und darüber sollen wir berichten? (Das bedeutet natürlich nicht, dass wir euer Feedback nicht Ernst nehmen).

In the past few days, I was often asked when we would finally post something new on the blog again. Honestly, the hot weather in Sydney let us become kind of sluggish. After work, we usually just collapse into bed (or continue to play hours with Coco). Thus, there’s is not a lot of time to go out and do new stuff. Majo spends a lot of free time surfing, while I am addicted to play with the dogs (who can blame me?) or to watch my new favourite Netflix series. Or I do sports. And that’s what you want to know about?! (But of course, that doesn’t mean we don’t take your feedback seriously).

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Nachdem wir uns gefragt haben, wo eigentlich unsere Freizeit abgeblieben ist, hat Majo letzte Woche folgende Rechnung aufgestellt: Eine Woche hat 168 Stunden. Kalkuliert man unsere acht Stunden Schönheitsschlaf mit ein, sind es nur noch 112 Stunden. Wenn man dann pauschal die Arbeitszeit abzieht, bleiben trotzdem noch 72 Stunden Freizeit übrig. Irgendwas müssen wir aber in unserer Rechnung übersehen haben. Vielleicht vergeht die Freizeit schneller als die Arbeitszeit. Vielleicht dauert unser Schönheitsschlaf doch länger. Oder die Mathematik liegt einfach falsch. Auf jeden Fall kann ich es kaum erwarten, in Neuseeland wieder 168 Stunden die Woche meine Seele baumeln zu lassen und Abenteuer zu erleben. Und euch natürlich auf dem Laufenden zu halten!

After we asked ourselves what is actually taking away our free time, Majo conducted following calculation last week: One week has 168 hours. Minus our daily eight hours’ of beauty sleep, it leaves us with 112 hours. Minus our working hours, there are still 72 hours’ free time left. So how is it possible we still don’t find enough time? Maybe we calculate wrong. Maybe our beauty sleep takes longer. Or maybe maths is wrong. In any case, I can’t wait to finally be free 168 hours a week when we travel through New Zealand and experience new adventures. And of course, keep you updated!

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Uns bleiben noch genau zehn Tage, bevor wir Sydney verlassen. Noch zehn Tage, die vollgepackt sind mit unerfreulichen Dingen des Reisens (wie zum Beispiel Abschied von unseren Freunden nehmen und unser Hab und Gut zusammenpacken), und dem Wunsch, unsere „Bucket List“ für Sydney abzuarbeiten. Laut Wörterbuch ist das eine Liste von Dingen, die man vor Lebensende gemacht haben will – das ist vielleicht etwas überzogen, weil wir sicherlich noch irgendwann einmal nach Sydney kommen werden, aber dennoch besteht der Wunsch, noch etwas Neues zu entdecken und/oder Dinge noch einmal zu erleben. Letzteres bezieht sich größtenteils aufs Essen (warum müssen die Pommes beim Burgerladen um die Ecke auch so gut schmecken?!), während wir bei richtigen Unternehmungen (oder sollte ich es besser Ausflugsziele nennen?) schon einiges abhaken konnten. Da wäre zum Beispiel unser Besuch der Blue Mountains vor zwei Wochen oder unser Abstecher zu ein paar weiter entfernten Stränden (hier lest ihr mehr darüber).

We still have ten days before leaving Sydney. Ten days to do all the unpleasant things of traveling (like saying goodbye to newly made and old friends or packing) and to do complete our bucket list for Sydney. Interestingly, it includes more food points than real ‚excursions‘. However, we were still able to already tick off a few points, like the hike in the Blue Mountains or the beach-hopping on the Southern beaches.

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In der letzten Woche haben wir uns dann die etwas zentrumsnäheren Ziele ausgesucht: Ein Besuch im Contemporary Art Museum und im Harbour Bridge Museum. Während mich im Contemporary Art Museum nicht wirklich viel vom Hocker hauen konnte (außer die 70er Jahre Werbeplakate für die Aufklärung von Aborigine Stämmen) – vielleicht muss ich mir einfach eingestehen, dass zeitgenössische Kunst nicht immer etwas für mich ist – war das Harbour Bridge Museum jeden Cent Eintritt wert. Neben der grandiosen Aussicht, die man auf das Opernhaus, die Skyline, die Harbour Bridge und die Bridge Walker (viele Menschen in lustigen blauen Overalls, die die stählernen Brückenbogen für 360 Dollar hoch- und wieder herunterlaufen dürfen) hatte, war das Museum und alle Informationen rund um den Bau und die Instandhaltung der Brücke wirklich interessant. Wer hätte schon gewusst, dass einhundert Jahre lang darüber diskutiert wurde, ob man überhaupt eine Brücke bauen soll? Oder dass „nur“ 16 Menschen beim Bau ums Leben kamen? (Der Arbeiter, der den Fall aus fast 130 Metern Höhe überlebte, bekam als Entschädigung eine goldene Armbanduhr geschenkt). Tatsächlich kamen nur zwei Arbeiter beim Fall von der Brücke ums Leben. Und dass trotz jeglicher fehlenden Sicherheitsvorschriften oder -vorkehrungen. Die meisten anderen Arbeiter sind beim Verarbeiten des Stahls gestorben.

Last week, we finally picked some tourist attractions close to the centre: we visited the Contemporary Art Museum and the Harbour Bridge Museum. While the Contemporary Art Museum didn’t really knock me of my socks (besides the educational posters for aborigines from the 70’s) the Harbour Bridge Museum was worth every dollar entrance fee. Besides having the stunning view on the Opera House, the Harbour Bridge, the Sydney Skyline and the Bridge Walkers (the funny people in blue overalls who actually pay the ridiculous amount of 360 Dollars to walk up and down the bridge arch), the Museum offered really interesting information about how the Harbour Bridge was constructed, how long it took to deliberate on the necessity of a bridge and how many people actually died during the construction. In fact, only two workers died of falling from the bridge (one worker survived the fall and got a golden watch for compensation), but most of the 14 death workers died while processing steal. And all of this without any safety instructions or regulations!

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Apropos Sicherheit – uns geht es gut, dass erst einmal vorab. Aber ich war schon etwas schockiert, als ich Samstag riesige Rauchwolken in der Nähe des Hafens sah. Nach kurzer Recherche war klar – ein Waldbrand im Royal National Park!

Regarding security – first of all, we are fine. But I was a little bit shocked when I saw the big clouds of smoke near the harbour while standing on our terrace on Saturday. A Google search later we knew that the smoke belonged to a bush fire in the Royal National Park.

Wenn man die Australier darauf anspricht, bekommt man ein spöttisches Achselzucken zurück. Waldbrand scheint hier Normalität zu sein: „When you read the newspaper, you could really get the impression the whole country is burning“ (was soviel heißt wie: als Ausländer sollte man nicht allem Glauben schenken, was die Medien überzogen darstellen). Bush fires, wie sie hier genannt werden, kommen sehr oft vor – aber wie es „The Guardian“ so schön schreibt: „“The response from the community has been really good,” a State Control Centre spokesman said. “Most of the fires have been small scale and we’ve been able to respond quickly.”“ Die Rauchwolken sind zwar noch nicht ganz verschwunden und die Temperaturen sind weiterhin hochsommerlich – aber immerhin mache ich mir jetzt keine Sorgen mehr. Und das gute Wetter der letzten Tage hat immerhin dazu eingeladen, Justine’s 22. Geburtstag am Strand zu feiern.

When you ask Australians about bush fires, the normal response is only a shrug of their shoulders. Bushfires seem to be normal in Australia: “When you read the newspaper, you could really get the impression the whole country is burning.” Thus, I just overreacted and know for the future that I shouldn’t believe everything pushed by the (yellow) press. The Guardian reported for the fire in the Royal National Park that “the response from the community has been really good,” a State Control Centre spokesman said. “Most of the fires have been small scale and we’ve been able to respond quickly.” We can still see the clouds of smoke and the weather is still hot, but at least I don’t worry so much anymore. At least, the good weather made it possible to celebrate Justine’s 22nd birthday at the beach.

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Gut, bei 33 Grad lässt das Wetter auch keine andere Geburtstagsaktivität zu. Nachdem Justine und ich unsere Schicht im Café beendet hatten, hatten wir erst zusammen mit Marius und Justines Freundin Camille Mittagessen, bevor es zum Sonnenbad ging. Für einen Sonntag und 33 Grad war es an Coogee Bay dementsprechend voll. Trotzdem fanden wir in Mitte der gefühlt abertausenden Handtücher einen kleinen Platz, nahmen ein verdientes Bad im Meer und füllten unsere Energiespeicher mit einem kleinen Mittagsschlaf auf. Danach ging es zum Supermarkt, wir füllten unsere Taschen mit Wein, Käse und Cräckern und setzten uns an den nahgelegenen Dolphin’s Point – einem kleinen Park neben der Coogee Bay mit einer wunderschönen Aussicht auf die Bucht und den Sonnenuntergang. Ein richtiger französischer Geburtstag also!

Well, with 33 degrees you really don’t want to be anywhere else than at the beach. After Justine and I had finished our shift at the café in Coogee, we went for lunch with Marius and Camille, a friend of Justine with whom she will start a road trip very soon. Afterwards, we went sunbathing at Coogee Bay. Taking into account the 33 degrees and the fact that it was a Sunday, the beach was of course more than crowded. However, we still found a small space to put down our towels before jumping into the refreshing ocean. After a quick afternoon nap and grocery shopping in the local supermarket for cheese, wine and crackers, we finished off with a lovely picnic at Dolphin’s Point – a small park with a great view on Coogee Bay, the ocean and the sunset. That was a perfect French birthday!

bis bald charlotte 

 

#27 Sydney: Nachwuchs, Blaue Berge und Reise-Update

Nachwuchs an der Lion Street! Unser mittlerweile ziemlich routinierter Arbeitsalltag wird von einem kleinen, wuscheligen und lebensfrohen Geschöpf namens Coco durchbrochen. Unsere Vermieterin hat sich kurzerhand mal gedacht, dass sie einen vierten Hund gebrauchen könnte, sodass sie von dieser Rasse (für alle Hundenarren: die Rasse heißt Cavalier King Charles Spaniel) alle Farben komplett beisammenhat. Und so kam die kleine, erst zwölf Wochen alte Coco hierher und eroberte auf Anhieb alle Menschenherzen. Anfangs haben sich die beiden anderen Weibchen nicht ganz so sehr mit ihr verstanden (was für Zicken aber auch! Das Männchen Brim hatte nichts einzuwenden), doch nun klappt mittlerweile auch das. Lotti und ich spielen und kuscheln super gern mit Coco, besonders, wenn man so tapsig und verspielt begrüßt wird (von Coco, nicht von Lotti).

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Vergangenen Montag sind wir zusammen mit Justine, einer Arbeitskollegin/Freundin von Lotti, in die Blue Mountains gefahren. Diese Tagestour habe ich von Lotti zu Weihnachten geschenkt bekommen, und so saßen wir um sieben Uhr morgens im Wanderoutfit in unserem car-next-door-Mietwagen (ein schicker, neuer SUV von Kia). Gut zwei Stunden später (dank Tempolimit von 110 km/h) und etwa einhundert Kilometer landeinwärts haben wir Katoomba erreicht, eine Kleinstadt mitten im Blue Mountains Nationalpark. Der viereinhalbstündige Wanderweg führte uns zunächst an die schönsten Aussichtspunkte mit Blick auf die Three Sisters und auf das scheinbar unendliche Grün des gemäßigten Regenwaldes. Laut der Aborigine-Legende sind die Three Sisters, wie durch die Namensgebung schon offensichtlich, drei versteinerte Schwestern (Meenhi, Wimlah und Gunnedo) des Katoomba Stamms. Wie im Disney Märchen verliebten sich die drei Schwestern in drei Kämpfer eines verfeindeten Stamms. Eine Heirat war per Stammes-Gesetz ausgeschlossen. Die (offensichtlich Hals über Kopf verliebten) Kämpfer wollten das Verbot nicht hinnehmen und entführten die drei Schwestern. Ein Krieg zwischen den beiden Stämmen wurde dadurch unvermeidlich. Um das Leben der drei Schwestern bei den Kämpfen zu schützen, verwandelte sie der dorfeigene Hexenmeister in Stein. Wie das Schicksal so will, kam dieser aber leider bei den Kämpfen um. Leider kann (beziehungsweise konnte) nur er die Schwestern auch wieder zurückverwandeln. Und somit bleiben die Schwestern bis heute versteinert. Diese Geschichte hat also kein Märchen-Happyend, aber immerhin sind die Steine sehr nett anzuschauen.

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Auf den Wegweisern unseres Wanderwegs wurde schon darauf hingewiesen, dass man ausreichend Wasser mitnehmen soll. Dementsprechend viel haben wir auch geschwitzt. Zuerst ging es entlang einer Steilwand den sogenannte Giant Stairway hinab. Über 900 Stufen, größtenteils in Stein gehauen, und einige sehr steile eiserne Treppen führten hinab in das grüne Dschungelmeer, auf das wir von oben noch diesen atemberaubenden Blick hatten. Anschließend bahnte sich der Wanderweg gut anderthalb Stunden durch den Wald. Unsere Mittagspause haben wir an einem kleinen Wasserfall eingelegt. Die Bewölkung ließ nach, die Temperatur stieg an und wir haben uns wohl oder übel an den langen Aufstieg zurück auf die Hochebene gemacht. Manchmal hier und da ein Jammern und ein „Wie lange nooooch?“, aber im Großen und Ganzen hat es sich absolut gelohnt! Die Blue Mountains können wir nun auf unserer Liste abhaken (und so „blau“ waren die Berge dann auch nicht).

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Da wir noch reichlich Zeit hatten, haben wir ganz in der Nähe des Flughafens von Sydney auf unserem Rückweg an einem Strand angehalten, von dem man die startenden und landenden Flugzeuge relativ nah beobachten konnte. Einen Jumbo und einen neuen A380 haben wir sogar auch landen sehen… echt große Vögel! In der Ferne waren riesige Gewitterwolken und es blitzte ziemlich oft. Später erfuhren wir, dass in einer Stunde über 4600 Blitze registriert wurden. Kein Wunder, es musste sich einfach drastisch abkühlen. Denn tags zuvor wurden die heißesten Temperaturen seit 1939 gemessen. In den westlichen Vororten von Sydney war es 47,3 Grad heiß. Sogar die Neue Osnabrücker Zeitung berichtete davon, wie mir mein Vater per WhatsApp mitteilte. An diesem heißen Sonntag haben wir den Nachmittag in der Little Bay verbracht, so wie gefühlt zehntausend andere Menschen auch. Das Wasser ist schön erfrischend und mit der Meerbrise ließ es sich super aushalten. Im Prinzip so sehr, dass Lotti gut eine Stunde Schlaf nachgeholt hat.

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Jeden Samstag findet in der Nähe von Central der Glebe Market statt. Hier treiben sich die verrücktesten Leute aus verschiedenen Szenen herum und es wird viel Handgefertigtes und Secondhand Kleidung angeboten. Lotti hat schöne Ohrringe gefunden, während ich schwitzend die Stände entlang geschlendert bin, immer auf der Suche nach Schatten. Es war mal wieder ziemlich heiß und gleichzeitig drückend. Doch mittlerweile hat es sich abgekühlt und wir befinden uns am Rande eines Sturmtiefs, das kühlere Luftmassen aus dem Süden zu uns schaufelt. Wetter-Smalltalk… kommt immer gut, wenn bei uns auf der Arbeit im Café oder in der Bar nicht so viel los ist. Zudem kann ich mich mit meinem Chef Franky über die aktuellen Surfbedingungen unterhalten. Seit heute Mittag und für morgen (Montag) haben Lotti und ich beide frei und wir können etwas mehr Zeit gemeinsam verbringen. Während unserer Schichten kommt es vor, dass Lotti um fünf Uhr aufsteht, um das Café in Coogee zu öffnen. Zur Mittagszeit sehen wir uns kurz (falls ich nicht surfen bin), Lotti arbeitet anschließend bis zum frühen Abend in dem anderen Café und ich arbeite bis spät abends, am Wochenende auch bis etwa ein Uhr nachts in der Bar Bat Country.

Das viele Arbeiten und die wenige Zeit zu zweit hat aber bald ein Ende, denn wir haben für den 31. Januar Flüge nach Neuseeland gebucht! Ich halte schon fleißig jeden Tag Ausschau nach einem geeigneten Campervan, den wir uns dort für zwei Monate kaufen wollen. Die Vorfreude auf diesen Roadtrip durch Neuseeland ist bereits groß, und ihr könnt euch hoffentlich auf viele Berichte und Fotos freuen.

bis bald marius

#26 Sydney: Auf geht’s ins Jahr Zweitausendachtzehn!

Wir haben Weihnachten offiziell überlebt. Alle Weihnachtsfeiern sind hinter uns, wir haben unsere Ernährung wieder auf „einigermaßen gesund” umgestellt und sind wieder erfolgreich im Alltag angekommen. Mit dem Ende des Boxing Days habe ich sogar noch Mini-Christstollen im Supermarkt entdeckt. Und was soll ich sagen: Sie schmecken himmlisch und genauso wie im kalten Deutschland.

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Die Tage vor Silvester waren wir wieder arbeiten, haben zum ersten Mal intensiv nach Neuseeland-Flügen gesucht (aber noch nichts gebucht) und waren natürlich wieder am Strand. Endlich hat das Wasser eine angenehmere Temperatur, sodass das Baden richtig Spaß macht. Darüber hinaus habe ich mir letzte Woche endlich mal wieder eine Pediküre gegönnt, und kam nach einer Dreiviertelstunde im Massagesessel und frisch polierten Füßen wie ein neuer Mensch aus dem Nagelstudio. Jeden hart verdienten Dollar habe ich hier also vernünftig investiert.

Silvester stand dann auch schon schneller vor der Tür als gedacht. Da Marius unbedingt das große Feuerwerk an der Harbour Bridge sehen wollte (weil man das laut seiner Argumentation einmal im Leben gesehen haben muss und weil es angeblich das tollste Silvesterfeuerwerk der Welt sein soll), gab es also nur ein Ziel: einen guten Platz an einem der Feuerwerksaussichtspunkte zu ergattern. Da wir nicht (wie so manch anderer) schon die Nacht zuvor (oder sogar zwei Nächte zuvor) an den Public-Viewing Plätzen zelten wollten (die spinnen doch, die Australier und sämtliche Touristen), ging es für uns erst gemütlich um 20 Uhr Richtung Rose Bay, um das Familienfeuerwerk um 21 Uhr zu schauen. Unsere Vermieter hatten uns netterweise kurzfristig angeboten, uns mit dem Auto mitzunehmen. Was ein Luxus! Lynn besorgte uns sogar noch einen Kaffee, während wir uns mit ihrem Mann William schon einmal einen guten Platz am Strand sicherten. Der Strand war voll mit Familien, die hier den Tag über verbracht hatten. Überall lagen Picknickdecken, Marius durfte bei Familienfotos als Fotograf aushelfen und viele Leute nahmen trotz der etwas kühleren Temperaturen (um die 20 Grad) noch ein Bad im Meer.

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Rose Bay liegt östlich der Harbour Bridge, etwa 5 Kilometer entfernt. Trotzdem hatten wir einen erstaunlich guten Blick auf das Feuerwerk – und es war sicherlich bei weitem nicht so voll wie an den Plätzen in direkter Nähe der Harbour Bridge. Teilweise wurden die ersten Aussichtspunkte am Botanischen Garten und am Opernhaus schon mittags geschlossen, weil die Kapazitätsgrenze erreicht war. Nach dem Familienfeuerwerk um 9 Uhr fuhren uns Lynn und William dann noch nach Edgecliff, wo Marius und ich im Yarranabbe Park picknickten, bevor um Mitternacht dann das richtige Feuerwerk gezeigt wurde.

In Sydney wird übrigens keine Pyrotechnik verkauft. Vielleicht auch deswegen schauen sich so viele Menschen jedes Jahr das Silvesterfeuerwerk an (wobei fast die Hälfte der Zuschauer Touristen sein sollen). Dieses Jahr bestand das Feuerwerk, dass von der Brücke und von verschiedenen Lastkähnen auf dem Wasser abgeschossen wurden, aus insgesamt acht Tonnen Pyrotechnik. Das Highlight war ein Wasserfall in Regenbogenfarben – um die Verabschiedung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Australien zu feiern. Genau wie bei uns wurde das Gesetz (nach einer Volksabstimmung) nämlich erst dieses Jahr verabschiedet.

Nachdem ich in Hongkong und beim Feuerwerkfestival in Scheveningen schon öfter richtig tolle Feuerwerke gesehen habe, war ich nach den zwölf Minuten Silvesterfeuerwerk in Sydney etwas enttäuscht. Trotz sieben Millionen Dollar Kosten und Tonnen an Pyrotechnik würde ich behaupten, dass ich schönere Feuerwerke gesehen habe. Dennoch war die Stimmung an den Aussichtspunkten toll, und das Gefühl, mit so vielen fremden Menschen zusammen Silvester zu feiern, war einfach wunderbar. So wie Public Viewing bei der Weltmeisterschaft halt.

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Der nächste Morgen war umso härter – um halb sieben Uhr morgens (und nach höchstens vier Stunden Schlaf) hatte ich bereits wieder meine Arbeitsklamotten an und servierte die ersten Cappuccinos an Ultra-Frühaufsteher oder an Heimkehrer der Silvesterfeiernden. Es war der Wahnsinn, wie viele Australier und Touristen den Tag über zum Strand pilgerten, um das gute Wetter zu genießen (und um auszunüchtern). Jedes Café, dass in Coogee geöffnet hatte, war ausnahmslos brechend voll. Teilweise standen die Leute Schlange, um einen Tisch zu ergattern. Dreizehn anstrengende Stunden und gefühlt tausende Kaffees später haben meine Kollegen und ich uns dann mit einem großen Bier (was hier übrigens Pint heißt), belohnt. Und das extra Gehalt, was an Feiertagen vom Arbeitgeber gezahlt wird, machte die Schicht am Neujahrstag auch nur halb so schlimm.

Heute haben wir den Hermitage Foreshore Walk gemacht. Marius und ich hatten bislang noch nichts von dem Walk gehört, aber unsere Vermieterin empfiehl uns den Weg, als wir zusammen am Strand in Rose Bay saßen (und der Hermitage Foreshore Walk in unmittelbarer Nähe startet). Trotz Müdigkeit (meinerseits) hat sich das einigermaßen frühe Aufstehen und die anderthalbstündige Busfahrt zum Startpunkt mehr als gelohnt. Der Pfad war fast menschenleer, wir hatten einen Wahnsinnsblick auf Sydney und die Harbour Bridge und kamen an unfassbar schönen Buchten vorbei. Der krönende Abschluss war dann eine Abkühlung am Shark Beach (vom Namen leitet sich übrigens das Hai-Netz ab, was ihr auf den Fotos seht). Für all diejenigen unter euch, die in nächster Zeit mal in Sydney sind: Ihr sollten den Hermitage Foreshore Walk unbedingt machen!

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Das neue Jahr hat für uns also schon einmal aufregend begonnen – und wir sind gespannt, wie es in 2018 für uns weitergeht. So richtig „vorgenommen“ haben wir uns aber nichts. Wir wollen das Leben, wo immer wir auch hinreisen, weiter genießen, und so viel Entdecken und Erleben wie nur möglich. 2017 war für uns ein anstrengendes, aber auch erfolgreiches und tolles Jahr, und wir sind sicher, dass es 2018 nur noch besser werden kann. In diesem Sinne: Nehmt euch nicht zu viel vor (man hält es doch eh nicht ein) und macht das Beste aus 2018!

bis bald charlotte

#25 Randwick: Frohe Weihnachten!

Wir sind nun genau einen Monat in Australien. Gefährliche Tiere? Fehlanzeige. Zwei harmlose Spinnen, ein paar Kakerlaken – mehr haben wir bislang nicht gesehen. Kängurus oder Koalas habe ich bislang auch noch nicht entdeckt. Aber die leben wahrscheinlich alle nicht gerne in einer Großstadt.

Heute ist tatsächlich schon der erste Weihnachtstag. Wahnsinn, wie die Zeit verfliegt und wie schnell wir uns hier in Sydney eingelebt haben. Ich kenne meine Wege zur Arbeit in und auswendig und weiß inzwischen die Namen und Kaffee-Bestellungen von locker zwanzig Stammkunden (large weak extra hot soy flat white with two equals in a take away cup für Greg zum Beispiel). Die Leute haben hier echt einen totalen Kaffee-Tick – teilweise kommen sie jeden Tag für ihren Kaffee vorbei. Im Gegensatz zu Deutschland (und den Niederlanden) wird hier kein normaler Café Americano getrunken, sondern ein Long Black – ein Espresso mit Wasser verdünnt. Das klingt erst einmal ziemlich absurd, schmeckt aber sehr lecker.

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Auch wenn ich mehr als 40 Stunden die Woche arbeite, macht es super viel Spaß. Nach drei Monaten Nichtstun in Asien hat man das Gefühl, wieder etwas Vernünftiges zu machen. Ein weiterer Vorteil: Es gibt immer leckeres Essen für mich und natürlich Unmengen an Kaffee. Die Male, die ich jetzt noch zu Hause mit Marius koche sind daher ziemlich rar geworden (und ich bringe ihm oft noch Reste mit nach Hause).

(Ergänzung von Marius: Ich arbeite jetzt einigermaßen regelmäßig abends im Bat Country. Es macht mir super viel Spaß, ich finde mich schnell mit den Angeboten und den Bestellungen zurecht und das Team ist einfach grandios. Leider kann ich momentan nur etwa 20 Stunden pro Woche arbeiten, aber vielleicht kann ich im neuen Jahr morgens oder mittags noch mehr aushelfen. Als weitere Ergänzung dazu habe ich bei den „Reindeer People“ angefangen. Ich sammle an ein paar Tagen Spenden für die Organisation KIDS HOPE AUSTRALIA, indem ich Rentiergeweihe und Fidget Spinner verkaufe. Den Leuten ausgerechnet letzteres anzudrehen hätte ich nie gedacht, denn noch vor ein paar Monaten habe ich Schulkindern in meinem Unterricht diese nervigen Fidget Spinner weggenommen. Die paar Stunden Spendensammeln ziehen sich leider echt immer sehr in die Länge und es ist ein zermürbender Job. Immer lächeln, unendlich oft „Merry Christmas“ und „Would you like to support Kids Hope Aus?“ wiederholen und dabei einhundert Schaumstoff-Geweihe herumtragen. Egal, der Stundenlohn ist gut!)

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Ein Monat reicht auch, um die Australier und ihre Eigenschaften (und –arten) etwas besser zu verstehen. Da wäre zum Beispiel der Hang zum Small Talk. Egal wie fremd einem die Person ist, man quatscht schnell mal in der Bahn oder in der Schlange vorm Bäcker mit seinem Hinter- oder Nebenmann. Das „Wie geht’s“ zur Begrüßung hat sich bei mir schon fest eingebrannt. Und so hat man das Gefühl, dass man in einer Großstadt wie Sydney nicht allein ist. Als ich mich nach der Weihnachtsfeier mit David, Shri, Alina und ein paar weiteren Freunden auf dem Rückweg hoffnungslos verirrt habe, weil mein iPhone Akku seinen Geist aufgegeben hatte, durfte ich mein Handy in einem Kiosk aufladen. Aus fünf Minuten wurden dann plötzlich 15, weil ich den Verkäufer über seine Heimat Jordanien ausgefragt habe. Wer weiß schon, was für ein politisches System Jordanien hat und in welcher Beziehung es mit seinen Nachbarländern wie Israel oder Palästina steht? Mit funktionierendem Handy fand ich dann auch wieder zur Bushaltestelle (mit meiner Orientierung außerhalb unseres Vorortes hapert es noch etwas bei mir) und der Busfahrer, verkleidet als Santa Claus, verteilte an jeden Fahrgast Weihnachtssüßigkeiten. Sein Sitzplatz war komplett in Lametta gehüllt und passend dazu wurden Weihnachtsklassiker rauf und runter gespielt. „Driving Home for Christmas“ also.

Letzten Sonntag haben Shri, David, Marius und ich bei uns zuhause deutsche Plätzchen gebacken. Ich war erst skeptisch, ob das mit unserem Gasofen so gut funktioniert. Ein Blech ist uns auch verbrannt, aber der Rest der Plätzchen konnte sich sehen lassen. Und beim Plätzchenausstechen und –verzieren kam tatsächlich so was wie Weihnachtsstimmung auf. Und Shri weiß jetzt, was Mürbeteigplätzchen sind.

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Die letzte Woche war – neben unserer Arbeit – auch von Weihnachtsfeiern gespickt. Montags war Marius bei seiner (feuchtfröhlichen) Weihnachtsfeier vom Bat Country und am Dienstag haben wir Weihnachten mit unserer Vermieterin, ihrem Mann und unseren anderen Mitbewohnern gefeiert. Für jeden von uns hatte Santa ein Geschenk gebracht (sogar für die Hunde Ruby Rose, Brim und Ranny) und es gab reichlich Kaltgetränke und Knabbereien. Samstags war dann die Weihnachtsfeier bei David und Shri, und gestern (an Heiligabend) waren Marius und ich dann in Manly – einem größeren Strand im Norden von Sydney. Den kann man vom Sydney Opera House mit der Fähre erreichen. Mit neuem Sonnenschirm bewaffnet verbrachten wir einige Stunden damit, Leute am Strand zu beobachten, die Klatschpresse zu verfolgen und ein Nickerchen zu machen. Der Sonnenschirm ist schon jetzt Gold wert. Auch wenn 30 Grad nicht unbedingt super heiß klingt, knallt die Sonne extrem (hallo Ozonloch!) und man merkt bereits nach wenigen Minuten, wie man sprichwörtlich verbrennt (hallo Hautkrebs!).

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Mittwoch waren Marius und ich am Maroubra Beach. Während Marius für einige Stunden surfen war, wollte ich meinen freien Morgen gemütlich auf meinem Strandhandtuch verbringen – aber schon nach einer Stunde habe ich mich wie in einem Pizzaofen gefühlt. Den Rest der Zeit verbrachte ich dann lieber in einem Café, schlürfte einen leckeren Beerensmoothie und las Zeitung. Mittwoch war übrigens der heißeste Tag im Dezember in Sydney seit Beginn der Wettermessung. In einigen Bezirken (die nicht an der Küste liegen) wurden 42 Grad gemessen. Einen Sonnenbrand habe ich mir in Australien bis jetzt noch nicht geholt (ich creme mich jeden Morgen brav ein, Oma).

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Marius hat sich übrigens ein zweites Surfboard geholt. Ich weiß nicht genau, wie man mit zwei Surfboards gleichzeitig surfen kann, aber er wird das wohl irgendwie können. Zumindest hat er es mir Freitagabend ziemlich stolz präsentiert. (Ergänzung von Marius: dieses zweite Board ist nicht aus Fieberglass gefertigt, sondern aus einem hochwertigen, festen Kern, um den eine Art fester Schaumstoff laminiert ist. Damit geht das Board nicht so schnell kaputt, bzw. ist nicht so anfällig für kleine Macken, die das sonst übliche Fieberglas brechen lassen, was dann eine Reperatur erfordert. Da ich ein Surfboard gern auf die weitere Reise mitnehmen möchte, habe ich mir spontan überlegt, dieses Softboard (Mick Fanning – Little Marley in 5´2´´ für die Experten unter den Lesern) zu testen. Gefällt es mir, dann behalte ich es und verkaufe das andere Brett und es macht das Reisen mit einem Surfboard einfacher! Ach, und übrigens: natürlich kann man mit zwei Surfboards gleichzeitig surfen. Einfach mal „jamie o’brien board transfer“ googlen und sich das erste Video anschauen.)

Heute haben wir endlich mal wieder ausgeschlafen, gemütlich zu Hause gefrühstückt und sind dann nach Coogee, um von dort den Coogee to Bondi Coastal Walk zu laufen. Wie erwartet, waren wir nicht die Einzigen, die am ersten Weihnachtsfeiertag auf diese Idee kamen. Trotz Trubel war der Spaziergang richtig schön, gerade, weil man alle halbe Stunde an einer neuen Bucht vorbeigelaufen ist. Immer vorbei an steilen Felsklippen, Steinformationen, Rock-Pools und sogar einem Friedhof. Und auch das milde Wetter war für die sieben Kilometer Strecke perfekt – ich glaube, bei 30 Grad und gleißendem Sonnenschein wäre ich total verschwitzt in Bondi Beach angekommen. Nach dem Walk waren wir lecker Essen, sind per Bus zurück nach Hause gefahren und haben sogar noch eine weitere Sporteinheit auf der Veranda absolviert. Jetzt liegen wir müde und glücklich im Bett und schauen noch weiter Harry Potter. Morgen ruft der Arbeitsalltag wieder! Der zweite Weihnachtsfeiertag ist hier übrigens der typisch amerikanischeBoxing Day, in dem das Weihnachtsgeld wieder vershoppt wird und viele Geschäfte Rabattaktionen starten. Gut, dass ich den ganzen Tag arbeite (so kann ich mein frisch verdientes Geld nicht direkt wieder ausgeben, sondern für unsere nächsten Reisen sparen).

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Habt noch schöne Weihnachtsfeiertage und esst fleißig Knödel und Rotkohl für uns mit!

bis bald charlotte

 

 

#24 Randwick: Jobsuche, Streicheleinheiten und der erste Surf

Weihnachtsstimmung?! Naja, bei mir jedenfalls Fehlanzeige. Während ich per WhatsApp über verschneite Städte in Deutschland und perfekte Skibedingungen in den Alpen unterrichtet werde, brüte ich bei 33 Grad und gleißender Sonne über einem weiteren Blogartikel. Schließlich ist der letzte schon elf Adventskalendertürchen her! Zum Schreiben habe ich mir zumindest ein wirklich angenehmes schattiges Plätzchen ausgesucht.

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Lotti und ich wohnen jetzt im Stadtteil Randwick, circa zehn Kilometer außerhalb von Sydneys Stadtzentrum. Randwick ist Teil der Eastern Suburbs, die alle den Vorteil haben, in relativer Nähe zu einem der schönen Strände zu liegen. Bis zum Coogee Beach laufen wir etwa 15 Minuten, zum Maroubra Beach sind es knapp 15 Minuten mit dem Bus. Der sehr bekannte Bondi Beach liegt weiter nördlich, dorthin müssen wir zwei verschiedene Busse nehmen und wären gut eine Stunde unterwegs. Eine andere Möglichkeit, um nach Bondi Beach zu kommen, ist der Coogee to Bondi Coastal Walk. Bislang hatten wir noch keinen richtigen Anlass, um den sechs Kilometer Marsch zu absolvieren, aber vielleicht finden wir in den nächsten Wochen einmal Zeit dafür.

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Bevor wir in unsere Unterkunft ziehen konnten, haben wir noch zwei Nächte in einem Backpacker-Hostel direkt am Coogee Beach verbracht. In Zukunft werden wir die Bewertungen für Unterkünfte aus dem Internet sehr ernst nehmen, denn dieses Hostel verdiente nicht einmal die angegebenen 4 von 10 Sterne. In unserem 14-Bett-Zimmer war kaum Platz, nicht einmal, um das Gepäck vernünftig abzulegen. Die Tische im Aufenthaltsraum klebten noch von den letzten Partys. Stammgäste kamen hauptsächlich aus England und Australien und verfolgten einen seltsamen Rhythmus aus Feiern, Schlafen und Arbeiten.

Umso wohler fühlen wir uns in unserer jetzigen Unterkunft. Hier bleiben wir ungefähr bis Ende Januar. Das Haus gehört einem älteren Pärchen, deren Kinder schon längst ausgezogen sind. So werden die einzelnen Zimmer untervermietet, was in Anbetracht des Wohnungsmarktes und der deftigen Mietpreise in Sydney eine ziemlich gute Sache ist (für Suchende und Vermieter gleichermaßen). Wir können also endlich unsere großen Rucksäcke komplett auspacken, die Sachen auf Schrank und Kommode aufteilen und es uns in dem kleinen, nett eingerichteten und hellen Zimmer gemütlich machen. Bad und Küche sind voll ausgestattet und es gibt einen Putzplan für alle Bewohner. Wir haben Zugang zur Veranda und zum teils schattigen Außenbereich; hier steht übrigens ein Whirlpool, den wir auch noch testen werden.

Quasi zur Ausstattung gehören auch die drei süßen Hunde Ruby Rose, Rani und Brin, die den ganzen Tag hier herumwuseln, Streicheleinheiten einfordern (besonders von Lotti) und faulenzen. Vor der Haustür empfängt uns übrigens auch noch eine schwarze Katze, die nicht zum Inventar unseres Hauses gehört. Streicheln lässt sie sich trotzdem jedes Mal gerne.

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Faul auf der Haut herumliegen geht für uns aber nicht. Wir fertigen unsere Lebensläufe an, drucken sie jeweils 30 Mal und reichen sie bei Cafés, Bars und Restaurants in Randwick und Coogee Beach ein. Lotti bekommt in einem Café sofort das Angebot, am nächsten Tag auf Probe zu arbeiten. Mittlerweile ist sie dort mit etwa 30 Stunden pro Woche eingestellt und hat schon eine weitere Stelle in einem anderen Café an Land gezogen. Ich war wenig später auch erfolgreich und konnte letzten Samstag für zwei Stunden in einer Bar Probearbeiten. Diese Bar ist sehr speziell, was das Angebot und manchmal auch die Gäste angeht. Man findet hier bis zu 40 Gin-Sorten, viele leckere Biere, davon zwei oder drei World Best Beers und hervorragendes Essen. Dementsprechend war ich auch bei Bestellungen etwas überfordert, hab mich aber wohl ganz gut geschlagen. Die vergangenen Tage habe ich mich weiter auf die Suche begeben, bin für ein Jobinterview ganz in den Norden von Sydney gefahren und hoffe auf eine weitere Zusage von irgendwoher.

Zwei Tage nach dem Einzug in unser kleines, feines Zimmer kann ich endlich das vor kurzem erworbene Surfboard erstmals testen. Die Vorhersage verspricht ziemlich große, kraftvolle Wellen und ich bin gespannt, ob ich mich überhaupt ins Wasser traue. Es stellt sich heraus, dass die Wellen für den Maroubra Beach die perfekte Größe haben. Für mich ist es einige Male eine Kraftanstrengung, überhaupt hinauspaddeln zu können. Für die vielen anderen Surfer ist es einer der besten Tage der vergangenen Wochen. Das erfahre ich, als ich einen Chilenen im Wasser wiedertreffe, mit dem ich mich am Tag zuvor im Surfshop unterhalten habe. Thomas und ich haben ein ähnliches Niveau und einen gehörigen Respekt vor den etwa 2,50m hohen Wellen, können aber immer wieder ein paar richtig schöne Ritte verbuchen. Dass dieser Tag wirklich verdammt gut war, zeigt auch die Resonanz auf Instagram, als ich nach dem Hashtag #maroubrabeach gesucht habe. Australien hat mich also gepackt und ich denke sofort über die nächste Möglichkeit nach, surfen zu gehen.

Ansonsten ist bei uns ziemlich stark der Alltag eingekehrt und wir genießen die Ruhe, wenn wir nicht arbeiten und in unserem Refugium entspannen (und die Hunde streicheln) können. Es ist schön, endlich wieder selbst zu kochen und den alltäglichen Dingen des Lebens nachzugehen. Wäsche selber waschen gehört da natürlich auch dazu (was in Asien immer die Wäscherei für uns übernommen hat).

Weihnachtsstimmung kommt bei mir wie gesagt nur spärlich auf. Lotti spielt zwar häufiger eine Weihnachts-Playlist ab, in Supermärkten und Einkaufscentern wird man mit Weihnachtsangeboten überschüttet, und in ein paar Tagen ist bei uns Plätzchen backen angesagt, aber trotzdem fällt es bei Temperaturen um die 30° einfach schwer, sich mit dem Gedanken an Heiligabend anzufreunden.

bis bald marius

PS: Gefährliche Tiere oder Kängurus haben wir bis jetzt übrigens noch nicht gesehen. Aber wir halten die Augen weiter offen!

#23 Sydney: Wohnungssuche, Wiedersehen und Strandhopping

Ich glaube, man lernt aus jeder Reise wieder etwas dazu. Nach Sydney waren es diesmal acht Stunden Flug mit Air Asia, der größten Billigairline in Asien. Wer hier trotz Langstreckenflug einen Service wie bei Emirates oder Etihad erwartet (so wie ich), wurde bitter enttäuscht. Kein Boardentertainment, kein Essen, keine Getränke. Wir hatten zumindest eine Mahlzeit und ein Getränk im Vorfeld hinzu gebucht, aber bei acht Stunden Flugzeit ist das vielleicht doch etwas mager. Acht Stunden in einem unbequemen und engen Flugzeugsitz können, trotz jeder Menge Schlaf, einem Buch, Musik und drei Folgen einer Netflix Serie verdammt lang werden. Als ich zwei Stunden vor Landung in einen vom Boardmagazin angepriesenen Schokomuffin investieren will, kam der Schock. Alle Muffins sind ausverkauft! Der Steward fügt lächelnd hinzu, dass für den hinteren Passagierteil, in dem locker über 100 Leute sitzen, lediglich ein Muffin verfügbar war. Ein Muffin?! Ich kann es nicht fassen und frage ungläubig zwei Mal nach. So sieht also die Kalkulation bei einer Billigairline aus.

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Gegen 20 Uhr landen wir erschöpft in Sydney. David, ein guter Kumpel aus meinem Bachelorstudium in Münster, hat sich netterweise bereit erklärt, uns vom Flughafen abzuholen. Was für ein Luxus! Bei ihm und seiner Freundin Shri werden wir die ersten zwei Nächte verbringen.

Wir fühlen uns direkt wie zuhause. David hat Snacks und Tonic Water besorgt, wir steuern den Duty Free Gin bei. Durch das eher mäßige Air Asia Catering bestellt Shri vorsorglich noch eine Pizza. Nach zwei Monaten asiatischem Essen fühle ich mich im Gourmet-Himmel. Obwohl Shri und David schon Ewigkeiten zusammen sind, habe ich Davids Freundin vor unserer Reise nach Australien noch nicht kennengelernt. Es ist trotzdem, als würde man sich schon lange kennen. Wir haben einen richtig guten Abend und beschließen gegen Mitternacht, noch spontan feiern zu gehen.

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Mit ordentlichem Kater geht es am nächsten Tag zum Frühstück in ein süßes Café nach Crows Nest, nicht weit von David und Shris Apartment entfernt. Während die anderen ihr Essen bestellen, gehe ich mit Shri zur Apotheke, um etwas gegen meine Mückenstiche und Sandfliegenbisse zu finden. Die letzten Tage in Melakka und Singapur habe ich den Juckreiz noch einigermaßen unterdrücken können, aber seit dem Flug steht mein Körper sprichwörtlich in Flammen. Mein Körper ist übersät von Stichen und ich sehe aus, als hätte ich ein zweites Mal Windpocken bekommen. Der Apotheker zeigt Mitleid und versorgt mich mit einer Salbe. Marius zählt später nach, das ich über 105 Stiche am ganzen Körper habe.

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Nach dem Frühstück fahren wir mit David zu den nördlichen Stränden. Da wir alle noch etwas mit dem Nachwirkungen des gestrigen Abends zu kämpfen haben, erscheint uns ein Tag am Strand genau richtig. Zuerst geht es zum Long Reef Point, einem wunderschönen Aussichtspunkt auf den tiefblauen Ozean. Der Blick auf die Strände sieht verheißungsvoll aus. David erzählt, dass wir nur knapp die Walsaison verpasst haben. Die Wale sind jetzt schon auf dem Weg in die Antarktis.

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Der zweite Strand, zu dem wir fahren, ist Curl Curl Beach. Hier genehmigen wir uns einen Burger (Fabi; ein separater Burger-Blogbeitrag folgt, wenn wir genug Vergleichsmöglichkeiten haben), und legen uns für den Rest des Nachmittags an den Strand. Im Vergleich zu Asien ist das Wasser hier ganz schön kalt (21°C), und ich verschiebe mein erstes australisches Bad im Ozean auf den richtigen Sommer hier. Es ist schon verrückt, dass wir hier in den Frühsommer gekommen sind. Die Bäume blühen noch und tagsüber sind es angenehme 25 Grad. Laut David stehen uns die 40 Grad plus Tage noch im Januar und Anfang Februar bevor.

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Abends fahren wir zu Shris Elternhaus, um dort zu übernachten und auf Freddy, den Hund der Familie aufzupassen. Es gibt Wein, David grillt und wir haben Unmengen an Essen. Für die Weihnachtsparty versprechen wir Shri, deutschen Glühwein mitzubringen. Wobei ich mir nicht wirklich vorstellen kann, dass der bei 30 Grad überhaupt schmeckt. Shri schlägt vor, dass wir uns beim Glühweintrinken vor den Ventilator stellen könnten.

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Dass mit der Weihnachtsstimmung ist hier so eine Sache. Wie soll bei Tanktop-Wetter Weihnachtsstimmung aufkommen? Ich bin noch etwas skeptisch, aber zumindest wird man in jedem Geschäft mit Weihnachtsmusik beschallt. Und wir haben uns mit Shri und David zum Plätzchenbacken verabredet. Vielleicht hilft das. In den Supermärkten habe ich übrigens noch keinen Lebkuchen entdeckt. Dominosteine auch nicht. Und auch Marzipankartoffeln scheint es hier nicht zu geben. Wahrscheinlich werde ich an Heiligabend Obstsalat essen, oder Eis.

Da ist eine weitere Sache, die mir hier in Australien bereits aufgefallen ist. Die Australier sind besessen von Sport. Wohin man auf der Straße blickt, laufen einem Menschen in Fitnessuniform entgegen. In fast jedem Park gibt es eine Fitnessecke, in der man sich mit den Einheimischen an der Klimmzugstange messen kann. Nach zwei Monaten quasi Sportpause durch den Asien-Reisestress und das hervorragende Essen kann man(n oder Frau) sich da schon mal etwas unsportlich fühlen. Aber wir haben ja nun wieder genug Zeit, an unserem australischen Beachbody zu feilen. Ich habe in der letzten Woche auf jeden Fall schon mehr Sport gemacht als in den letzten zwei Monaten. Zwei mal ging es ins Fitnesstudio mit Shri und David, und einmal sind Marius und ich zur Wohnungsbesichtigung gejoggt. Ein verheißungsvoller Start also.

Die Woche über geht es für uns wieder ins Hostel, um Shri und David nicht weiter auf die Pelle zu rücken. Hier treffen wir zum ersten Mal auf die Standart Backpacker aus Deutschland: Frische Abiturientinnen mit Langenscheidt Englisch-Deutsch Wörterbuch neben dem Kopfkissen. Während die deutschen Mädels die nächsten Wochen im Hostel bleiben wollen, ist unsere Mission für die nächsten Tage: Eine Unterkunft finden. Und das ist in Sydney gar nicht so einfach, wie sich schnell herausstellt. Nach drei Tagen intensiver Suche, unzähligen Anrufen und Absagen und vier Besichtigungen haben wir Mittwochnachmittag endlich den erlösenden Anruf erhalten: Wir können bei Lyn, einer älteren Dame mit drei süßen Hunden, einziehen. Sie wohnt mit ihrem Mann in Randwick und vermietet mehrere Zimmer in der gesamten unteren Etage. Von unserem Zimmer und dem Haus werden in Zukunft sicherlich noch ein paar Bilder folgen. Wir  ziehen Dienstag ein und können es kaum erwarten, unsere Rucksäcke endlich einmal komplett auszupacken. Und natürlich etwas mehr Privatsphäre zu haben. Von Lyns Haus sind es gerade einmal zwanzig Minuten zu Fuß bis zum nächsten Strand, Coogee Beach (wird wie Kuji ausgesprochen). Hier werden wir ab nächster Woche dann hoffentlich genauso schnell einen Job finden. Cafés und Restaurants gibt es hier jedenfalls genug. Marius hat bereits sein fast neues Surfboard startklar und wartet nur noch auf schöne Wellen, um loszulegen.

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Bislang gefällt uns Sydney richtig gut. Die Leute sind wahnsinnig nett, die Stadt ist wunderschön und hat gefühlt hundert Strände zur Auswahl. Überall in Sydney ist was los, und so sind wir letzten Sonntag aus Versehen in ein Aborigine-Festival gestolpert. Auch das Essen ist der Wahnsinn, was auch daran liegen mag, dass wir endlich mal wieder für uns selbst kochen können. Eine deutsche Bäckerei haben wir übrigens auch schon gefunden. Mit richtigem Brot, Bretzeln und Rosinenschnecken. Wie ihr seht, werden wir hier also nicht verhungern!

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bis bald charlotte