#22 Malakka: das Münster von Malaysia, Multikulti und Massagen

Die Straße von Malakka (oder Melaka bzw. englisch Malacca) ist eine der am stärksten befahrenen Wasserstraßen weltweit, dutzende Containerschiffe ziehen vor der Westküste Malaysias vorbei. Schon vor einigen hundert Jahren war dieser Handelsweg von großer Bedeutung für die Region, und so wuchsen wichtige Handelsstädte wie z.B. Port Dickson oder eben auch Malakka entlang der Küste. Wir checken nach angenehmer Busfahrt von Singapur in unserer zuvor von Lotti gebuchten Unterkunft ein und lernen den vermutlich überfreundlichsten chinesisch-stämmigen Malaysier kennen, der uns alles Wichtige im Hostel Once In Peninsula sowie in der Altstadt Malakkas auf einer selbstgemalten Karte zeigt. Scheinbar sind wir die einzigen Gäste in dem kleinen, ziemlich neuen und super sauberen Hostel. Nach kurzer Erfrischung starten wir eine kleine Erkundungstour mit den beiden Fahrrädern, die uns kostenlos zur Verfügung stehen.

Malakka erinnert mich mit seinen ca. 370.000 Einwohnern irgendwie ein wenig an Münster. Das liegt nicht nur an der Größe, sondern vor allem an der Fahrradfreundlichkeit, dem Vorhandensein einer Altstadt und vielen kleinen, hippen Cafés und Läden, die zum Bummeln einladen. Der ein oder anderen klischeehafte Touristengruppe (meistens Chinesen) rennt man hier auch gezwungenermaßen über den Weg. Der Bereich der Altstadt wurde über die vergangenen Jahrhunderte abwechselnd von den Portugiesen, den Niederländern und den Briten baulich überformt (Kommentar von Lotti: der fachsprachliche Ausdruck eines Geographielehrers) und die verschiedenen Kolonialstile finden sich noch heute überall wieder. Die auf einem Hügel gelegene St. Pauls Kirche wurde mal von den Portugiesen, mal von den Niederländern genutzt und diente in Kriegszeiten als Munitionslager. Heute ist die Kirche verfallen und wird von Künstlern als Rückzugsort und zur Darstellung von Performances verwendet.

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Auf Empfehlung unseres freundlichen Hostel-Chinesen sollen wir das Jonker 88 ausprobieren. Kein Geheimtipp, aber es gibt dort eben günstige, lokale Gerichte. Schön, denken wir und bestellen etwas, das auf Nachfrage am wenigsten scharf ist. Lotti genießt es, ich finde es auch super lecker und sterbe trotzdem dreimal aufgrund innerer Überhitzung und Lippenverbrennung. Her mit dem Eis! Denn das soll eine typische Nachspeise sein: schlichtes Wassereis, das von einem Eisblock abgeschabt und mit Mango bestückt wird, darüber ein ziemlich klebriger Zuckersirup. Es ist ganz lecker, stillt aber vor allem meine brennende Kehle. Interessanterweise wird das Eis auf einer Schicht Mais und Bohnen gebettet, wie wir beim Auslöffeln herausfinden.

Später am Nachmittag fahren wir in Richtung Neustadt, wo sich die meisten Wellnesstempel angesiedelt haben. Lotti lässt sich die Fingernägel neu machen und ich gönne mir eine einstündige Thaimassage (für knapp 10 Euro!). Den Sonnenuntergang beobachten wir nahe einer besonderen Moschee, die auf Betonpfählen über Wasser gebaut ist. Diese Moschee ist wirklich schön und hat einen tollen Ausblick auf die Straße von Malakka mit ihren dahinschippernden Containerriesen und einem riesigen Kreuzfahrtschiff. Die traditionelle Verschleierung ist für uns beide mal wieder Pflicht.

Im angrenzenden arabischen Viertel wird fleißig ein Pestizidmittel versprüht. Die Straßen sind in einen dicken, beißenden Nebel gehüllt. In der Nähe der Moschee erfahren wir dann den Grund der Aktion: auf Plakaten, die in der Nähe der Moschee hängen, wird vor Dengue Mücken gewarnt. Auch wenn unsere Luftröhre beim Einatmen fast wegätzt, ist das uns immer noch lieber als am Schluss unserer Asienreise Dengue Fieber zu bekommen.

Tags darauf erkunden wir den Rest der Stadt auf eigene Faust und werden dabei immer wieder von einer kleinen Gruppe Schülern interviewt. Sie möchten unsere Herkunft wissen, den Grund unserer Reise nach Malaysia und wie wir die Stadt Malakka finden. Der didaktisch-methodische Hintergrund dieser Interviews ist offensichtlich die Förderung der englischen Aussprache der Schüler, das habe ich als Pädagogikexperte doch ganz klar erkannt. Die Schüler sind übrigens sehr interessiert an uns, teilweise aber auch ganz schön frech. Aber als Lotti einmal erwähnt, dass ich Lehrer bin, wird die Gruppe lammfromm.

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Viele Teile der Altstadt und der alten Befestigungsmauern des portugiesischen Forts sind UNESCO Weltkulturerbe. So auch die Straße der Harmonie, auf der die ältesten Moscheen, Tempel und Kirchen stehen. Malaysia hat uns schon von Anfang an mit einem sehr harmonischen Zusammenleben verschiedener Religionen aus aller Welt beeindruckt. Das unterstreicht diese Straße, auf der auf engstem Raum Hindus, Buddhisten, Muslime, Christen und Taoisten gemeinsam leben und in ihren Gotteshäusern beten. Wir besichtigen die nun bestimmt schon fünfte Moschee und erfahren, in langen Gewändern gehüllt, von einer älteren Muslima so einiges über den Islam. Sie stellt uns auch ein paar Fragen zum Christentum und wieder fällt mir auf, wie viele Gemeinsamkeiten diese Religionen doch haben.

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Der Himmel fällt sprichwörtlich immer mal wieder in sich zusammen und schüttet Unmengen an Wasser herab. Mit einem Grab-Taxi kommen wir fast trockenen Fußes in Richtung Neustadt. Stichwort Fuß ist hier richtig, denn wir gönnen uns eine einstündige Fußmassage. Die ist so herrlich, dass wir zwischenzeitlich kurz einnicken, dann aber wieder aufwachen, wenn unsere strapazierten Waden kraftvoll malträtiert werden.

Processed with VSCO with av8 presetZurück in der Unterkunft stellen wir fest, dass der Boden zum Teil unter Wasser steht. An einigen Stellen sogar bis zu fünf Zentimeter. Der Besitzer kommt kurze Zeit später und öffnet die Tür von zwei Gästezimmern, eines davon war unseres (unser Gepäck war glücklicherweise in einem anderen, trockengebliebenen Raum untergebracht, da wir ja schon vormittags auschecken mussten). Die Matratze war komplett durchnässt und von der Decke tröpfelte es durch. Das andere Zimmer sah noch schlimmer aus, dort ist die gesamte Decke eingestürzt. Uns tun die Jungs vom Hostel super leid, gerade weil der betroffene Teil erst vor drei Monaten renoviert wurde. Leider können wir nicht helfen, da wir unseren Bus in Richtung Kuala Lumpur International Airport nehmen müssen.

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Wir nehmen Abschied von Malaysia, einem Land mit tausend Gesichtern, vielen Kontrasten und wieder einmal super freundlichen Menschen. Ich muss sagen, dass ich Malaysia komplett unterschätzt habe und enorm beeindruckt bin. Und das, obwohl wir nur einen Bruchteil dieses Landes gesehen haben, welches in etwa so groß ist wie Deutschland. Da Kuala Lumpur ein internationaler Knotenpunkt von Asienflügen ist, werden wir sicher noch einmal herkommen.

bis bald marius

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#20 Tekek, Tioman Island: Traumstrände, Mückenplage und ein witziger Japaner

Tag 1:

Mit dem Nachtbus geht es um kurz vor Mitternacht Richtung Mersing. Von dort soll in den Morgenstunden die Fähre nach Tekek auf Tioman Island abgehen. Das Busterminal in Kuala Lumpur ist unfassbar modern und erinnert eher an ein Flughafenterminal. Wir holen unsere Tickets vom Schalter ab und müssen über die Versicherungsreklame schmunzeln. Man kann Hände, Füße oder Augenlicht für 0.40 Ringgit (ca. 8 Cent) versichern lassen. Ich frage die Frau am Schalter, ob die Busfahrt wirklich so gefährlich sei und zeige auf das Versicherungsangebot. Sie muss selbst lachen. Wir beschließen, dass wir unsere Hände, Füße und Augen dem Risiko einer Busfahrt aussetzen und die Versicherung trotz unschlagbarem Preis nicht abschließen.

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Der Bus ist wie zu erwarten eiskalt. Wir ziehen nach und nach alles an, was wir im Handgepäck verstaut bekommen haben. Die Nacht bleibt kurz und gegen fünf Uhr sind wir bereits in Mersing. Die Stadt schläft noch und wir kämpfen uns mit unserem Gepäck zum Fährenterminal. Frühstück (für Marius ziemlich scharf!), Ticketkauf und ein kurzer Outfitwechsel in luftigere Klamotten – es kann weitergehen.

Die Fährenfahrt verschlafe ich komplett. Gegen 10 Uhr kommen wir an und trotten bei 30 Grad plus zu unserer Unterkunft. Mir kommen langsam Zweifel auf, wie ich bei diesen Temperaturen drei Tage lang ohne Klimaanlage auskommen soll. Wir haben lediglich ein „Chalet“ (schöneres Wort für Hütte) mit Ventilator gebucht.

Unsere Unterkunft ist bescheiden, aber für den Preis netter als erwartet. Nachdem wir die Taschen abgeladen haben geht es direkt zum Strand. Das Wasser ist kristallklar und spiegelglatt. Wir hüpfen kurz hinein und machen uns dann auf die Suche nach einem zweiten Frühstück (Marius: „Bitte nicht scharf!“). Beim Cabana Resort bleiben wir hängen – wie sich herausstellt, werden wir hier die nächsten Tage noch so einige Stunden verbringen. Es gibt Toast mit Ei, Pfannkuchen, Bananenmilchshake und einen Eiskaffee.

Nach dem Essen sind wir hundemüde. Wir haben letzte Nacht beide wenig geschlafen und das macht sich jetzt bemerkbar. In den Nachmittagsstunden schaffen wir es gerade noch, bei einigen Anbietern nach Schnorcheltouren zu fragen. Den Rest des Nachmittags verbringen wir im badewannenwarmen Wasser. Am Cabana treffen wir noch einen britischen Japaner Yuji („100% Made in Japan„), der auch bis Montag auf der Insel ist. Seine freundliche Art und sein Humor stecken direkt an. Während wir im Wasser planschen, macht er eine kleine Stand Up Paddeling Tour an der Bucht und sahnt bei den Fischern kostenlosen frischen Fisch ab. Sein Abendessen ist auf jeden Fall gesichert. Wir verabreden uns auf ein Bier am Abend.

Nach einer kurzen Dusche und einem Besuch beim örtlichen Duty Free Shop (von denen gibt es in Tekek eine Menge) schaffen wir es noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang. Mit einem kühlen Bier lässt es sich am Strand gut aushalten. Einziges Manko: die abertausenden Sandfliegen und Mücken. Aber damit muss man leben, bei so einem Blick.

Den Rest des Abends verbringen wir im Cabana. Neben Yuji treffen wir hier auch auf einen Amerikaner und seine Familie, die mit ihrem 17 Meter langen Katamaran vor Anker in der Bucht liegen. Er ist Pilot für Privatjets reicher Chinesen. Was ein Leben. Vielleicht sollte ich doch noch umschulen?

Tag 2:

Wir stehen um kurz vor acht auf. Das Ziel: eine bezahlbare Schnorcheltour für zwei Personen finden. Das französische Pärchen, dass in der Hütte neben uns geschlafen hat, ist leider heute morgen schon abgereist. Nach kurzem Spaziergang müssen wir feststellen, dass die Insel verschlafener ist, als erwartet. Nichts hat geöffnet. Um das um halb neun morgens. Ich hätte erwartet, dass die Leute hier bei so einer Hitze früh aufstehen und wie die Südeuropäer Siesta halten. Gerade, weil die Muslime unter den Einwohnern doch eh vor dem Sonnenaufgang zum Gebet aufstehen müssen. Aber gerade ist die tiefste Nebensaison, und vor neun Uhr kräht hier höchstens der Hahn.

In der Nähe des Fährenterminals finden wir ein offenes Restaurant. Die Besitzerin schreit uns „Breakfast, breakfast“ zu. Da ansonsten nichts offen hat, ist die Entscheidung schnell getroffen. Wir bestellen zwei Pfannkuchen und Fruchtsäfte. Der Pfannkuchen erinnert mich stark an marokkanische Crêpes. Lecker, aber wie sich herausstellt leider nicht so günstig. Morgen werden wir etwas Anderes suchen.

Wir beschließen, die Schnorcheltour auf morgen zu verschieben und heute zur anderen Seite der Insel zu wandern. Sieben Kilometer durch den Dschungel. Yuji begleitet uns. Nachdem wir den Eingang des Wanderwegs hinter der örtlichen Moschee gefunden haben, stehen wir nach wenigen Metern bereits mitten im tiefsten Dschungel. Der Weg scheint wenig benutzt und die Vegetation hat sich ihren Lebensraum wiedergeholt. Die Luftfeuchtigkeit ist irrsinnig hoch und die Mücken sind irrsinnig blutrünstig. Die Geräuschkulisse um uns herum nimmt zu, je weiter wir vorankommen.

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Zwischen uns und Juara Beach liegt eine Bergkette. Das heißt, wir laufen die meiste Zeit bergauf. Der höchste Berg auf Tioman Island ist übrigens 1038 m hoch, aber ziemlich weit von unserem Dschungelweg entfernt. Der Schweiß läuft und wäscht das Insektenschutzmittel ab. Wir alle stöhnen über jeden Schritt. Teilweise führen Treppenstufen hinauf, was uns zumindest schneller vorankommen lässt. Der Schweiß läuft trotzdem unerbittlich.

Unterwegs entdecken wir immer wieder witzige Insekten am Wegesrand. Mal einen Tausendfüßler, mal eine riesige Ameise. Zwischendurch folgen uns eine Gruppe Affen. Es wird nicht langweilig.

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Nach zwei Stunden erreichen wir die Straße, welche von Tekek nach Juara führt. Von hier aus geht es wieder bergab. Nur wenige Autos überholen uns, einige Motorradfahrer liefern sich kleine Rennen auf den steilen Straßen. Am Wegesrand finden wir eine tote grüne Peitschennatter. Obwohl wir vor Schlangen wie dieser gewarnt wurden, bleibt dies die einzige Begegnung. Ihr Biss ist übrigens nicht tödlich. Ein ähnliches lebendes Exemplar habe ich bereits in Myanmar über die Straße schlängeln sehen.

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Nach einem weiteren Kilometer erreichen wir den Wasserfall. Yuji und Marius hüpfen direkt rein, ich muss mich erstmal an die Wassertemperatur gewöhnen. Am Ende ist es aber doch eine angenehme Abkühlung.

Zum Juara Beach ist es von hier aus nur noch ein Katzensprung. Wir steuern das nächste Restaurant an und bestellen gebratene Nudeln und Eistee zum Mittagessen. Den Rest des Nachmittags planschen wir im warmen Wasser. Durch den leichten Wind fühlt sich die Temperatur hier deutlich angenehmer an. Auch Juara wirkt wie ausgestorben und wir sind die einzigen im Wasser. Der Strand ist kilometerlang und der Sand ist unfassbar weiß und fein. Trotzdem sind wir froh, gegen Abend mit einem Einheimischen zurück nach Tekek zu fahren. Dort ist dann doch noch etwas mehr los. Yuji bringt mir über den Tag hinweg ein wenig Japanisch bei. Wusstet ihr, dass Karaoke „empty orchestra“ (kara oke) heißt?

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Tag 3:

Heute geht es zum Schnorcheln. Wir haben gestern Abend noch Luke aus Deutschland und Anna aus Korea kennengelernt, die gerne dazu stoßen wollen. Yuji ist auch mit an Bord, obwohl er sich am ersten Tag beim Schnorcheln einen fetten Sonnenbrand geholt hat. Wir treffen uns um neun Uhr vor unserer Unterkunft. Wie sich später herausstellt, viel zu früh. Marius und mein Körper sind übersäht von Mückenstichen. Ein Mitbringsel aus dem Dschungel. Mein ganzer Körper juckt. Ich habe aufgehört, die Stiche zu zählen, aber es müssen locker über 30 sein.

Wir warten insgesamt gut zwei Stunden, bevor es endlich losgeht. Je mehr Zeit vergeht, desto gereizter werde ich. Aber das nennt man wohl malaysische Pünktlichkeit. Und an meiner malaysischen Gelassenheit muss ich noch etwas arbeiten.

Das Schnorcheln ist der Wahnsinn. Wir steuern insgesamt fünf Stopps an. Überall wunderbare bunte Fische und Korallen. Am letzten Stopp sehen wir sogar einen kleinen Black Tip Hai. Ungefährlich für Menschen, aber im ersten Moment rutscht einem doch das Herz in die Hose. Schließlich sieht das Tier immer noch aus wie eine Miniversion vom weißen Hai und umkreist uns, als ob er eine Attacke auf uns plant. Am Ende traue ich mich aber sogar, dem Hai hinterher zu Schnorcheln.

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Als wir eine riesige Qualle ein paar Meter weiter entdecken, bekommen wir dann doch etwas Bammel. Und riesig bedeutet, dass die Tentakel locker mehrere Meter lang waren. Ob die Qualle giftig war oder nicht, wissen wir nicht. Aber wir haben schleunigst eine 180 Grad Wende gemacht. Gut so, denn im quallenfreien Gewässer haben wir ihn dann gefunden: Clownfisch Nemo!

Am letzten Halt entdecken wir auch einen Stachelrochen. Der ist definitiv gefährlich. Wer sich dran erinnert: Crocodile Hunter Steve Irwin starb Anfang 2000 durch eine Attacke eines Stachelrochens.

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Morgen geht es dann um sieben Uhr mit der Fähre zurück nach Mersing und dann weiter nach Singapur. Hier wollen wir zwei Tage bleiben. Nun heißt es, noch die letzten Stunden im wunderschönen Tekek (trotz Mückenstiche und kleinem Sonnenbrand vom Schnorcheln) zu genießen. Das Bier ist hier übrigens fast günstiger als Wasser.

Processed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetbis bald charlotte

 

#19 Kuala Lumpur: Man schwitzt und Essen brennt zweimal

Anstatt wie geplant über London und Muskat (Oman) nach Kuala Lumpur zu fliegen, habe ich unfreiwillig den Direktflug von Amsterdam nach Kuala Lumpur nehmen müssen (KLM Royal Dutch Airline hatte den Flug von Amsterdam nach London kurzerhand gestrichen). Naja, der Direktflug bedeutete weniger Umsteigen und ziemlich genau fünf Stunden Zeitersparnis, sodass ich tatsächlich fast zeitgleich mit Lotti in Malaysia gelandet bin. Da sag ich doch nicht nein, auch wenn der erste Schock über meinen gestrichenen Flug groß war. Nun starte ich also auch in unser weit-weg-Abenteuer und sitze jetzt bereits an meinem ersten Blogartikel über unsere drei Tage in der Hauptstadt Malaysias.

Lotti hat ein goldenes Händchen bei der Auswahl der Unterkünfte, das hat sie sofort in Kuala Lumpur unter Beweis gestellt. D´Majestic bietet luxuriöse residences, und so finden wir uns bei tropischen Temperaturen ziemlich schnell im Infinity Pool auf dem Dach des zwanzig-stöckigen Hochhauses wieder. Den Abend runden wir mit Pestonudeln ab (die ich zollfrei auf Lottis Wunsch hin aus Deutschland importiert habe).

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Kuala Lumpur, von den Einwohnern einfach nur KL genannt, ist ein bunter Mischmasch aus allen erdenklichen Kulturen. Am häufigsten sind Muslime vertreten und so stolpern wir nach dem Aussteigen aus der Metro in die älteste Moschee Malaysias (Masjid Jamek, erbaut 1908). Lotti trägt plötzlich Hijab und ich muss meine Knie mit einem Herrenrock bedecken. Ein freundlicher Mann in der sehr schönen, schlichten Moschee erklärt uns unter anderem, dass Muslime keine Abbilder Gottes, keine Apostel oder keine Statuen anbeten, sondern direkt zu Gott. Das war mir so auch noch nicht bewusst. Wir lernen von diesem Mann noch viel mehr über den Islam und ich bin über die vielen Gemeinsamkeiten zum Christentum überrascht. An einem Bildschirm zeigen verschiedene Uhren alle Gebetszeiten an, das Mittagsgebet wird schon vorbereitet. Wir werden gebeten, doch ein paar Fotos zu machen. So offen habe ich den Islam noch nicht kennen gelernt.

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Die Freundlichkeit der Malaysier begegnet uns vielerorts. Mal wird mit einem Pflaster ausgeholfen (ich habe mir den Zeh am Straßenrand blutig gestoßen), oder es wird nett, aber nicht aufdringlich auf eine Ausstellung hingewiesen. In dieser Expo erfahren wir unter anderem, dass man bald (2026) mit einem Schnellzug von KL nach Singapur fahren kann.

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Der Bird Park (das weltweit größte Freifluggehege) ist ein kleiner Reinfall. Es mag vielleicht schön darin sein und exotisches Federvieh geben, für uns ist er aber eindeutig zu teuer. Der lange Fußmarsch dorthin war also umsonst, wir kommen halb um vor schwüler Hitze und sind irgendwie froh, als es ganz leicht anfängt zu regnen. Ein Grab Taxi bringt uns super günstig nach China Town. Grab ist eine App, mit der man private Fahrer anheuern kann und man zahlt einen vorher für die Strecke festgelegten Preis. Deutlich günstiger als das normale Taxi, bei dem man sowieso immer Gefahr läuft, als Tourist über den Tisch gezogen zu werden. Zu zweit ist es fast so günstig wie Metro fahren.

Als wir China Town betreten, hätten wir auch in jeder anderen Stadt in China Town sein können. Alles ist Ramsch, billig, es blinkt und glitzert, T-Shirts sind mit komischen Sprüchen bedruckt, das Bayerntrikot bekommt man fast geschenkt (is original, my friend!) und wir sollen nur looki looki machen, very cheap! Ich suche nach einer neuen Hülle für mein iPhone und möchte sichergehen, dass diese auch das Display am Rand umschließt. Der Preis steht nach kurzem Handeln und ich frage: „Can I try first?“ Schließlich war die Handyhülle noch in der Verpackung. „Can you pay first?“ ist die stumpfe Antwort und ich ziehe erfolglos weiter. Ich werde am Tag darauf in einer Shoppingmall noch viele Hüllen ausprobieren können und eine passende finden.

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Der Hunger wächst bei uns beiden und so beschließen wir, in einem Food-Court auf den billigen Plastikstühlen Platz zu nehmen. Lotti bestellt eine Suppe, die nur ein wenig scharf sein soll. Ich bestelle asiatische Nudeln, no spicy! Die Nudeln kommen und sind unfassbar scharf. Ich leide, gebe mich aber tapfer. Viel später kommen… nochmal Nudeln. Die sehen eher so aus wie die, die ich eigentlich bestellt habe und dann wird uns erklärt, dass ich die ganze Zeit die von Lotti bestellte „Suppe“ esse. Wobei von essen kaum die Rede sein kann, meine Stirn glänzt vor Kampfschweiß und die große Wasserflasche ist halbleer. Es bleibt die Erfahrung, dass malaysisches Essen richtig scharf sein kann und tatsächlich zweimal brennt, wie ich am Tag später leider feststellen muss. Wir finden noch einen Snack für Lotti und machen uns auf den Heimweg, um ein wenig in unserem luxuriösen Apartment zu entspannen. Und Schweiß, Staub und Sonnencreme von uns abzuduschen.

Am Abend ziehen wir trotz der schwülen Wärme lange Hosen, bessere Shirts und feste Schuhe an, denn ein Top-Tipp ist der Besuch einer Bar, die sich auf dem Dach eines Hochhauses befindet. Eigentlich ist so eine Rooftop-Bar ja nichts Besonderes, doch diese Bar wird jeden Abend auf dem Helikopter-Landeplatz aufgebaut. Die Plattform bietet – ohne gewissenhaft-deutsche Umzäunung – einen atemberaubenden Rundumblick auf die umliegenden Hochhäuser und den blinkenden Fernsehturm. Die Cocktails haben europäische Preise (und auch die Gäste sind oft aus Europa). Eines der Hochhäuser, die für KL berühmten Petronas Towers, besuchen wir später. Ich finde sie wirklich schön und einzigartig. Ein Grab Taxi bringt uns nach Hause und wir fallen K.O. ins Bett.

Processed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetTag zwei startet mit Toast and Juice zum Frühstück im gleichnamigen Restaurant gegenüber unserer Unterkunft. Genauso wie am Tag zuvor, denn es schmeckt unfassbar gut. Wie bekommt man nur so leckere Sandwiches belegt mit Salat, Ei und Kartoffelpuffern hin? Gestärkt für ein paar Stunden beginnt eine typisch touristische Stadtrundfahrt mit dem hop on/hop off Bus. Uns erscheint diese Methode, die Stadt zu erleben, mit Blick auf die extreme Hitze und die vielen Sehenswürdigkeiten, ziemlich sinnvoll. So werden uns also schön der Reihe nach sämtliche wichtige Gebäude, Moscheen, Hochhäuser, Märkte und Stadtviertel häppchenweise präsentiert. Wir steigen kurz am Königspalast aus und schießen in wenigen Minuten locker 30 Fotos. Voll touri-like!

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Der Chow Knit Market reizt uns, sodass wir an dieser Haltestelle (von insgesamt 23 Stopps) erneut aussteigen. Wir befinden uns in einem Viertel, in dem scheinbar die untere, ärmere Schicht der Gesellschaft KL´s wohnt. Nach etwa einer halben Stunde zu Fuß und dem Verlust von mindestens einem halben Liter Schweiß finden wir den Markt. Kuhfüße baumeln am Fleischstand herab, riesige Fische werden grob zerhackt und frisches Obst und Gemüse (so manches habe ich noch nie gesehen) stapelt sich auf den Auslagen. Es herrscht angenehmes Treiben, momentan ist auch wohl gerade Mittagszeit. Das melden auch unsere Mägen und wir steuern die nächste Fressbude an: günstiges, leckeres Essen, welches nicht touristisch überformt und westlich beeinflusst, sondern absolut lokal ist. Die Wasserreserven füllen wir mit dem süßen Wasser einer Kokosnuss, frisch aufgehackt natürlich.

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Es folgt ein absoluter Bruch: lokale Straßenbuden und billige Ramschläden werden durch Louis Vuitton, Rolex und Zara ausgetauscht. Hop on/hop off… andere Welt! Ziel ist eine riesige Shoppingmall, in der sich laut Lottis Recherche eine Achterbahn befinden soll. Gut, denke ich, vielleicht ein lahmer Abklatsch der wilden Maus auf deutschen Jahrmärkten. Nix da! Diese Achterbahn hätte gut und gerne im Heide Park Soltau stehen können. Die Achterbahn nimmt einen Teil der riesigen Berjaya Times Square Shoppingmall ein und fährt mit einem Looping, zwei Schrauben und ziemlich schnellen Abschnitten auf. Die drei Fahrten, die wir lösen, werden wir später definitiv nicht bereuen.Processed with VSCO with av8 preset

Mir fröstelt es in der klimatisierten Shoppingmall und wir machen uns auf den Weg zur Haltestelle unseres Busses. Der zwischenzeitlich starke Regen hat wieder aufgehört (und noch mehr Schwüle hinterlassen), jedoch setzt der Feierabendverkehr gerade voll ein. Für ein paar Hundert Meter brauchen wir mehr als eine halbe Stunde und wir beschließen, bis ins Stadtviertel Little India zu gehen (etwa anderthalb Kilometer). Ich habe dort ein vegetarisches, indisches Restaurant ausgemacht. Das Essen ist super und ich muss an Kaya Yanars Witze über Inder denken. Wir grabben uns ein Taxi und können noch in unserem Luxusapartment duschen und entspannen, bevor wir Richtung Busterminal aufbrechen, um den Nachtbus an die Ostküste Malaysias nehmen. Kuala Lumpur ist absolut einen Besuch wert!

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bis bald marius