#10 Siem Reap: Tempel, Touristen und die Wahrheit über Angkor Wat

Ich habe mich tatsächlich um 3.30 Uhr aus dem Bett bemüht, um den sagenumwobenen Sonnenaufgang am Tempel Angkor Wat zu sehen. Dem größten religiösen Monument der Welt (laut Wikipedia). Die Preise für einen 3-Tages Pass für das gesamte Gelände sind ziemlich happig. 62 Dollar, wobei laut unserem Tourguide Sai nur die Hälfte tatsächlich in die richtigen Hände fließt. Die andere Hälfte versickert einfach. Um kurz vor fünf hat endlich jeder aus meiner Gruppe sein Ticket. Das Foto auf meinem Pass ist nicht gerade hübsch. Aber was will man erwarten, wenn man um 4.50 Uhr aus einem sehr unvorteilhaften Winkel (nämlich von unten) fotografiert wird. Weiter geht es mit dem Minivan zum Eingang von Angkor Wat. Im Dunkeln über das Tempelgelände zu laufen erweist sich als ziemlich riskant. Zwei Mal lege ich mich fast auf die Nase.

Kurz nach fünf, und wir stehen am „Fotospot“. Ich bin überrascht über die Masse an Touristen, die bereits um den besten Platz buhlen. Nach jahrelanger Skilift-Erfahrung fällt es mir dennoch leicht, einen Platz in der ersten Reihe zu erreichen. Hier halte ich es gerade einmal zehn Minuten aus. Zu sehr drängeln die Menschen von hinten, ich bin kurz davor, in den Teich zu fallen und mein Angkor Wat Sonnenaufgangsfoto fürs Fotoalbum ist schnell geschossen. Deshalb beschäftige ich mich den Rest des Sonnenaufgangs (der tatsächlich sehr schön ist) über lieber damit, die Realität hinter dem berühmten Foto von Angkor Wat festzuhalten. Wie zum Teufel soll es hier bloß in der Hochsaison aussehen?

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Mein Fazit: Die Tempel sind spektakulär und wunderschön. Aber nach zwei Tagen habe ich genug vom chinesischen Massentourismus, nervigen Verkäufern und überteuerten Restaurants. Ich hätte definitiv noch einen Tag dranhängen können (denn ich habe bei weitem nicht jeden Tempel gesehen), aber nach zwei Mammut-Tagen hatte ich irgendwie die Nase voll.

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Natürlich war nicht alles in Angkor schlecht. Ich hatte einen sehr netten Tourguide, der jede von meinen zigtausenden Fragen beantworten konnte, und die Stimmung in der Gruppe war super. Mein schönster Moment in Angkor war die Besichtigung des Phnom Bakheng Tempels zum Sonnenuntergang am zweiten Tag. Die Sonne war zwar nicht zu sehen, aber zumindest hatte der vorherige Regenschauer dafür gesorgt, dass wir fast alleine ganz oben auf der Tempelplattform standen. Auf 79 Metern hat man einen fabelhaften Ausblick auf den unberührten Dschungel. Auch interessant: Die Besichtigung des Tomb Raider Tempels (aka Ta Prohm, für alle Lara Croft Fans unter euch). Hier hat sich die Natur ihren Platz wiedergeholt und riesige Bäume verschlingen den Tempel unter sich.

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Für mich geht es jetzt weiter nach Bangkok (für nicht einmal 72 Stunden) und danach nach Yangon. Wer noch mehr von Kambodscha sehen möchte, kann sich mein kurzes Reisevideo anschauen:

bisbald

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#9 Siem Reap: Fußmassagen, 3$ Hostel und Reisdiät

Nach drei Wochen Reise und der Überlegung, dass ich ja eigentlich ziemlich viel für Unterkünfte ausgebe (im Durchschnitt zwischen 5 – 7 Dollar), hatte ich für Siem Reap zum ersten Mal ein Hostel für drei (!!) Dollar die Nacht gebucht. Glücklicherweise auch erstmal nur für zwei Nächte, denn… man weiß ja nie. Empfohlen wurde das Hostel mir von gleich einer ganzen Gruppe Jungs, die ich in Battambang kennengelernt hatte.

Zuerst einmal zum Positiven – ich habe tatsächlich zwei Nächte für insgesamt sechs Dollar genächtigt. Der Haken dabei: Danach bin ich doch wieder in mein sieben Dollar Hostel gezogen. Gründe dafür gab es einige. Uringestank im Flur; müffelnde Zimmer (und Schließfächer); die Tatsache, dass ich erst in ein mixed dorm einquartiert wurde (obwohl ich  einen Frauenschlafsaal gebucht hatte); super unfreundliche Mitarbeiter (nachdem ich angefragt hatte, ob es möglich wäre in meine gebuchte Zimmerkategorie zu wechseln); ein Zimmer ohne Fenster (bei zwölf Betten + niedriger Decke + sehr geringer Quadratmeteranzahl kommt es einer Gefängniszelle wie in Orange Is the New Black sehr nahe); ‚No drugs allowed‘ und ‚No blood on bedding‘ Aushänge; und das Gefühl, dass ich bei einer australisch-britischen Co-Produktion von Love Island gelandet bin. Der Poolbereich stand generell unter dem Motto: Sehen und gesehen werden. Und natürlich einölen was das Zeug hält.

Auch wenn man denkt, dass man auf so einer Reise eh den ganzen Tag unterwegs ist und nur zum Schlafen in sein Bett hochkraxelt (ja, ich hatte bislang immer das Hochbett), habe ich doch gemerkt, dass es wichtig ist, sich dort auch wohl zu fühlen. Im Endeffekt sind mittägliche Power-Naps bei so einer Hitze essentiell, und zudem habe ich im Hostelzimmer für gewöhnlich immer sehr nette Leute kennengelernt, mit denen ich den restlichen Tag verbracht habe. Man hält sich dort also doch mehr als nur acht Stunden am Tag auf. Und selbst acht Stunden am Tag in einem miefigen Bunker mit Neonlicht rechtfertigen meiner Meinung nach den Wechsel in ein anderes Hostel.

Der Wechsel erschien dann wie ein Umzug in einen 4-Sterne Palast. Falls ihr in nächster Zeit überlegen solltet, auch mal nach Kambodscha zu fahren (was ich euch natürlich nur anraten kann), nächtigt auf jeden Fall in Onederz Hostels. Jeder einzelne der sieben Dollars ist hier sehr, sehr gut investiert. Das Personal ist so freundlich, dass es mir teilweise schon unangenehm ist (und ich meistens meinen großen Rucksack alleine die drei Stockwerke hochhieve – aber auch, weil alle Kambodschaner so unglaublich schmächtig aussehen). Die Zimmer sind geräumig, hell und riechen nicht. Die Badezimmer sind super sauber. Einrichtungstechnisch war hier ein Hostel-Gott am Werk. Das Onederz Hostel in Siem Reap hat sogar zwei Pools – einen auf dem Dach, und einen im Erdgeschoss. Und wer mag nicht den Sonnenuntergang über den Dächern der Stadt in einem kühlen Pool erleben? Auch wenn sieben Dollar ziemlich happig sind (für kambodschanische Verhältnisse), werde ich das Geld in Australien hoffentlich schnell wieder reinkriegen.

Nun aber zu Siem Reap. Meine ersten Tage waren hier (nicht nur wegen der Hostelsituation, sondern auch wegen meines verstimmten Magens) etwas durchwachsen, aber anderthalb Tage nach eiserner Bettruhe und strikter Reisdiät geht es mir wieder besser. Die Stadt an sich haut mich leider nicht unbedingt vom Hocker. Es ist sehr touristisch und man wird ununterbrochen von der Seite angequatscht. Das Zentrum ist wenig spektakulär, es gibt zwei Märkte, viele Restaurants, Bars und Streetfood-Stände. Im Gegensatz zu Phnom Penh oder Battambang, wo man Smoothies oder gebratene Nudeln am Straßenrand erstehen konnte, ist es hier etwas extremer. Auf der Pub Street stehen mehrere Stände die frittierte Insekten verkaufen. Das hatte ich ja auch schon auf den Märkten in Phnom Penh gesehen. In Siem Reap hingegen werden nicht allein Grillen, Heuschrecken oder Skorpione verkauft, sondern auch Schlangen und Vogelspinnen. Bereits frittiert und verzehrbereit aufgespießt.

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Woran ich mich in Siem Reap aber gewöhnen könnte, sind die günstigen Massagen. Alleine auf der Nebenstraße meines Hostels gibt es mehr als fünf Studios, die um Kunden buhlen. In vier Tagen hatte ich hier bereits drei Massagen, und ich glaube, auch nach anstrengenden Tagestouren zu den Angkor-Tempeln (welche in den kommenden zwei Tagen anstehen) ist eine Fußmassage für zwei Dollar am Ende des Tages eine Wohltat.

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bisbald

#8 Battambang: Landluft, Fahrrad fahren und eine wilde Bootsfahrt

Nach meiner 12-stündigen Erkundungstour am ersten Tag in Battambang habe ich es die nächsten Tage etwas ruhiger angehen zu lassen. Ausschlafen, durch die Stadt spazieren und die Sonne auf der Dachterrasse genießen. Mit meinem Hotel habe ich einen echten Glücksgriff gelandet. Für gerade einmal 5 $ pro Nacht bin ich in einem Achter-Schlafsaal, habe ein riesiges Bett (die Matratze ist locker 1,20m breit) und der Pick-Up zum und vom Hotel ist inbegriffen. Und nicht zu vergessen das leckere Essen. Ich hatte hier meine ersten Spaghetti seit Wochen und die waren vorzüglich. Natürlich nicht im Ansatz italienisch, aber zumindest eine fantastische Abwechslung zu meinem Speiseplan der letzten Tage, welcher vorrangig aus Fried Rice und Fried Noodles bestand.

Mein Eindruck von Battambang: Immer noch der Wahnsinn. Es lohnt sich tatsächlich länger zu bleiben als lediglich eine Nacht. Mit Onno, einem Holländer aus meinem Hotel, habe ich am letzten Tag in Battambang Fahrräder ausgeliehen. Mountainbikes wären aufgrund der Straßenverhältnisse wahrscheinlich besser gewesen. Schlaglöchern und richtigen Schlammgruben – durch den vielen Regen der letzten Nächte – machten unsere Tour zu einem kleinen Hindernisparcours. In Schlangenlinien ging es am Sangker entlang Richtung Samraong Knong, einem Tempelkomplex, der während der Khmer Rouge Zeit als Gefängnis benutzt wurde. Direkt daneben liegt das Well of Shadows, eines von unzähligen Killing Fields in Kambodscha. Obwohl ich ja schon in Phnom Penh viel über das Rote Khmer Regime gelernt hatte, war das Well of Shadows trotzdem nicht uninteressant. Hier starben über 10.000 Menschen, was eine unvorstellbare Menge erscheint, gerade weil das Areal so klein ist.

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Von hier aus ging es weiter zum Battambang Airport. Obwohl der Flughafen noch voll funktionstüchtig ist, wurde der kommerzielle Betrieb hier schon vor einem Jahrzehnt eingestellt. Und so kann man hier zwischen Kühen auf der Landebahn entlang radeln. Das Allerbeste – wir waren hier tatsächlich die einzigen Touristen, und der Flughafen war die erste „Attraktion“ in der Stadt, bei der man keinen Eintritt zahlen musste.

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Am nächsten Tag ging es um halb sieben zum Bootsanlegesteg. Nachdem meine Nachtbusfahrt mir nicht allzu gut in Erinnerung geblieben ist, habe ich überlegt, für meine Reise nach Siem Reap ein anderes Transportmittel zu benutzten. Und wer fährt schon nicht gerne Boot?

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Obwohl mir gegenüber im Vorfeld sehr zwiespältige Meinungen geäußerten wurden, kann ich sieben Stunden später behaupten: Die 20 $ waren gut investiert. Die Fahrt ging vorbei an schwimmenden Dörfern, Fischerfamilien und einer wunderschönen Natur rund um den Tonle Sap – und das Abenteuergefühl kam natürlich auch nicht zu kurz. Teilweise war der Wasserweg so dicht bewachsen, dass wir durch dichtes Gestrüpp fahren mussten – und ich plötzlich mehrere Frösche auf meinem Sitzplatz begrüßen konnte. Ein weiterer Pluspunkt: Zum ersten Mal kamen wir pünktlich an (was mich ziemlich überrascht hat). Vielleicht sollte ich in Zukunft also öfter mal auf den Wasserweg umsteigen. Jetzt ist aber erst einmal eine Woche in Siem Reap angesagt, bevor ich für drei Tage nach Bangkok fliege, um eine gute Freundin aus Rotterdam zu besuchen.

bisbald

#7 Battambang: Reiswein, Fledermäuse und ein Zirkusabend

Wie viel kann man an einem Tag erleben?

Wenn man den richtigen Tuk Tuk Fahrer findet, so einiges.  Ehe ich mich’s versah, saß ich eine Stunde nach Ankunft in meinem Hotel in Battambang bereits mit zwei Französinnen auf der Rückbank eines Tuk Tuks. Das Ziel: Battambang erleben. Und da die beiden lediglich einen Tag in der Stadt verbringen wollten hieß das: Gas geben!

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Ich will euch nicht allzu sehr mit einem ausführlichen Ausflugsbericht langweilen, darum hier eine Kurzfassung der Stops, die wir tatsächlich an einem Tag abgearbeitet haben. Ein Dank geht hierbei an den Tuk Tuk Fahrer und seine fulminante Playlist, welche hervorragend über einstweilige Erschöpfungszustände hinweggeholfen hat.

Eine Notiz für die Zukunft: man sollte sich seine Expeditionsgefährten weise aussuchen und nicht auf den erstbesten Zug aufspringen. Die Quechua Französinnen (im Partneroutfit der Decathlon Eigenmarke) entpuppten sich leider schon nach kurzer Zeit als nicht sehr kommunikationsfreudig und, um es auf den Punkt zu bringen – unsere Wellenlängen waren meilenweit voneinander entfernt (wenn man das so sagen kann).

Aber nun zu unserer Tour: Da Battambang die drittgrößte Stadt Kambodschas ist, gibt es auch hier so einiges zu entdecken. Tempel, Tempel auf Bergen, Pagoden, Pagoden auf Bergen, Höhlen, Fledermäuse, Fledermäuse in Höhlen und natürlich ziemlich viele sitzende und liegende Buddhas. Dazu staubige Straßen, Hängebrücken, eine Architektur-Führung durch ein typisch kambodschanisches Haus (auf Stelzen), ein Weingut und ein Besuch im örtlichen Zirkus Phare Ponleu Selpak, der arme Kinder und Waisen zu Zirkusartisten ausbildet. Trotz Tuk Tuk Fahrt gab es einige Cardio-Einheiten (meine Tagesbilanz lag bei 77 Stockwerken und 12.372 Schritten) und unser vorletzte Halt führte uns gegen Nachmittag zum Phnom Sampov, auf den sagenhafte 1200 Stufen hochführen (laut Tuk Tuk Fahrer, ich habe nicht gezählt). Glücklicherweise waren die Quechua Französinnen zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Tagesbestform und lehnten den Treppengang dankend ab. Somit konnte ich ganz in Ruhe (und in Flipflops) den Aufstieg wagen – der Ausblick von oben hat die Schweißperlen definitiv wieder wettgemacht. Kambodscha ist einfach nur w-u-n-d-e-r-s-c-h-ö-n.

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Meine persönlichen Highlights (neben dem Zirkusabend, den Heiratsshootings am Wat Bay Damram und den endlosen Fledermausschwärmen am Bat Cave): Die Stops bei zwei Familien, welche Reispapier (für vietnamesische Frühlingsrollen) und Reiswein herstellen. Aus einem Kilogramm Reis kann man tatsächlich einen Liter Reiswein herstellen. Mit einem Alkoholgehalt von 40% hat der ganz schön Wumms – und ist mit einem Dollar pro Liter wahnsinnig günstig. Geschmacklich war es nicht so mein Fall, aber der Tuk Tuk Fahrer meinte, dass der Reiswein oft mit Cola gemischt wird. In Preg Sway hatte ich übrigens auch schon eine Reisweinherstellung besichtigt, aber hier in Battambang erschien es doch ein wenig professioneller. Hier gab es den Reiswein sogar auch verfeinert mit eingelegten Schlangen – welchen ich bei der Kostprobe dankend abgelehnt habe.

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Battambang ist tatsächlich eine wunderschöne, ländliche Stadt. Keine Hochhäuser, kein anstrengender Verkehr und Reisfelder, soweit man Blicken kann. Und vor allem: kaum Touristen. Vielleicht kann ich es deshalb kaum erwarten, die Stadt in den nächsten zwei Tagen auf eigene Faust (mit dem Fahrrad) zu erkunden.

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#6 Phnom Penh: Stromausfall, Verspätung und meine erste Fahrt mit einem Nachtbus

Bislang hatte ich ziemlich Glück mit dem Wetter. Meist sonnig und etwas bewölkt, regnete es in den letzten Tagen lediglich in den Morgenstunden. Trotzdem aber so heftig, dass ich oft um 5 Uhr morgens kerzengerade in meinem Hostelbett saß (und man sollte meinen Tiefschlaf nicht unterschätzen). Das diese Schön-Wetter Periode irgendwann ein Ende haben muss, wurde mir spätestens am frühen Abend in Sihanoukville klar, als ich nichtsahnend bei der Maniküre saß (so günstig!). Nachdem sich der Himmel immer bedrohlicher verdunkelte, ging nach kurzer Zeit einfach das Licht aus. Mein erster Stromausfall in Kambodscha, und die Kosmetikerin zögerte nicht lange, bevor sie mit mir ins zwei Häuser weiter gelegene Reisebüro umzog,  welches glücklicherweise über einen Generator verfügte. Kambodschaner gehen mit Stromausfällen definitiv sehr pragmatisch um. Eine Stunde später begann es dann schließlich aus Kübeln zu schütten. Bis dahin hatte ich es Gott sei Dank einigermaßen trocken zurück ins Hostel geschafft. Und zack, der nächste Stromausfall. Bei einem Hostelzimmer ohne Fenster kann es da schon ziemlich dunkel werden. Aber auch im Gemeinschaftsbereich waren nur zwei spärlich leuchtende Campinglampen aufgestellt – trotzdem war es angenehm, von hier aus dem Gewitter zu lauschen.

Der Regen hielt sich bis zum nächsten Morgen, und ich war ziemlich froh, mich auf den Weg zurück nach Phnom Penh zu machen. Mein Tuk Tuk Fahrer hatte mir am vorigen Abend versprochen, mich um kurz nach 6 abzuholen und mich zum Bahnhof zu bringen. Als die Uhr dann halb 7 anzeigte, wurde ich etwas nervös. Mein Zugticket war schon gekauft und es gab nur diesen einen Zug am Tag. Außerdem war meine Bereitschaft, bei diesem Wetter in Sihanoukville zu bleiben, nicht wirklich groß. Einen Anruf später (Miss, the weather, the weather..) versicherte Mr Nee mir, dass er bereits unterwegs war, aber er durch den Regen nicht so gut durchkam. Als er schließlich um kurz vor sieben vor der Tür stand, und wie ein Irrer Richtung Bahnhof düste, war ich mir eigentlich sicher, dass ich den Zug mit Sicherheit verpasst hätte. Zehn Minuten später die Erleichterung – Pünktlichkeit nimmt auch die kambodschanische Bahn nicht so genau. Zudem kam ich zur Einsicht, dass ich  mich vielleicht langsam von meiner German Pünktlichkeit verabschieden sollte. Zumindest für die Zeit in Südostasien.

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Die Bahnfahrt war super. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von höchstens 50 km/h sind wir durch wunderschöne Landschaften gefahren, vorbei an Reisfeldern, Hügeln und Blechhütten. Nebenbei wurden in meinem Abteil kambodschanische Filme gezeigt – ich habe nicht viel verstanden, die Filmeffekte schienen sehr veraltet, alle zwei Minuten war Blut zu sehen, aber die kambodschanische Frau, die neben mir saß, konnte sich vor Lachen nicht mehr auf ihrem Sitz halten. In zwei Städten (Kampot und Takeo) hatten wir einen kurzen Halt. Da ich im Hostel kein Frühstück hatte, kamen die Stops gut gelegen, denn am Bahngleis wurden Snacks en masse verkauft. Meine Wahl viel auf Kekse (warum auch nicht), und für 25 Cent schien die Packung ein guter Deal zu sein. Auf Nachfrage erklärte die alte Frau mir, dass die Kekse Num am bung genannt werden. Num steht hier generell für Kuchen (so eine wichtige Vokabel habe ich mir natürlich schon in den ersten Tagen angeeignet), aber was der Rest heißt, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Das wichtigste: Sie haben geschmeckt und bewahrten mich den Rest der Fahrt vor dem Hungertod.Processed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 preset

Zurück in Phnom Penh traf ich wieder auf die Amerikanerin Amy, die ich auf Koh Rong kennen gelernt hatte (die Angst vor Spinnen hatte uns da ziemlich zusammengeschweißt). Sie ist Golftrainerin und gerade für fünf Wochen in Asien unterwegs. Zusammen besuchten wir den Nachtmarkt, hatten Dinner und sprachen über Gott und die Welt. Amy war super geschockt, so viele Sextouristen in Phnom Penh zu sehen (was daran liegen mag, dass Prostitution in den USA verboten ist). Viele alte Männer, mit oft sehr junger weiblicher Begleitung. Ziemlich schockierend, aber der Sextourismus ist omnipräsent in Phnom Penh. Überall gibt es „Dream Bars“ und viele Massagestudios werben mit „Happy End“.

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Mit in unserem Hostelzimmer war auch die Chinesin May, die gerade in Kambodscha ihren Führerschein macht. Angeblich soll es hier einfacher sein als in China. Das mag zum Großteil am kleineren Fragenkatalog für die theoretische Prüfung liegen (10.000 Fragen zu vier DIN A4-Seiten), oder auch am günstigeren Preis. Die praktische Fahrprüfung findet dann auf einem speziellen Verkehrsübungsplatz statt (was in China nicht anders ist). May erzählte uns jedenfalls, dass viele Chinesen nach Kambodscha reisen, um hier ihren Führerschein zu machen. Was sie uns noch erzählte: Viele Chinesinnen finden Putin ziemlich attraktiv. So zumindest hat May ihre Handyhülle verteidigt, auf der das Gesicht von Putin abgebildet ist („He is such a handsome man, Charlotte!“). Es ist schon immer spannend, was für unterschiedliche und teils kuriose Leute man auf Reisen trifft. Aber das macht das ganze vielleicht auch so spannend.

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Am nächsten Abend ging es dann mit dem Nachtbus nach Battambang. Sieben Stunden Fahrt, ein 1 m breites und höchstens 1,70 m langes „Bett“ und eine asiatische Bettnachbarin, die zwar zierlich aussah, sich aber in der Nacht ordentlich breit machte. In Kombination mit unserem Handgepäck (man sollte seine Wertsachen ja immer nah bei sich haben) war also eher wenig Platz. Dazu die holprige Fahrt über die kaputten Straßen Kambodschas – ich muss wohl nicht erklären, warum ich in der Nacht nicht allzu viel Schlaf bekommen habe. Dennoch: für meine Zeit in Myanmar werde ich diese Busse aus Zeit- und Kostengründen wohl etwas öfter buchen müssen. Und vielleicht ist das Ganze nur Gewöhnungssache!

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#5 Koh Rong: Schnorcheln, Strand und Mr. Hun

Drei Tage und Nächte ohne fließendes Wasser, Klimaanlage oder Ventilator. Mitten am Strand, umgeben vom Dschungel und abgeschnitten von jeglicher Zivilisation. Welcome to Lonely Beach! Oder auch: Wie ich das Paradies fand und doch wieder verließ.

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Nach 72 Stunden und einer unfassbar wohltuenden Dusche bin ich wieder in Sihanoukville (der Zivilisation) und liege zufrieden unter der Klimaanlage. Abgesehen von acht Mückenstichen (trotz ultrastarkem Insektenschutzmittel) und einem kleinen Sonnenbrand (von der dreistündigen Bootsfahrt zum Festland) bin ich wohlbehalten zurück gekehrt. Wenn ich bis jetzt dachte, allein Hunger kann mich zur Bestie machen, dann muss ich das nach der dreitägigen Dschungelerfahrung etwas revidieren: Auch der Wunsch nach körperlicher Hygiene und einer Raumtemperatur unter 35°C  ist nicht zu unterschätzen. Jetzt, nachdem ich mich von einem unerträglichen Gemisch aus Schweiß, Sand, Insektenschutzmittel und Sonnencreme befreit habe und meine feucht-modrigen Klamotten bei der Wäscherei sind, kann ich ziemlich sicher behaupten, dass ich (a) noch niemals an einem so schönen Fleckchen Erde war und (b) ziemlich über mich hinausgewachsen bin.

Lonely Beach Resort ist eine umweltfreundliche Unterkunft, die von einer französischen Familie geführt wird. Komplett betrieben mit Sonnenenergie, lebt man hier in und mit der Natur. Und das meine ich nicht nur sprichwörtlich: Wenn man um 5 Uhr morgens vom Quaken der Frösche aufwacht und Toilette und Eimerdusche mit Spinnen, Eidechsen und anderen Krabbeltieren teilt, lernt man schnell, sich anzupassen. Oder in meinem Fall: seine Angst vor Spinnen für drei Nächte zu ignorieren (und mit Stirnlampe bewaffnet und in geduckter Haltung mitten in der Nacht zur Dschungeltoilette zu rennen). Was man dafür geboten bekommt: unberührte Natur. Einen wunderschönen weißen Strand. Palmen, wohin das Auge blickt. Kristallklares Wasser. Badewannentemperatur und Korallenriffe. Und nicht zu vergessen die tolle Atmosphäre der Unterkunft, das superleckere Essen und jede Menge Ruhe.

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In den 72 Stunden habe ich zwei Bücher gelesen, war zum ersten Mal in meinem Leben schnorcheln, habe ununterbrochen im Wasser gelegen (oder geschlafen) und abends fluoreszierendes Plankton im Meer bewundert. Mittwoch bin ich mit anderen Gästen zum 4 km entfernten Dorf Prek Svay gelaufen (natürlich durch den Dschungel und barfuß – so wie bei Tarzan), um bei Mr. Hun einen Kochkurs zu absolvieren und mehr über das kambodschanische Leben auf Koh Rong zu erfahren.

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Im Dorf leben ungefähr 800 Menschen und Mr. Hun hat hier vor drei Jahren sein Restaurant Firefly eröffnet. Mr. Hun gibt nicht nur Kochkurse und bekocht Gäste, sondern versucht auch, den ökologischen Tourismus zu fördern. Das bedeutet, dass er in mehreren Familien sogenannte Homestays (Privatunterkünfte) eingerichtet hat, dorfeigene Produkte in seinem Restaurant verkauft (so wie Bambushüte, Kokosöl oder Reiswein) und Dorfbewohnern aus Prek Svay beibringt, ihr Lebensumfeld nicht zu vermüllen, weniger Plastik zu verbrauchen und zu recyceln. Daneben bildet er Köche aus, die dann in umliegenden Resorts auf der Insel Arbeit finden und heuert ausländische Freiwillige an, die für einige Wochen in Prek Svay unterkommen, um den Kindern im Dorf Englisch beizubringen. Eine ziemlich tolle Sache, wie ich finde, vor allem wen man bedenkt, dass Mr. Hun zuvor auf dem Festland in Luxusrestaurants gearbeitet hat, in denen er sicherlich mehr verdienen konnte als hier.

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Mit uns hat Mr. Hun ‚Khmer Red Curry‘ gekocht – nur mit lokalen Zutaten, die wir zuvor im Dorfladen eingekauft hatten oder in seinem Kräutergarten fanden. Und es war definitiv so lecker wie es auf den Fotos aussieht, und das Firefly Restaurant ist eine Empfehlung für jeden, der mal nach Koh Rong kommt.

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Morgen geht es für zurück nach Phnom Penh. Diesmal nicht mit dem Bus, sondern mit dem Zug. Mein Tuk Tuk Fahrer Mr. Nee, der mich vorhin vom Pier abholte, hat ziemlich erstaunt geguckt, als ich auf dem Weg zum Hostel am Bahnhof stoppen wollte, um mir für morgen früh ein Zugticket zu holen. Er selbst ist noch nie mit dem Zug in Kambodscha gefahren (nun gut, den Zugbetrieb gibt es auch erst wieder seit einem Jahr). Da der Zug aber genauso teuer ist, wie der Bus – und auch genauso lange dauert – will ich mir diese Erfahrung auf keinen Fall nehmen lassen. In Phnom Penh bleibe ich voraussichtlich auch nur für eine Nacht, bevor es dann weiter Richtung Nordwesten geht – Richtung Pursat und Battambang.

bisbald

#4 Phnom Penh: Rote Khmer, Banana Shakes und Fußmärsche

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Nach insgesamt drei Tagen in Phnom Penh hieß es heute für mich schon wieder: Bus buchen, Sachen packen und auf in die nächste Stadt: Sihanoukville. Rund 220 km von Phnom Penh entfernt ist die Stadt Ausgangspunkt für meine Überfahrt nach Koh Rong morgen früh. Nachdem die zwei letzten Tage in Phnom Penh doch sehr programmreich und anstrengend waren, freue ich mich schon richtig, mir im Lonely Beach Resort die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen.

Rückblickend war Phnom Penh eine fantastische Erfahrung. Treibendes Stadtleben, wilder Verkehr und irgendwie so klein, dass sogar ich mich schnell zurecht finden konnte.

Mekong - Ausblick von der Dachterasse meines Hostels

Samstag ging es zusammen mit Steve und Jenny (zwei Briten) und Julia (aus Deutschland) zu zwei Gedenkstätten des kambodschanischen Genozids. Ich hatte im Vorfeld meiner Reise schon das Buch „First they killed my father“ von Loung Ung gelesen und den gleichnamigen Film (gedreht von Angelina Jolie) gesehen und war sehr gespannt, mehr über die Zeit der Roten Khmer und ihrem Anführer Pol Pot zu erfahren. Dieser herrschte von 1975 bis 1979 in Kambodscha. In diesem Zeitraum starb jeder vierte Kambodschaner.

Unser erster Halt waren die Killing Fields Choeung Ek, die etwas außerhalb des Zentrums von Phnom Penh liegen. Mit einer Audio Tour wurden wir über das weitläufige Gelände geführt. Insgesamt wurden hier fast 9,000 Leichen gefunden. Neben einer Stupa, in der 5,000 menschliche Totenschädel aufbewahrt werden, führte die Audio Tour uns an den Massengräbern vorbei und erklärte sehr eindrucksvoll von den schrecklichen Geschehnissen in Choeung Ek. Viel möchte ich hierzu nicht schildern, denn mein kurzer Bericht würde wahrscheinlich einen Haufen wichtiger Informationen vergessen. Wer möchte, findet hier den englischen Script der Audio Tour. Mich hat die Begehung der Massengräber ehrlich gesagt sehr mitgenommen und es gab einige Stationen, bei denen ich meine Tränen nur schwer unterdrücken konnte. Hierzu gehörte auch der Killing Tree, an dem hunderte Kinder qualvoll sterben mussten. Noch immer werden in den Regenmonaten Knochen und Kleiderreste freigelegt und es gibt Gräber, die aus Respekt vor den Toten nicht geöffnet wurden. An den geöffneten  und meist eingezäunten Massengräbern hängen hunderte Glücksarmbänder.

Unser zweiter Stopp war das Tuol Sleng Genozid Museum. Vor der Roten Khmer Zeit als High School in Benutzung, wurde es ab 1975 als Foltergefängnis (S-21) der Roten Khmer gebraucht. Insgesamt sollen hier rund 17,000 Menschen, darunter auch Ausländer, inhaftiert worden sein. Mithilfe von perfiden Foltermethoden wurden die Häftlinge zu „Geständnissen“ gezwungen und dann meist nach Choeung Ek zur Exekution gebracht. Viele aber starben bereits durch die furchtbaren Haftbedingungen. Das Museum zeigt Fotos der peinlich genau dokumentieren Häftlinge, der Haftbedingungen und Folterinstrumente, sowie der involvierten Gefängniswächter, hierunter auch der Gefängnisdirektor Kaing Guek Eav. Dieser wurde 2012 vom internationalen Rote-Khmer-Tribunal zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

Ich kann es jedem wirklich nur ans Herz legen, sich näher mit dem kambodschanischen Genozid auseinanderzusetzen. Rund 30 Jahre nach dem Ende der Roten Khmer Herrschaft werden die Geschehnisse erst langsam aufgearbeitet und erst seit kurzem ist die Rote Khmer Herrschaft Teil des kambodschanischen High School Unterrichts. Fast ein Drittel aller Kambodschaner kam in der vierjährigen Herrschaft um, und wenn ich das Treiben auf der Straße beobachte, kommt es mir vor, als wäre eine gesamte Generation komplett ausgelöscht.

 

Sonntag stand dann im Zeichen einer etwas weniger aufwühlenden Sightseeing Tour. Wat Phnom, der Hauptbahnhof sowie Russian und Central Market standen auf der Liste. Die Märkte in Phnom Penh sind stickig und laut, aber man kann hier tatsächlich so einige Schnäppchen machen. Viele (europäische) Hersteller wie Nike, Adidas, Converse, Zara oder H&M lassen in Kambodscha produzieren, und die Märkte bieten einen Großteil der B-Ware an. Mit Blick auf mein eh schon schweres Gepäck habe ich mich vornehm zurück gehalten, aber Julia konnte echte Chucks für 12 Dollar ergattern. Highlight für mich war an diesem Tag der vietnamesische Reisnudelsalat, den es in der Mittagspause gab. Schmeckte tatsächlich genau wie bei Nom Nom in Recklinghausen, war aber mit USD 1,50 sehr viel günstiger. Zusammen mit den drei Bananenshakes (insgesamt liegt die Zahl der verzerrten Fruchtshakes seit meiner Ankunft bestimmt schon bei 10!), die uns durch die Hitze brachten, haben wir an diesem Tag erfolgreich 12 km zu Fuß zurück gelegt. Kein allzu fauler Sonntag also!

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bisbald

 

 

#3 Phnom Penh: Pagoden, Palast und lächelnde Menschen

15 Stunden später, mit etwas reduziertem Gepäck (ich musste mir selber eingestehen, dass ich doch etwas zu viel eingepackt hatte) und wilder Tuk Tuk-Fahrt bin ich in meinem ersten Hostel direkt am Mekong angekommen, dem siebtlängsten Fluss Asiens.

Um direkt einmal die Fronten zu klären: Bis vor circa einem Jahr hätte ich weder die Lage, noch die Hauptstadt Kambodschas benennen können. Deshalb erst einmal die allerwichtigsten Informationen über Land und Leute.

  1. Kambodscha liegt in Südostasien. Nachbarländer sind Vietnam, Laos und Thailand. Hauptstadt ist Phnom Penh.
  2. Die Amtssprache ist Khmer, aber auch mit Englisch und Französisch kommt man hier sehr gut weiter.
  3. Kambodscha hat 16 Millionen Einwohner.
  4. Die Währung heißt Riel. 1 Euro sind ungefähr 4500 Riel. Ansonsten kann man meist auch überall mit USD bezahlen (was meiner Meinung nach deutlich einfacher ist, da es nicht so viele unterschiedliche Scheine gibt). 1 USD sind ungefähr 4000 Riel. Den Riel gibt es heutzutage nur noch in Scheinen (der größte ist 100.000!).
  5. Neben einem parlamentarischen Regierungssystem hat Kambodscha auch eine Wahlmonarchie (der Herrscher wird hier nicht durch die Erbfolge sondern durch eine Wahl bestimmt). Seit 2004 sitzt König Norodom Sihamoni auf dem Thron.
  6. Kambodscha ist immer noch eines der ärmsten Länder Südostasiens. Erst langsam erholt sich die Wirtschaft von den Konflikten der vergangenen Jahrzehnte.

Mein erster Eindruck von Kambodscha fällt positiv aus, auch wenn ich beim ersten Spaziergang durch die Stadt trotz Vorwarnung von Reiseführern und Freunden über die vielen bettelnden Kinder und den generellen Zustand der Stadt ziemlich erschrocken war. Aber man sollte sich auch vor Augen führen: es ist ein Entwicklungsland, in dem viele Kambodschaner meist gerade einmal 140 USD im Monat verdienen. Die Straßenverhältnisse erinnern mich ein wenig an Bali – viele Mopeds, viele Tuk Tuks, und viele Löcher in der Straße, die umfahren werden müssen. Es ist staubig, es riecht nach Abgasen, und der Verkehr ist einfach nur chaotisch – aber das habe ich ja auch schon in Manila erlebt. Bislang finde ich das kambodschanische Volk sehr freundlich, vor allem, weil mir jeder ein Lächeln zurückgeschenkt.

Was habe ich also an meinem ersten Tag erlebt? Neben der Besichtigung des Königspalasts und dem Wat Ounalom (einer Art religiöser Gebäudekomplex) habe ich Schlaf nachgeholt, eine Pediküre gehabt, eine frische Kokosnuss getrunken und das leckere Essen im Hostel genossen.

Wat OunalomWat OunalomMüllverbrennung neben Wat OunalomAuf dem PalastgeländeAuf dem PalastgeländeAuf dem PalastgeländeProcessed with VSCO with av8 preset

bisbald