#22 Malakka: das Münster von Malaysia, Multikulti und Massagen

Die Straße von Malakka (oder Melaka bzw. englisch Malacca) ist eine der am stärksten befahrenen Wasserstraßen weltweit, dutzende Containerschiffe ziehen vor der Westküste Malaysias vorbei. Schon vor einigen hundert Jahren war dieser Handelsweg von großer Bedeutung für die Region, und so wuchsen wichtige Handelsstädte wie z.B. Port Dickson oder eben auch Malakka entlang der Küste. Wir checken nach angenehmer Busfahrt von Singapur in unserer zuvor von Lotti gebuchten Unterkunft ein und lernen den vermutlich überfreundlichsten chinesisch-stämmigen Malaysier kennen, der uns alles Wichtige im Hostel Once In Peninsula sowie in der Altstadt Malakkas auf einer selbstgemalten Karte zeigt. Scheinbar sind wir die einzigen Gäste in dem kleinen, ziemlich neuen und super sauberen Hostel. Nach kurzer Erfrischung starten wir eine kleine Erkundungstour mit den beiden Fahrrädern, die uns kostenlos zur Verfügung stehen.

Malakka erinnert mich mit seinen ca. 370.000 Einwohnern irgendwie ein wenig an Münster. Das liegt nicht nur an der Größe, sondern vor allem an der Fahrradfreundlichkeit, dem Vorhandensein einer Altstadt und vielen kleinen, hippen Cafés und Läden, die zum Bummeln einladen. Der ein oder anderen klischeehafte Touristengruppe (meistens Chinesen) rennt man hier auch gezwungenermaßen über den Weg. Der Bereich der Altstadt wurde über die vergangenen Jahrhunderte abwechselnd von den Portugiesen, den Niederländern und den Briten baulich überformt (Kommentar von Lotti: der fachsprachliche Ausdruck eines Geographielehrers) und die verschiedenen Kolonialstile finden sich noch heute überall wieder. Die auf einem Hügel gelegene St. Pauls Kirche wurde mal von den Portugiesen, mal von den Niederländern genutzt und diente in Kriegszeiten als Munitionslager. Heute ist die Kirche verfallen und wird von Künstlern als Rückzugsort und zur Darstellung von Performances verwendet.

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Auf Empfehlung unseres freundlichen Hostel-Chinesen sollen wir das Jonker 88 ausprobieren. Kein Geheimtipp, aber es gibt dort eben günstige, lokale Gerichte. Schön, denken wir und bestellen etwas, das auf Nachfrage am wenigsten scharf ist. Lotti genießt es, ich finde es auch super lecker und sterbe trotzdem dreimal aufgrund innerer Überhitzung und Lippenverbrennung. Her mit dem Eis! Denn das soll eine typische Nachspeise sein: schlichtes Wassereis, das von einem Eisblock abgeschabt und mit Mango bestückt wird, darüber ein ziemlich klebriger Zuckersirup. Es ist ganz lecker, stillt aber vor allem meine brennende Kehle. Interessanterweise wird das Eis auf einer Schicht Mais und Bohnen gebettet, wie wir beim Auslöffeln herausfinden.

Später am Nachmittag fahren wir in Richtung Neustadt, wo sich die meisten Wellnesstempel angesiedelt haben. Lotti lässt sich die Fingernägel neu machen und ich gönne mir eine einstündige Thaimassage (für knapp 10 Euro!). Den Sonnenuntergang beobachten wir nahe einer besonderen Moschee, die auf Betonpfählen über Wasser gebaut ist. Diese Moschee ist wirklich schön und hat einen tollen Ausblick auf die Straße von Malakka mit ihren dahinschippernden Containerriesen und einem riesigen Kreuzfahrtschiff. Die traditionelle Verschleierung ist für uns beide mal wieder Pflicht.

Im angrenzenden arabischen Viertel wird fleißig ein Pestizidmittel versprüht. Die Straßen sind in einen dicken, beißenden Nebel gehüllt. In der Nähe der Moschee erfahren wir dann den Grund der Aktion: auf Plakaten, die in der Nähe der Moschee hängen, wird vor Dengue Mücken gewarnt. Auch wenn unsere Luftröhre beim Einatmen fast wegätzt, ist das uns immer noch lieber als am Schluss unserer Asienreise Dengue Fieber zu bekommen.

Tags darauf erkunden wir den Rest der Stadt auf eigene Faust und werden dabei immer wieder von einer kleinen Gruppe Schülern interviewt. Sie möchten unsere Herkunft wissen, den Grund unserer Reise nach Malaysia und wie wir die Stadt Malakka finden. Der didaktisch-methodische Hintergrund dieser Interviews ist offensichtlich die Förderung der englischen Aussprache der Schüler, das habe ich als Pädagogikexperte doch ganz klar erkannt. Die Schüler sind übrigens sehr interessiert an uns, teilweise aber auch ganz schön frech. Aber als Lotti einmal erwähnt, dass ich Lehrer bin, wird die Gruppe lammfromm.

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Viele Teile der Altstadt und der alten Befestigungsmauern des portugiesischen Forts sind UNESCO Weltkulturerbe. So auch die Straße der Harmonie, auf der die ältesten Moscheen, Tempel und Kirchen stehen. Malaysia hat uns schon von Anfang an mit einem sehr harmonischen Zusammenleben verschiedener Religionen aus aller Welt beeindruckt. Das unterstreicht diese Straße, auf der auf engstem Raum Hindus, Buddhisten, Muslime, Christen und Taoisten gemeinsam leben und in ihren Gotteshäusern beten. Wir besichtigen die nun bestimmt schon fünfte Moschee und erfahren, in langen Gewändern gehüllt, von einer älteren Muslima so einiges über den Islam. Sie stellt uns auch ein paar Fragen zum Christentum und wieder fällt mir auf, wie viele Gemeinsamkeiten diese Religionen doch haben.

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Der Himmel fällt sprichwörtlich immer mal wieder in sich zusammen und schüttet Unmengen an Wasser herab. Mit einem Grab-Taxi kommen wir fast trockenen Fußes in Richtung Neustadt. Stichwort Fuß ist hier richtig, denn wir gönnen uns eine einstündige Fußmassage. Die ist so herrlich, dass wir zwischenzeitlich kurz einnicken, dann aber wieder aufwachen, wenn unsere strapazierten Waden kraftvoll malträtiert werden.

Processed with VSCO with av8 presetZurück in der Unterkunft stellen wir fest, dass der Boden zum Teil unter Wasser steht. An einigen Stellen sogar bis zu fünf Zentimeter. Der Besitzer kommt kurze Zeit später und öffnet die Tür von zwei Gästezimmern, eines davon war unseres (unser Gepäck war glücklicherweise in einem anderen, trockengebliebenen Raum untergebracht, da wir ja schon vormittags auschecken mussten). Die Matratze war komplett durchnässt und von der Decke tröpfelte es durch. Das andere Zimmer sah noch schlimmer aus, dort ist die gesamte Decke eingestürzt. Uns tun die Jungs vom Hostel super leid, gerade weil der betroffene Teil erst vor drei Monaten renoviert wurde. Leider können wir nicht helfen, da wir unseren Bus in Richtung Kuala Lumpur International Airport nehmen müssen.

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Wir nehmen Abschied von Malaysia, einem Land mit tausend Gesichtern, vielen Kontrasten und wieder einmal super freundlichen Menschen. Ich muss sagen, dass ich Malaysia komplett unterschätzt habe und enorm beeindruckt bin. Und das, obwohl wir nur einen Bruchteil dieses Landes gesehen haben, welches in etwa so groß ist wie Deutschland. Da Kuala Lumpur ein internationaler Knotenpunkt von Asienflügen ist, werden wir sicher noch einmal herkommen.

bis bald marius

#21 Singapur: Weihnachtsbeleuchtung, Schokopops und Multikulti

Für uns geht es um sieben Uhr morgens weiter Richtung Singapur. Weg von Tioman und zurück in die westliche Welt.

Bereits die Fähre hat eine Dreiviertelstunde Verspätung. Im weiteren Verlauf unserer heutigen Reise wird sich zeigen, dass unsere angepeilte Ankunftszeit gegen zwölf Uhr ein wenig naiv geplant war. Für 212 Kilometer braucht man trotz guter Infrastruktur in Malaysia doch etwas länger. Das liegt – neben der verspäteten Fähre – vor allem an den Wartezeiten. Ob auf den Bus in Mersing, den Bus in Johor, oder den Bus vom Landübergang Singapurs in die Innenstadt (ihr seht, wir mussten einige Male umsteigen) – auf alles wartet man mehr oder weniger freiwillig. Dazu lange Warteschlangen, Pass- und Gepäckkontrollen. Wer sagt schon, dass der Landweg einfacher ist als der Luftweg. Wobei wir mit dem Flugzeug wahrscheinlich doch schneller gewesen wären. Am Ende dauert es tatsächlich volle zwölf Stunden, bis wir endlich unser Hostel erreichen. Nach einer kurzen Pause (und Powernap für Majo) schaffen wir es gerade noch so zum nächstgelegenen Sushi Restaurant. Danach fallen wir todmüde und satt in unser Hostel-Etagenbett.

Der nächste Tag beginnt ruhig. Wir frühstücken ausgiebig auf unserem Hostelbalkon. Endlich gibt es wieder normalen (und starken) Kaffee und Marius kann endlich wieder seine drei Teelöffel Zucker in das schwarze Gold schaufeln. Dazu gibt es Toast, Marmelade, Erdnussbutter und Schokopops. Ich habe schon mal gesünder gelebt, aber wenn es das Frühstück in Singapur schon gratis gibt… Ein Apfel zum Schluss rettet meine Nährstoff-Tagesbilanz. Marius verträgt das Weißbrot nicht ganz so gut, was im Verlauf des Tages zu einem kleinen Schwangerschaftsbäuchlein führt. Vielleicht lag der Bauch aber auch an zwei Portionen Schokopops.

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Dank der zwei Sim-Karten, die wir kostenlos im Hostel erhalten haben, fällt die Orientierung und die Planung unserer Stadttour relativ leicht. Chinatown, Little India und zur Wassershow am Marinas Bay Sands und den beleuchteten Gardens by the Bay. Wir haben nur einen Tag, aber wir wollen so viel wie möglich erleben!

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Singapur scheint wie Hong Kong zu sein. Alles ist ausgeschildert, das Metrosystem ist einfach zu verstehen und die abertausenden Einkaufsmalls sind auf wunderbare 16 Grad Celsius heruntergekühlt.  Es gibt an jeder Ecke kleine Kioske, die T-Shirt-Aufdrucke lassen einen öfter einmal schmunzeln und verrückte Westliche joggen bei 30 Grad und 95% Luftfeuchtigkeit an der Promenade um ihr Leben. Manche sogar topless, was ich bei der Hitze vollkommen nachvollziehen kann (das Laufen an sich aber nicht).

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Und trotzdem ist Singapur so anders. Auf der anderen Seite des Flusses, wo sich unser Hostel befindet, steht zum Beispiel eine Kirche, die jede Viertelstunde schlägt. Singapur ist überhäuft mit Kirchen. Und mit Moscheen. Und mit Tempeln. Es ist verrückt, wie so viele verschiedene Kulturen so friedlich miteinander leben können (nun gut, die Werbung in der Metro über das richtige Verhalten bei Terroranschlägen assoziiert etwas Anderes). Jeder lebt in seinem eigenen Viertel, ob Chinatown, Little India oder auf der Arab Street, und alle sind glücklich. Und wir sind zufrieden, dass wir in einem Tag so viele unterschiedliche Kulturkreise bereisen. Zudem dominieren keine Hochhäuser außerhalb des Stadtzentrums. Stattdessen gibt es in den Vierteln Kolonialgebäude, die in jeder Farbe erstrahlen, oder schöne Mehrfamilienhäuser (laut Majo im Art Deco Stil) in Tiong Bahru.

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Was wir nicht bedacht haben, ist die Regenzeit. Ab elf Uhr startet das Gewitter und der Monsunregen. Wir retten uns nach Little India, aber die gefliesten Gehsteige, die überall in Singapur zu finden sind, machen den Fluchtversuch zu einem waghalsigen Unterfangen. Mit unseren Flipflops wird jeder Meter zur Rutschpartie, und ich sehe uns bereits mit Genickbruch im Krankenhaus. Ich glaube, unserer Gang über die nassen Straßen Singapurs war ein Bild für die Götter – ich habe mich gefühlt, als würde ich die ganze Zeit auf Eiern laufen.

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Trotz widriger Wetterverhältnisse (die zum Nachmittag hin zumindest etwas besser werden), erleben wir an einem Tag so einiges. Henna Tattoo, Selfie-Kaffee, Massen an gutem und verhältnismäßig günstigen Essen – in dieser Stadt wird es definitiv nicht langweilig.  Und zum ersten Mal kommt bei mir tatsächlich so etwas wie Weihnachtsstimmung auf. Zuerst im Hipsterviertel an der Haji Lane, wo wir in allen Läden mit Weihnachtsmusik beschallt werden. Und dann auf der Orchad Road, der wohl bekanntesten Shoppingmeile in Singapur, die über und über mit Weihnachtslichtern geschmückt ist. Auf Lebkuchen und Christstollen habe ich bei 30 Grad aber noch keinen richtigen Appetit.

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Zwölf Stunden nach Aufbruch sind wir zurück im Hostel. Zeit, unsere Sachen zu packen und eine Unterkunft für unser morgiges Ziel zu buchen – Malakka. Singapur für weniger als 72 Stunden war tatsächlich anders, als ich erwartet hätte. So unfassbar modern und so multikulti. Ich fand es lebenswert und aufregend, für Marius war es am Ende doch ein wenig zu viel Großstadt. Am Ende haben wir wahrscheinlich nur einen Bruchteil der Stadt gesehen, aber zumindest für die Zukunft weiß ich, dass sich die Stadt für einen Städtetrip lohnen kann.

bis bald charlotte

#20 Tekek, Tioman Island: Traumstrände, Mückenplage und ein witziger Japaner

Tag 1:

Mit dem Nachtbus geht es um kurz vor Mitternacht Richtung Mersing. Von dort soll in den Morgenstunden die Fähre nach Tekek auf Tioman Island abgehen. Das Busterminal in Kuala Lumpur ist unfassbar modern und erinnert eher an ein Flughafenterminal. Wir holen unsere Tickets vom Schalter ab und müssen über die Versicherungsreklame schmunzeln. Man kann Hände, Füße oder Augenlicht für 0.40 Ringgit (ca. 8 Cent) versichern lassen. Ich frage die Frau am Schalter, ob die Busfahrt wirklich so gefährlich sei und zeige auf das Versicherungsangebot. Sie muss selbst lachen. Wir beschließen, dass wir unsere Hände, Füße und Augen dem Risiko einer Busfahrt aussetzen und die Versicherung trotz unschlagbarem Preis nicht abschließen.

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Der Bus ist wie zu erwarten eiskalt. Wir ziehen nach und nach alles an, was wir im Handgepäck verstaut bekommen haben. Die Nacht bleibt kurz und gegen fünf Uhr sind wir bereits in Mersing. Die Stadt schläft noch und wir kämpfen uns mit unserem Gepäck zum Fährenterminal. Frühstück (für Marius ziemlich scharf!), Ticketkauf und ein kurzer Outfitwechsel in luftigere Klamotten – es kann weitergehen.

Die Fährenfahrt verschlafe ich komplett. Gegen 10 Uhr kommen wir an und trotten bei 30 Grad plus zu unserer Unterkunft. Mir kommen langsam Zweifel auf, wie ich bei diesen Temperaturen drei Tage lang ohne Klimaanlage auskommen soll. Wir haben lediglich ein „Chalet“ (schöneres Wort für Hütte) mit Ventilator gebucht.

Unsere Unterkunft ist bescheiden, aber für den Preis netter als erwartet. Nachdem wir die Taschen abgeladen haben geht es direkt zum Strand. Das Wasser ist kristallklar und spiegelglatt. Wir hüpfen kurz hinein und machen uns dann auf die Suche nach einem zweiten Frühstück (Marius: „Bitte nicht scharf!“). Beim Cabana Resort bleiben wir hängen – wie sich herausstellt, werden wir hier die nächsten Tage noch so einige Stunden verbringen. Es gibt Toast mit Ei, Pfannkuchen, Bananenmilchshake und einen Eiskaffee.

Nach dem Essen sind wir hundemüde. Wir haben letzte Nacht beide wenig geschlafen und das macht sich jetzt bemerkbar. In den Nachmittagsstunden schaffen wir es gerade noch, bei einigen Anbietern nach Schnorcheltouren zu fragen. Den Rest des Nachmittags verbringen wir im badewannenwarmen Wasser. Am Cabana treffen wir noch einen britischen Japaner Yuji („100% Made in Japan„), der auch bis Montag auf der Insel ist. Seine freundliche Art und sein Humor stecken direkt an. Während wir im Wasser planschen, macht er eine kleine Stand Up Paddeling Tour an der Bucht und sahnt bei den Fischern kostenlosen frischen Fisch ab. Sein Abendessen ist auf jeden Fall gesichert. Wir verabreden uns auf ein Bier am Abend.

Nach einer kurzen Dusche und einem Besuch beim örtlichen Duty Free Shop (von denen gibt es in Tekek eine Menge) schaffen wir es noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang. Mit einem kühlen Bier lässt es sich am Strand gut aushalten. Einziges Manko: die abertausenden Sandfliegen und Mücken. Aber damit muss man leben, bei so einem Blick.

Den Rest des Abends verbringen wir im Cabana. Neben Yuji treffen wir hier auch auf einen Amerikaner und seine Familie, die mit ihrem 17 Meter langen Katamaran vor Anker in der Bucht liegen. Er ist Pilot für Privatjets reicher Chinesen. Was ein Leben. Vielleicht sollte ich doch noch umschulen?

Tag 2:

Wir stehen um kurz vor acht auf. Das Ziel: eine bezahlbare Schnorcheltour für zwei Personen finden. Das französische Pärchen, dass in der Hütte neben uns geschlafen hat, ist leider heute morgen schon abgereist. Nach kurzem Spaziergang müssen wir feststellen, dass die Insel verschlafener ist, als erwartet. Nichts hat geöffnet. Um das um halb neun morgens. Ich hätte erwartet, dass die Leute hier bei so einer Hitze früh aufstehen und wie die Südeuropäer Siesta halten. Gerade, weil die Muslime unter den Einwohnern doch eh vor dem Sonnenaufgang zum Gebet aufstehen müssen. Aber gerade ist die tiefste Nebensaison, und vor neun Uhr kräht hier höchstens der Hahn.

In der Nähe des Fährenterminals finden wir ein offenes Restaurant. Die Besitzerin schreit uns „Breakfast, breakfast“ zu. Da ansonsten nichts offen hat, ist die Entscheidung schnell getroffen. Wir bestellen zwei Pfannkuchen und Fruchtsäfte. Der Pfannkuchen erinnert mich stark an marokkanische Crêpes. Lecker, aber wie sich herausstellt leider nicht so günstig. Morgen werden wir etwas Anderes suchen.

Wir beschließen, die Schnorcheltour auf morgen zu verschieben und heute zur anderen Seite der Insel zu wandern. Sieben Kilometer durch den Dschungel. Yuji begleitet uns. Nachdem wir den Eingang des Wanderwegs hinter der örtlichen Moschee gefunden haben, stehen wir nach wenigen Metern bereits mitten im tiefsten Dschungel. Der Weg scheint wenig benutzt und die Vegetation hat sich ihren Lebensraum wiedergeholt. Die Luftfeuchtigkeit ist irrsinnig hoch und die Mücken sind irrsinnig blutrünstig. Die Geräuschkulisse um uns herum nimmt zu, je weiter wir vorankommen.

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Zwischen uns und Juara Beach liegt eine Bergkette. Das heißt, wir laufen die meiste Zeit bergauf. Der höchste Berg auf Tioman Island ist übrigens 1038 m hoch, aber ziemlich weit von unserem Dschungelweg entfernt. Der Schweiß läuft und wäscht das Insektenschutzmittel ab. Wir alle stöhnen über jeden Schritt. Teilweise führen Treppenstufen hinauf, was uns zumindest schneller vorankommen lässt. Der Schweiß läuft trotzdem unerbittlich.

Unterwegs entdecken wir immer wieder witzige Insekten am Wegesrand. Mal einen Tausendfüßler, mal eine riesige Ameise. Zwischendurch folgen uns eine Gruppe Affen. Es wird nicht langweilig.

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Nach zwei Stunden erreichen wir die Straße, welche von Tekek nach Juara führt. Von hier aus geht es wieder bergab. Nur wenige Autos überholen uns, einige Motorradfahrer liefern sich kleine Rennen auf den steilen Straßen. Am Wegesrand finden wir eine tote grüne Peitschennatter. Obwohl wir vor Schlangen wie dieser gewarnt wurden, bleibt dies die einzige Begegnung. Ihr Biss ist übrigens nicht tödlich. Ein ähnliches lebendes Exemplar habe ich bereits in Myanmar über die Straße schlängeln sehen.

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Nach einem weiteren Kilometer erreichen wir den Wasserfall. Yuji und Marius hüpfen direkt rein, ich muss mich erstmal an die Wassertemperatur gewöhnen. Am Ende ist es aber doch eine angenehme Abkühlung.

Zum Juara Beach ist es von hier aus nur noch ein Katzensprung. Wir steuern das nächste Restaurant an und bestellen gebratene Nudeln und Eistee zum Mittagessen. Den Rest des Nachmittags planschen wir im warmen Wasser. Durch den leichten Wind fühlt sich die Temperatur hier deutlich angenehmer an. Auch Juara wirkt wie ausgestorben und wir sind die einzigen im Wasser. Der Strand ist kilometerlang und der Sand ist unfassbar weiß und fein. Trotzdem sind wir froh, gegen Abend mit einem Einheimischen zurück nach Tekek zu fahren. Dort ist dann doch noch etwas mehr los. Yuji bringt mir über den Tag hinweg ein wenig Japanisch bei. Wusstet ihr, dass Karaoke „empty orchestra“ (kara oke) heißt?

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Tag 3:

Heute geht es zum Schnorcheln. Wir haben gestern Abend noch Luke aus Deutschland und Anna aus Korea kennengelernt, die gerne dazu stoßen wollen. Yuji ist auch mit an Bord, obwohl er sich am ersten Tag beim Schnorcheln einen fetten Sonnenbrand geholt hat. Wir treffen uns um neun Uhr vor unserer Unterkunft. Wie sich später herausstellt, viel zu früh. Marius und mein Körper sind übersäht von Mückenstichen. Ein Mitbringsel aus dem Dschungel. Mein ganzer Körper juckt. Ich habe aufgehört, die Stiche zu zählen, aber es müssen locker über 30 sein.

Wir warten insgesamt gut zwei Stunden, bevor es endlich losgeht. Je mehr Zeit vergeht, desto gereizter werde ich. Aber das nennt man wohl malaysische Pünktlichkeit. Und an meiner malaysischen Gelassenheit muss ich noch etwas arbeiten.

Das Schnorcheln ist der Wahnsinn. Wir steuern insgesamt fünf Stopps an. Überall wunderbare bunte Fische und Korallen. Am letzten Stopp sehen wir sogar einen kleinen Black Tip Hai. Ungefährlich für Menschen, aber im ersten Moment rutscht einem doch das Herz in die Hose. Schließlich sieht das Tier immer noch aus wie eine Miniversion vom weißen Hai und umkreist uns, als ob er eine Attacke auf uns plant. Am Ende traue ich mich aber sogar, dem Hai hinterher zu Schnorcheln.

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Als wir eine riesige Qualle ein paar Meter weiter entdecken, bekommen wir dann doch etwas Bammel. Und riesig bedeutet, dass die Tentakel locker mehrere Meter lang waren. Ob die Qualle giftig war oder nicht, wissen wir nicht. Aber wir haben schleunigst eine 180 Grad Wende gemacht. Gut so, denn im quallenfreien Gewässer haben wir ihn dann gefunden: Clownfisch Nemo!

Am letzten Halt entdecken wir auch einen Stachelrochen. Der ist definitiv gefährlich. Wer sich dran erinnert: Crocodile Hunter Steve Irwin starb Anfang 2000 durch eine Attacke eines Stachelrochens.

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Morgen geht es dann um sieben Uhr mit der Fähre zurück nach Mersing und dann weiter nach Singapur. Hier wollen wir zwei Tage bleiben. Nun heißt es, noch die letzten Stunden im wunderschönen Tekek (trotz Mückenstiche und kleinem Sonnenbrand vom Schnorcheln) zu genießen. Das Bier ist hier übrigens fast günstiger als Wasser.

Processed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetbis bald charlotte

 

#19 Kuala Lumpur: Man schwitzt und Essen brennt zweimal

Anstatt wie geplant über London und Muskat (Oman) nach Kuala Lumpur zu fliegen, habe ich unfreiwillig den Direktflug von Amsterdam nach Kuala Lumpur nehmen müssen (KLM Royal Dutch Airline hatte den Flug von Amsterdam nach London kurzerhand gestrichen). Naja, der Direktflug bedeutete weniger Umsteigen und ziemlich genau fünf Stunden Zeitersparnis, sodass ich tatsächlich fast zeitgleich mit Lotti in Malaysia gelandet bin. Da sag ich doch nicht nein, auch wenn der erste Schock über meinen gestrichenen Flug groß war. Nun starte ich also auch in unser weit-weg-Abenteuer und sitze jetzt bereits an meinem ersten Blogartikel über unsere drei Tage in der Hauptstadt Malaysias.

Lotti hat ein goldenes Händchen bei der Auswahl der Unterkünfte, das hat sie sofort in Kuala Lumpur unter Beweis gestellt. D´Majestic bietet luxuriöse residences, und so finden wir uns bei tropischen Temperaturen ziemlich schnell im Infinity Pool auf dem Dach des zwanzig-stöckigen Hochhauses wieder. Den Abend runden wir mit Pestonudeln ab (die ich zollfrei auf Lottis Wunsch hin aus Deutschland importiert habe).

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Kuala Lumpur, von den Einwohnern einfach nur KL genannt, ist ein bunter Mischmasch aus allen erdenklichen Kulturen. Am häufigsten sind Muslime vertreten und so stolpern wir nach dem Aussteigen aus der Metro in die älteste Moschee Malaysias (Masjid Jamek, erbaut 1908). Lotti trägt plötzlich Hijab und ich muss meine Knie mit einem Herrenrock bedecken. Ein freundlicher Mann in der sehr schönen, schlichten Moschee erklärt uns unter anderem, dass Muslime keine Abbilder Gottes, keine Apostel oder keine Statuen anbeten, sondern direkt zu Gott. Das war mir so auch noch nicht bewusst. Wir lernen von diesem Mann noch viel mehr über den Islam und ich bin über die vielen Gemeinsamkeiten zum Christentum überrascht. An einem Bildschirm zeigen verschiedene Uhren alle Gebetszeiten an, das Mittagsgebet wird schon vorbereitet. Wir werden gebeten, doch ein paar Fotos zu machen. So offen habe ich den Islam noch nicht kennen gelernt.

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Die Freundlichkeit der Malaysier begegnet uns vielerorts. Mal wird mit einem Pflaster ausgeholfen (ich habe mir den Zeh am Straßenrand blutig gestoßen), oder es wird nett, aber nicht aufdringlich auf eine Ausstellung hingewiesen. In dieser Expo erfahren wir unter anderem, dass man bald (2026) mit einem Schnellzug von KL nach Singapur fahren kann.

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Der Bird Park (das weltweit größte Freifluggehege) ist ein kleiner Reinfall. Es mag vielleicht schön darin sein und exotisches Federvieh geben, für uns ist er aber eindeutig zu teuer. Der lange Fußmarsch dorthin war also umsonst, wir kommen halb um vor schwüler Hitze und sind irgendwie froh, als es ganz leicht anfängt zu regnen. Ein Grab Taxi bringt uns super günstig nach China Town. Grab ist eine App, mit der man private Fahrer anheuern kann und man zahlt einen vorher für die Strecke festgelegten Preis. Deutlich günstiger als das normale Taxi, bei dem man sowieso immer Gefahr läuft, als Tourist über den Tisch gezogen zu werden. Zu zweit ist es fast so günstig wie Metro fahren.

Als wir China Town betreten, hätten wir auch in jeder anderen Stadt in China Town sein können. Alles ist Ramsch, billig, es blinkt und glitzert, T-Shirts sind mit komischen Sprüchen bedruckt, das Bayerntrikot bekommt man fast geschenkt (is original, my friend!) und wir sollen nur looki looki machen, very cheap! Ich suche nach einer neuen Hülle für mein iPhone und möchte sichergehen, dass diese auch das Display am Rand umschließt. Der Preis steht nach kurzem Handeln und ich frage: „Can I try first?“ Schließlich war die Handyhülle noch in der Verpackung. „Can you pay first?“ ist die stumpfe Antwort und ich ziehe erfolglos weiter. Ich werde am Tag darauf in einer Shoppingmall noch viele Hüllen ausprobieren können und eine passende finden.

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Der Hunger wächst bei uns beiden und so beschließen wir, in einem Food-Court auf den billigen Plastikstühlen Platz zu nehmen. Lotti bestellt eine Suppe, die nur ein wenig scharf sein soll. Ich bestelle asiatische Nudeln, no spicy! Die Nudeln kommen und sind unfassbar scharf. Ich leide, gebe mich aber tapfer. Viel später kommen… nochmal Nudeln. Die sehen eher so aus wie die, die ich eigentlich bestellt habe und dann wird uns erklärt, dass ich die ganze Zeit die von Lotti bestellte „Suppe“ esse. Wobei von essen kaum die Rede sein kann, meine Stirn glänzt vor Kampfschweiß und die große Wasserflasche ist halbleer. Es bleibt die Erfahrung, dass malaysisches Essen richtig scharf sein kann und tatsächlich zweimal brennt, wie ich am Tag später leider feststellen muss. Wir finden noch einen Snack für Lotti und machen uns auf den Heimweg, um ein wenig in unserem luxuriösen Apartment zu entspannen. Und Schweiß, Staub und Sonnencreme von uns abzuduschen.

Am Abend ziehen wir trotz der schwülen Wärme lange Hosen, bessere Shirts und feste Schuhe an, denn ein Top-Tipp ist der Besuch einer Bar, die sich auf dem Dach eines Hochhauses befindet. Eigentlich ist so eine Rooftop-Bar ja nichts Besonderes, doch diese Bar wird jeden Abend auf dem Helikopter-Landeplatz aufgebaut. Die Plattform bietet – ohne gewissenhaft-deutsche Umzäunung – einen atemberaubenden Rundumblick auf die umliegenden Hochhäuser und den blinkenden Fernsehturm. Die Cocktails haben europäische Preise (und auch die Gäste sind oft aus Europa). Eines der Hochhäuser, die für KL berühmten Petronas Towers, besuchen wir später. Ich finde sie wirklich schön und einzigartig. Ein Grab Taxi bringt uns nach Hause und wir fallen K.O. ins Bett.

Processed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetTag zwei startet mit Toast and Juice zum Frühstück im gleichnamigen Restaurant gegenüber unserer Unterkunft. Genauso wie am Tag zuvor, denn es schmeckt unfassbar gut. Wie bekommt man nur so leckere Sandwiches belegt mit Salat, Ei und Kartoffelpuffern hin? Gestärkt für ein paar Stunden beginnt eine typisch touristische Stadtrundfahrt mit dem hop on/hop off Bus. Uns erscheint diese Methode, die Stadt zu erleben, mit Blick auf die extreme Hitze und die vielen Sehenswürdigkeiten, ziemlich sinnvoll. So werden uns also schön der Reihe nach sämtliche wichtige Gebäude, Moscheen, Hochhäuser, Märkte und Stadtviertel häppchenweise präsentiert. Wir steigen kurz am Königspalast aus und schießen in wenigen Minuten locker 30 Fotos. Voll touri-like!

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Der Chow Knit Market reizt uns, sodass wir an dieser Haltestelle (von insgesamt 23 Stopps) erneut aussteigen. Wir befinden uns in einem Viertel, in dem scheinbar die untere, ärmere Schicht der Gesellschaft KL´s wohnt. Nach etwa einer halben Stunde zu Fuß und dem Verlust von mindestens einem halben Liter Schweiß finden wir den Markt. Kuhfüße baumeln am Fleischstand herab, riesige Fische werden grob zerhackt und frisches Obst und Gemüse (so manches habe ich noch nie gesehen) stapelt sich auf den Auslagen. Es herrscht angenehmes Treiben, momentan ist auch wohl gerade Mittagszeit. Das melden auch unsere Mägen und wir steuern die nächste Fressbude an: günstiges, leckeres Essen, welches nicht touristisch überformt und westlich beeinflusst, sondern absolut lokal ist. Die Wasserreserven füllen wir mit dem süßen Wasser einer Kokosnuss, frisch aufgehackt natürlich.

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Es folgt ein absoluter Bruch: lokale Straßenbuden und billige Ramschläden werden durch Louis Vuitton, Rolex und Zara ausgetauscht. Hop on/hop off… andere Welt! Ziel ist eine riesige Shoppingmall, in der sich laut Lottis Recherche eine Achterbahn befinden soll. Gut, denke ich, vielleicht ein lahmer Abklatsch der wilden Maus auf deutschen Jahrmärkten. Nix da! Diese Achterbahn hätte gut und gerne im Heide Park Soltau stehen können. Die Achterbahn nimmt einen Teil der riesigen Berjaya Times Square Shoppingmall ein und fährt mit einem Looping, zwei Schrauben und ziemlich schnellen Abschnitten auf. Die drei Fahrten, die wir lösen, werden wir später definitiv nicht bereuen.Processed with VSCO with av8 preset

Mir fröstelt es in der klimatisierten Shoppingmall und wir machen uns auf den Weg zur Haltestelle unseres Busses. Der zwischenzeitlich starke Regen hat wieder aufgehört (und noch mehr Schwüle hinterlassen), jedoch setzt der Feierabendverkehr gerade voll ein. Für ein paar Hundert Meter brauchen wir mehr als eine halbe Stunde und wir beschließen, bis ins Stadtviertel Little India zu gehen (etwa anderthalb Kilometer). Ich habe dort ein vegetarisches, indisches Restaurant ausgemacht. Das Essen ist super und ich muss an Kaya Yanars Witze über Inder denken. Wir grabben uns ein Taxi und können noch in unserem Luxusapartment duschen und entspannen, bevor wir Richtung Busterminal aufbrechen, um den Nachtbus an die Ostküste Malaysias nehmen. Kuala Lumpur ist absolut einen Besuch wert!

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bis bald marius

#18 Nyaung Shwe: Kotzende Französinnen, Meditation und die Frage, warum es sowas nicht in Deutschland gibt

Nach einer etwas unruhigen Nacht in meinem Hostelzimmer (zwei Französinnen hatten offenbar einige Probleme mit ihrem Magen-Darm-Trakt), und der Erkenntnis, dass es in solch einer Situation sehr unangenehm ist, wenn der Eingang zum Bad direkt an dein Hostelbett grenzt, starte ich unausgeschlafen und früh in den Tag. Packen, auschecken und frühstücken bevor es um acht Uhr zur Tagestour losgeht. habe genau einen Tag am Inle See, und der muss ausgenutzt werden.

Meine Gruppe sammelt sich vor der Unterkunft. Vier sehr nette Mädchen aus Schottland, England und Kanada. Ich bin noch deutlich gezeichnet von der Nacht und der Kaffee hat noch nicht angeschlagen. Ich entschuldige mich für meine fehlende morgendliche Gesprächsbereitschaft und erkläre meine Situation. Jeder hat Verständnis.

Nachdem alle an Bord sind, geht die dreistündige Fahrt nach Sam Kar los. Im Hostel wurde diese Tour als die weniger touristische angepriesen. Ich bin gespannt, ob sich der weite Weg bis an die südliche Spitze des Inle Sees lohnt. Mein Reiseführer sagt, dass der See der zweitgrößte See in Myanmar ist. Von Nyaung Shwe bis zum südlichsten Zipfel sind es 22 Kilometer.

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Das Wetter ist ziemlich grau und durch den Fahrtwind ist es eisig kalt. Netterweise liegt auf jedem Stuhl eine Decke bereit. Die Berge sind noch komplett von Nebel bedeckt, und ich beschließe, ein kleines Nickerchen einzulegen. Zu sehen gibt es gerade sowieso nichts.

Nach anderthalb Stunden dann der erste Halt. Das Boot muss getankt werden. Überall auf und am See gibt es schwimmende Dörfer, in denen die Intha, die Einwohner des Inle Sees, wohnen. Das Benzin wird in abgefüllten Plastikflaschen verkauft.

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Je weiter wir uns von Nyaung Shwe entfernen, desto weniger Touristenboote begegnen wir und umso besser wird das Wetter. Auf der Fahrt sehen wir neben den schwimmenden Dörfern auch die schwimmenden Gärten der Intha. Da der See nicht gerade tief ist, sind viele Abschnitte bepflanzt. Wir kommen sogar an einem schwimmenden Feld voller Lotusblüten vorbei.

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Neben zwei Klosteranlagen schauen wir uns eine Töpferei und eine Reisweinfabrik an. Nichts, was ich nicht schon gesehen habe, aber es gibt gratis Reiswein, die Natur ist wunderschön und die Mädels sind gute Gesprächspartner. Zudem treffen wir unterwegs immer wieder auf Boote, die randvoll mit burmesischen Familien gefüllt sind. Jedes Mal wird uns wie wild zugewunken. Und jedes Mal kann ich es nicht fassen, in so viele freudenstrahlende Gesichter zu blicken.

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An der Töpferei schenken uns Kinder Lotusblüten. Wir bringen ihnen High Five bei und klatschen jedes Kind zehnmal ab. Am Ende siegt trotz trauriger Kinderaugen der Zeitdruck – es ist bereits drei Uhr nachmittags, und wir (beziehungsweise ich) müssen zurück nach Nyaung Shwe. Mein Nachtbus geht um 19 Uhr, und den will nicht ich unbedingt verpassen.

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An der Bushaltestelle treffe ich eine Holländerin. Sie ist wie ich auf dem Weg nach Yangon, und will von dort aus den Flieger zurück nach Amsterdam nehmen. Sie erzählt mir, dass sie einen zehntägigen Meditationskurs hinter sich hat. Zehn Tage lang meditieren, von morgens fünf bis abends neun Uhr. Dazu absolutes Redeverbot und lediglich zwei Mahlzeiten am Tag. Meditiert wird nur im Sitzen. Die Holländerin gibt zu, dass sie während der Tage öfters übers aufgeben nachgedacht hat.

Mein Nachtbus ist diesmal noch luxuriöser als die Male davor. Hätte ich das Kapital, würde ich diese Dinger direkt in Deutschland einführen. Sitze, die man zu Liegen ausklappen kann, mit eigenem Monitor; dazu verschiedenen Snacks und Heißgetränke. Wir werden von einer männlichen Bus-Stewardess bedient, die sogar einen Anzug trägt. Bei der ersten Pause gibt es für jeden eine Zahnbürste und Zahnpasta. Was ein Service.

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Nichtsdestotrotz täuscht die Ausstattung des Buses nicht über den schlechten Zustand der Straßen im Hinterland von Myanmar hinweg. Die Holländerin und ich haben die letzte Reihe im Bus erwischt. Jedes Schlagloch fühlt sich hier doppelt so schlimm an und ich bereue es, meine Reisetabletten nicht griffbereit zu haben. Die ersten zwei Stunden ist mir speiübel und es kostet mich jegliche Konzentration, die Kontrolle über meinen Magen zu behalten. Im Sitz vor mir steckt die Kotztüte (die netterweise bereitgestellt wird) schon griffbereit. Je weiter wir Richtung Yangon kommen, desto angenehmer wird die Fahrt, und ich kann gegen Mitternacht endlich einschlafen. Am frühen Morgen kommen wir in Yangon an und geht es für mich direkt weiter zum Hostel. Hier werde ich noch eine Nacht verbringen, bevor es morgen früh nach Kuala Lumpur weitergeht und ich endlich Marius wieder sehe. Auch wenn die letzten Wochen der Wahnsinn waren, kann ich es kaum erwarten, mit ihm zusammen weiterzureisen und gemeinsam Abenteuer zu erleben.

bisbald

#17 Kalaw: Wann sind wir endlich da?

Tag 1

Um kurz nach acht werde ich abgeholt. Am Frühstückstisch habe ich mich noch mit einem älteren deutschen Pärchen ausgetauscht, dass heute auch mit der Wanderung beginnt. Während wir vor unserem Hotel auf den Pickup warten, taped sich die Frau ihre Zehen. Eine clevere Idee, wie ich einige Stunden später schmerzhaft feststellen muss.

Mein Fahrer bringt mich zum nächsten Hotel. Dort treffe ich auf meine Wandergruppe. Sechs Tschechen und ich, dass wird spaßig. Nach kurzem Smalltalk erfahre ich, das Libol, Daniel, Martin und Anna Ärzte sind. Martin sogar für Infektionskrankheiten. Jackpot! Mir kann also während der Wanderung nichts passieren.

Um neun Uhr beginnt die Wanderung. Unser Führer Situ ist noch relativ jung (22 Jahre), bestätigt uns aber, dass er bereits sechs Jahre als Führer in Kalaw arbeitet. Für heute sind 22 Kilometer geplant. Das erste Stück bis zur Mittagspause geht stetig bergauf. Vorbei an Bananen- und Avocado-Plantagen. Der Schweiß perlt von meiner Stirn, und ich krame mein Bufftuch heraus. Die Aussicht ist der Wahnsinn, und die Wege noch gut instandgehalten. Wir kommen zügig voran. Um 11 Uhr erreichen wir bereits unser Restaurant fürs Mittagessen. Situ sagt, wir seien etwas zu schnell gelaufen. Nach und nach trudeln die nächsten Wandergruppen ein. Ich nutze die Zeit, um einige Panoramafotos zu schießen. Die Natur ist einfach wunderschön. Zum Mittagessen gibt es indisch. Dazu meine erste Guacamole seit Wochen. Was eine Geschmacksexplosion. Meine Gruppe und ich sind uns einig, dass wir nicht mit so gutem Essen gerechnet hätten. Ich erzähle ihnen von den zwei Quechua-Französinnen, die ich in Battambang getroffen hatte, und ergänze, dass ich die Tschechen bislang deutlich sympathischer finde. Die Franzosengeschichte wird zum Running Gag des Tages.

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Um halb zwei geht es weiter. Nach kurzer Zeit setzt Regen ein. Ich krame hocherfreut meinen Plastikponcho aus meinem Rucksack, den ich an meinen Einführungstagen in Rotterdam geschenkt bekommen hatte. Er ist doch noch von Nutzen. Der Regen wird stärker, und wir machen eine Teepause an einem kleinen Imbiss. Zuvor sind wir bereits durch ein Dorf gelaufen, in dem wir die verschiedenen Prozesse der Teeproduktion gesehen haben.

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Der Regen wird weniger und die Stimmung bessert sich langsam wieder. Martin spielt Lemon Tree auf der Gitarre des Imbissbesitzers. Alle Burmesen klatschen begeistert Applaus, aber es bleibt bei einem Song.  Wir brechen wieder auf. Für den Tee und die Bananenchips müssen wir nichts bezahlen. Was eine Gastfreundschaft.

Ein Teil der nächsten Etappe laufen wir über Bahngleise. Wir fragen Situ, ob wohl ein Zug kommen könnte, aber er lacht nur.  Langsam schmerzt mein rechtes Knie und ich ahne, dass ich eine Blase am rechten Zeh bekomme. Ich denke an die tapende Deutsche von heute morgen zurück. Die Bahngleise wollen nicht enden. Um mich abzulenken, unterhalte ich mich mit Daniel. Er arbeitet seit zwei Jahren in Essen in der Kinderklinik. Gerade ist er auf der Frühchenstation tätig. Ich löchere ihn mit Fragen und er mich. Ich erfahre, dass das Leben als Assistenzarzt kein Zuckerschlecken ist. Er will trotzdem in Deutschland bleiben. Vielleicht nicht unbedingt in Essen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir den Bahnhof von Myindaik. Am Gleis empfängt uns eine Hündin mit riesigem fleischigen Tumor am Hintern. Die Ärzte unter uns diskutieren, ob es sich um einen herausgestülpten Uterus handelt. Es soll nicht der einzige kranke Hund in diesem Dorf sein. Nach 200 Metern sehen wir einen kleinen Welpen, der offensichtlich ein gebrochenes Rückgrat hat. Seine Hinterbeine schleifen auf dem Boden, und ich frage mich, wie lange er wohl noch überlebt. Tier- und Umweltschutz können sich halt nur die reichen Industrieländer leisten.

Die letzten Kilometer muss ich die Zähne zusammenbeißen. Die Blase schmerzt immer mehr. Es geht weiter rauf und runter, und die Wege werden immer schlechter. Die letzten hundert Meter zur Unterkunft versinken wir dann fast im Schlamm. Mir fällt ein Stein vom Herzen, als Situ auf die Unterkunft zeigt. Nach einer kurzen Rundführung entscheide ich mich, von der Dusche Gebrauch zu machen. Die anderen lassen mich dankend als erste gehen, und scheinen vom Gedanken einer Eimerdusche noch nicht so angetan zu sein. Mir ist in diesem Moment alles egal, das einzige Ziel ist es, den zentimeterdicken Schweiß von meiner Haut abzuwaschen. So kalt ist das Wasser gar nicht. Nach der Dusche fühle ich mich wie neugeboren. Clara sagt, dass ich ganz schön mutig bin. Aber jetzt trauen sich auch die anderen unter die Dusche. Schließlich will heute Nacht keiner die stinkende Person in unserem Schlaflager sein.

Unsere Handys zeigen an, dass wir lediglich 17 Kilometer gelaufen sind. Darauf angesprochen erklärt Situ, die Handymessung wäre nicht genau. Wir geben die Diskussion auf und wollen abwarten, wie viel wir morgen wandern werden. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mit meiner Blase keinen Meter hätte weiterlaufen können.

Um die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken (wir waren laut Situ schon wieder zu schnell), bringt uns die Besitzerin Chips und wir öffnen die ersten Bierflaschen. Langsam wird es kälter, aber der Alkohol wärmt und unterdrückt mein Hungergefühl. Ich lerne, was Bier und Prost auf Tschechisch heißt und das Nomen im Tschechischen dekliniert werden. Darum heißt Clara Claro, wenn man sie direkt anspricht. Die Gesprächsthemen kreisen um Medizin und Politik.

Um kurz nach sechs gibt es Abendessen. Es werden Massen an Essen aufgetischt, und man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Verschiedene gebratene Gemüsesorten, Curry und sogar süße Nusskekse. Wir essen bis zum Umfallen. Dann setzt die Müdigkeit ein. Zum Glück gibt es in der Unterkunft ein Kartenspiel. Aber ich merke schnell, dass ich gegen die Tschechen keine Chance habe. Auch Situ verliert kläglich. Trotzdem schenkt er uns weiter burmesischen Rum ein.

Das Toilettenhäuschen ist im Dunkeln nicht mehr so einladend, und ich beschließe, meinen Bierkonsum zu stoppen, sodass ich nicht mitten in der Nacht auf Toilette muss. Meine 7,99 € Stirnlampe von Decathlon ist mal wieder jeden Cent wert. Nach zwei weiteren Spielen, die ich verliere, ist es 9 Uhr und Clara, Vendula und ich beschließen, schlafen zu gehen. Keine Minute im Bett (eine dünne Matratze auf einem Holzpodest), und ich schlafe bereits wie ein Stein. Was ein anstrengender erster Tag!

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Tag 2

Wir werden in elterlicher Manier aus dem Schlaf gerissen. Um kurz nach sieben kommt die Besitzerin in den Raum und reißt die Türen auf. Die Familie, der die Hütte gehört, schläft im Nebenraum. Unser Koch und Situ haben in der Küchenhütte genächtigt.

Bevor es an den Frühstückstisch geht, verarzte ich noch meine Blase. Drei Pflaster, das sollte für die heutige Etappe reichen. Laut Situ sind heute 26 Kilometer geplant. Mein Körper wehrt sich schon jetzt. Jeder Muskel schmerzt und ich humple zum Frühstückstisch. Gebratener Reis, Bananenbrot und verschiedene Sorten an Obst. Mit Blick auf die heutige Distanz esse ich so viel wie möglich und packe mir noch eine Notfallbanane ein. Ich werde sie brauchen.

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Um 9 Uhr geht es los. Ich habe vorher noch versucht, meine Schuhe von Schlamm zu befreien. Vergeblich, und wie sich nach kurzer Zeit herausstellt, eine reine Zeitverschwendung. Die ersten drei Kilometer der Wanderung sehe ich nichts als Schlamm. Jetzt heißt es, nicht hinzufallen und trockenen Fußes weiterzukommen. Ich höre auf, die Male zu zählen, in denen es mich fast hinlegt. Ich wünsche mir richtige Wanderschuhe mit gutem Profil herbei, und denke wieder zurück an das gutausgestattete Pärchen aus meinem Hotel in Kalaw.

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Unser Endgegner am frühen Vormittag: eine schlammige Böschung. Clara rutscht aus, kann sich aber noch mit den Händen abfangen. Ihre gelbe Hose bleibt gelb, aber ihre Miene verrät, dass ihre Laune nicht unbedingt die Beste ist. Situ versichert uns, dass es ab jetzt einfach wird. Wir laufen weiter, und sind umgeben von Feldern. Reisfelder, Kornfelder, Maisfelder, Chilifelder, Kohlfelder, Sesamfelder. Ich sehe, wie die Felder ohne jegliche Maschinen bewirtschaftet werden. Das Wort Ackerei ist hier wörtlich zu nehmen. Wie es hier wohl in ein paar Jahren aussehen wird? Werden dann vielleicht die ersten Familien Maschinen besitzen?

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Um kurz nach 12 eine kurze Pause. Die Puste ist raus. Ich teile meine verbliebenen Dextro Energy mit allen, in der Hoffnung, es erleichtert die restliche Strecke bis zum Mittagessen. Obwohl die Landschaft wunderschön ist, konzentriert sich meine ganze Aufmerksamkeit ans weiterlaufen. Nach einer halben Stunde bergauf erreichen wir endlich die Familie, bei der wir zu Mittagessen werden. Wir dürfen im größten Raum des Hauses Platz nehmen. Eine Cola erleichtert die ersten Minuten bevor das Essen fertig ist. Es gibt gebratene Nudeln, eine scharfe Suppe und wieder eine riesige Schüssel Guacamole. Dazu Wassermelone und Mandarinen. Situ eröffnet uns, dass wir zwei Stunden Mittagspause machen. Zeit genug also, um einen kleinen Powernap einzulegen.

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Die Pause tat gut, aber umso schwieriger ist es, jetzt wieder die Motivation für die verbleibenden zehn Kilometer zu finden. Zumindest wird mein steifer Körper nach wenigen Minuten wieder warm und die Schritte fallen mir leichter. Jeder stöhnt, aber keiner jammert. Selbst Daniel, der dank riesiger Blasen an beiden Fersen am meisten zu kämpfen hat, humpelt verbissen weiter, ohne mit der Wimper zu zucken. Mir gefällt das Durchhaltevermögen unserer Gruppe. Die Tschechen sind hart im Nehmen. Ich unterhalte mich mit Martin über Parasiten und was mich hier wohl am ehesten umbringen kann. Da wir gestern Abend schon meine Impfhistorie durchgegangen sind, bleibt laut Martin alleinig Malaria übrig. Aber Malaria bringt dich in Asien nicht um, versichert Martin mir. Während ich gedankenverloren nach meiner Trinkflasche krame, trete ich in ein riesiges Schlammloch. Mein rechter Schuh ist komplett verschlammt. Zumindest sind meine Füße trocken geblieben. Zum Ärgern bleibt keine Zeit. Meine Schuhe müssen nach diesen drei Tagen eh gewaschen werden.

Auf dem Weg treffen wir wieder auf einige Trekkinggruppen und machen eine kurze Pause. Der Ausblick ist wunderschön. Situ versichert, dass wir nur noch gut 30 Minuten vor uns haben. Ein Lichtblick am Ende des Tunnels. Wir schöpfen alle neuen Mut und kämpfen uns durch Äcker und den letzten Hügel hinauf. Erste Häuser signalisieren, dass wir es fast geschafft haben. Um kurz vor fünf betreten wir dann den Bauernhof von Frau Mi, bei der wir heute schlafen werden. Insgesamt sagt mein iPhone, dass wir 19 Kilometer gelaufen sind. Das sind wieder deutlich weniger als von Situ prognostiziert, aber diesmal störe ich mich nicht daran. Mein erster Weg verschlägt mich wieder Richtung Dusche. Diesmal bietet die Eimerdusche weniger Sichtschutz, und ich entscheide, in der Hocke zu duschen. Das funktioniert auch, ist aber weniger bequem.

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Wieder ist das Bier die erste Nahrung, die wir zu uns nehmen. Unser Koch übertrifft sich mit dem Abendessen mal wieder selbst. Wobei mein ausgelaugter Körper in dieser Situation wahrscheinlich alles gegessen hätte. Während sich in meinem linken Bein ein Krampf ankündigt, diskutieren wir wieder über Politik. Die Fronten verhärten sich, und mein linkes Bein auch. Martin lockert die Stimmung mit der Gitarre des Kochs. Wir singen Wonderwall und ich versuche mich an Juli. Keiner kennt die Band. Wieder geht es für mich um 9 Uhr ins Bett, und ich hoffe, dass es meinem linken Bein morgen bessergeht.

 

Tag 3

Ich werde automatisch um 7 Uhr wach. Der letzte Tag, die letzten 16 Kilometer (laut der Prognose von Situ). Mein Körper scheint sich an die Belastung gewöhnt zu haben. Der erste Weg zum Toilettenhäuschen verläuft problemlos.

Am Frühstückstisch ist die Stimmung sehr ruhig. Jeder bereitet sich in Gedanken auf die letzte Etappe vor. Heute wandern wir nur vormittags bis zum Rand des Inle Sees. Den Rest der Strecke nach Nyaung Shwe legen wir nach dem Mittagessen mit dem Boot zurück. Es gibt gefüllte Pfannkuchen mit Schokolade und Rosinen. Ich habe das Gefühl, das Essen wird jeden Tag besser.

Der heutige Wanderweg gleicht eher einem Pilgerweg. Es sind viele Trekkinggruppen unterwegs. Situ erzählt, dass viele Touristen nur einen oder zwei Tage wandern. Tatsächlich sehen viele Wanderer, die wir überholen, deutlich gepflegter aus als ich. Teilweise laufen Leute in profillosen Sneakers herum und ich sehe mehrere Asiaten, die etwas zu tief in den Schminktopf gegriffen haben. Am ersten Tag hatte Situ erzählt, dass Asiaten meist am dritten Tag aufgeben.

Nach zwei Stunden gibt es eine kurze Pinkelpause und für jeden einen Softdrink zur Stärkung. Danach folgt der Abstieg. Abgesehen vom Schlamm des zweiten Tages ist dieser Teil der Strecke tatsächlich der Anspruchsvollste. Es geht nur langsam voran und teilweise staut es sich sogar. Nach kurzer Zeit ist der Grund ausgemacht – eine Wanderin, die einen Arm in einer selbstgebastelten Schlinge trägt. Ich frage mich, warum sie nicht auf ein Motorrad umsteigt und sich die einhändige Kletterpartie antut. An einem Checkpoint schenken uns Kinder Blumen – für mich fühlt es sich wie eine Medaille an.

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Runter ist genauso anstrengend wie hinauf. Ich muss auf jeden Schritt achten und frage mich, wie lange wir wohl noch unterwegs sind. In der Ferne ist bereits deutlich der See zu erkennen. Es geht weiter über glitschige Steine. Wir überholen das deutsche Pärchen aus meinem Hotel in Kalaw. Diesmal reicht es nur für ein lächelndes Hallo. Sie sehen nicht so fertig aus wie ich.

Situ ruft, dass es nur noch fünf Minuten bis zum Restaurant sind. Inzwischen laufen wir durch einen Bambuswald. Wieder bin ich erstaunt, wie schnell die Landschaft sich ändern kann. Für Flora und Fauna-Liebhaber ist diese Wandertour auf jeden Fall sehr zu empfehlen. Wir alle schleppen uns die letzten Meter bis zum Ziel. Mittagessen. Pause. Wir verabschieden uns von Situ und dem Koch (dessen Namen ich leider vergessen habe), und zum ersten Mal gebe ich Trinkgeld. Situ hat wirklich einen großartigen Job geleistet, unsere Fragen zu beantworten (Wie lange noch?), uns zu motivieren (Wie weit noch?), und uns mit nur wenigen Blessuren ins Ziel zu bringen.

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Heute sind wir tatsächlich die angepeilten 16 Kilometer gelaufen. Vielleicht war meine GPS-Messung die letzten Tage tatsächlich falsch, und ich habe die kompletten 65 Kilometer absolviert. Vielleicht auch nicht. Wie auch immer, es war schön, aber auch schön anstrengend. Zum Schluss frage ich Situ, ob er schon einmal Leuten abgeraten hat, die 3-Tage-Wanderung zu buchen. Er sagt nein. Es kommt immer auf die eigene Selbsteinschätzung an.

bisbald

#16 Hsipaw: Landluft, Einzelzimmer und Straßenhunde

Nach einem anstrengenden Tag in Mandalay und einer sehr kurzen Nacht ging es um drei Uhr morgens Richtung Bahnhof. Von dort aus sollte um vier Uhr morgens mein Zug nach Hsipaw starten. Am Vortag hatte ich bereits mein Ticket für 1,700 Kyat gekauft. Umgerechnet waren das ein Euro und acht Cent für eine 13-stündige Zugfahrt in der Holzklasse (Ordinary Class). Da mir viele berichteten, dass sich die 2,000 Kyat mehr für die Upper Class nicht lohnten, ging ich das Risiko von unbequemen Sitzmöglichkeiten und ekeligen Toiletten ein, und erhoffte mir dadurch, dass ich somit vielen Touristen – die lieber die höhere Klasse buchten – ausweichen könnte (denn die Zugstrecke Mandalay – Hsipaw gehört zu einer der beliebtesten Touristenstrecken in Myanmar).

Der Weg zum Bahnhof erwies sich als bislang riskantestes Erlebnis meiner Reise. Durch das Hostel und Mr. Si gewarnt, dass man sich in Acht vor etwaigen Straßenhunden nehmen sollte, stampfte ich zusammen mit einem Dänen (der dasselbe Ziel hatte wie ich) aus meinem Hostel um kurz nach drei Richtung Hauptbahnhof los. Knappe 700 Meter, die schnell und einfach zu bewältigen sein sollten. Nach 200 Metern der erste Kontakt mit einer Gruppe von Hunden, die sich sehr angriffslustig in den Weg stellten. Unsere Taktik: Schnell umdrehen und die Richtung wechseln. Nach einiger Zeit, unzähligen Begegnungen mit bellenden Hunden und mehreren Kehrtwendungen sahen wir beide uns schon mit Bisswunde im nächsten Flieger nach Bangkok (da wir davon ausgingen, dass Tollwutmedikamente nicht unbedingt in Myanmar verfügbar seien, und der Luftweg nach Bangkok wahrscheinlich auch noch deutlich schneller sei als die 13 Stunden Busfahrt nach Yangon). Auch wenn ich froh war, bereits gegen Tollwut geimpft zu sein, und damit etwas höhere Überlebenschancen besaß als meine dänische Reisebegleitung, konnte ich dennoch nicht sagen, wem von uns an diesem Morgen das Herz weiter in die Hose rutschte. Nach einer halben Stunde gesellte sich zur panischen Angst vor einem Hundebiss auch noch der Zeitdruck dazu. Wenn nur einmal am Tag ein Zug fährt, kann da schon mal Stress entstehen. Ich kann euch eins sagen: Stress und Angst sind keine gute Kombination. Aber die Kombi sorgte dafür, dass wir trotz Müdigkeit, Hunger und schwerem Gepäck nicht aufgaben und um zehn vor vier endlich vorm Hauptbahnhof standen, eingehüllt in (Angst)Schweiß und mit einem Puls von 300.

Für den Rest der Reise habe ich beschlossen, mir nachts, egal wie kurz die Distanz auch sei, ein Taxi zu nehmen. Der Däne übrigens auch. Sein Lieblingssatz während unseres 50-minütigen Zickzacklaufs: „I hate these fucking dogs, man, I’m so fucking scared“.  Das konnte ich genauso unterschreiben.

Nun zur Zugfahrt. Vier Uhr ist vielleicht nicht die angenehmste Uhrzeit um eine Zugfahrt zu starten, aber zumindest saß ich gegenüber einer netten Schweizerin und hatte eine Holzbank für mich alleine. Die ersten Stunden war es relativ frisch, und ich war froh, meine Jacke eingepackt zu haben (die ich übrigens zum ERSTEN Mal benutzt habe). Trotz Kälte und harter Holzbank schaffte ich es irgendwie, in Embryohaltung einigermaßen gemütlich zu schlafen. Ich muss sogar gestehen, dass das Schunkeln des Zuges aktiv zu meinem Tiefschlaf beigetragen hat. Nach mehreren kleineren Stopps an Bahnhöfen (an denen ich mich mit Verpflegung versorgen konnte) kam zur Mittagszeit dann das Highlight der Zugstrecke: Die Überquerung der höchsten Eisenbahnbrücke in Myanmar, der Goteik Viadukt. Ganz schön hoch das Ding. Die Landschaft drum herum – ein wunderschöner Mix aus Bergen, Feldern und kleinen Dörfern – konnte sich sehen lassen. Eigentlich kam ich während der ganzen 13-Stunden Fahrt nicht aus dem Staunen heraus (na gut, ausgenommen in der Zeit, wo ich schlief). Dennoch war gerade mein Sitzfleisch froh, als wir um kurz vor fünf endlich in Hsipaw ankamen. Eine Holzbank ist halt doch kein Kinosessel.

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Im Hotel angekommen, die überraschende Nachricht – ich hatte ein Zimmer nur für mich! Wahrscheinlich habe ich bei meinen ganzen Buchungen irgendwas durcheinandergebracht. Ich war eigentlich davon ausgegangen, die nächsten zwei Tage wieder in einem Schlafsaal zu verbringen. Stattdessen bekam ich für 13 Dollar die Nacht ein riesiges altrosa gefliestes Zimmer mit eigenem Bad. Manche Leute würden das Dekor vielleicht als hässlich beschreiben, aber ich kam mir in diesem Moment vor wie in einem Luxushotel. Keine schnarchenden Zimmergenossen, keine unangenehmen Gerüche und vor allem – kein Lärm.

Am nächsten Tag stand ich nur zum Frühstück um halb neun auf und legte mich danach erst einmal wieder ins super gemütliche Bett. Mittags lieh ich mir dann ein Fahrrad vom Hotel und erkundete ein wenig die kleine Ortschaft. Es gab viele Restaurants und Teestuben, süße Cafés am Flussufer und einen großen Markt. Hier schlenderte ich kurz rüber und fragte an einer Schneiderei, ob sie meine Jeansshorts, die ich mir in Bangkok gekauft hatte, am Bund etwas enger nähen könnten (in Zeichensprache natürlich). Zwei Minuten später hatte die Frau bereits ihren ersten Stich gesetzt und nähte munter (auf ihrer sehr altmodischen Nähmaschine) drauf los. Nach wenigen Minuten hielt sie mir meine Hose stolz vor die Nase und ich holte meinen Geldbeutel raus, um zu bezahlen. Sie winkte dankend ab, und ich wurde abermals davon überzeugt, dass die Burmesen das absolut allernetteste Volk auf diesem Planeten sind. Oder zumindest gemessen an den Ländern, die ich bereits besucht habe.

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Da ich am nächsten Nachmittag bereits den Nachtbus nach Kalaw nehmen wollte, entschied ich mich, am nächsten Tag etwas früher aufzustehen und noch eine kleinere Wanderung zum nächstgelegenen Wasserfall zu unternehmen. Vorbei an Feldern, einem Friedhof und einer Müllkippe (hier hat man doch wieder einmal gesehen, dass Myanmar ein Entwicklungsland ist) ging es gemütliche sechs Kilometer zum Nam Tuk Wasserfall. Wer gute Augen hat, findet ihn auf zwei der Bilder. Der Wasserfall war hübsch anzusehen, aber mich faszinierte eigentlich mehr das, was ich auf dem Weg dorthin sah. Feldarbeit, wunderschöne Natur und ein paar Rinder, die im nahgelegenen Bach eine kurze Abkühlung genossen. Auch wenn Marius scherzhaft meinte, was ich denn in diesem Kaff wollen würde, bin ich sehr froh, an den für Touristen nördlichsten Punkt in Myanmar gefahren zu sein. Endlich mal keine Großstadt, kein Halli Galli und ganz viel Natur. Dazu noch gutes Essen (da Hsipaw im nördlichen Shan-Staat liegt, habe ich hier größtenteils nur Shan Nudeln gefuttert), ein ruhiges Hotel und eine ersehnte Pagodenpause. Was will man mehr?

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Am späten Nachmittag ging es dann mit dem Nachtbus ins 230 Kilometer entfernte Kalaw, das im südlichen Shan-Staat liegt. Die Bustour verlief relativ entspannt, und dank meines Lagenlooks und meiner Mütze (die ich leider im Bus liegen ließ) habe ich zum ersten Mal nicht gefroren. Um vier Uhr morgens weckte mich der Busfahrer unsanft aus meinem sehr tiefen Tiefschlaf und es ging in meine nächste Unterkunft. Auch wenn ich erst für die darauffolgende Nacht ein Zimmer gebucht hatte, durfte ich netterweise im Nebenhaus bei den Angestellten in einem kuscheligen Bett weiterschlafen. Ohne extra Aufschläge, versteht sich. Sogar Frühstück habe ich heute bekommen und bin danach in mein richtiges Zimmer umgezogen.

Hauptziel war heutig übrigens die Buchung einer Trekkingtour (Trekking ist hier ein cooleres Wort für Wandern) für die nächsten drei Tage. Mit A1 Trekking werde ich ab morgen also 65 Kilometer bis zum Inle See (meiner letzten Station in Myanmar) wandern. Jeden Tag um die 20 Kilometer mit lokalen Führern, die für mich und meine Wandergruppe kochen. Schlafen werden wir bei burmesischen Familien. Da es auf den Bildern nicht so aussah, als hätten die Betten ein Moskitonetz, habe ich schon mal meinen Vorrat an Mückenspray aufgestockt und bin froh, die 193,60 € für die Impfung gegen japanische Enzephalitis ausgegeben zu haben. Mein Tagesrucksack ist für drei Tage gepackt und ich denke, ich bin (hoffentlich) auf jede erdenkliche Situation vorbereitet. Mein Backpack wird netterweise direkt zum Inle See gebracht. Die 65 Kilometer werden also mein letztes großes (physisches) Abenteuer, bevor ich Marius endlich wiedersehe. Ich bin mir noch nicht so sicher, wie stark die körperliche Belastung ist, aber ich gehe davon aus, dass die Wanderung an sich nicht so anspruchsvoll sein wird. So hohe Berge gibt es hier nämlich nicht. Dennoch, 20 km am Tag werden wahrscheinlich auch kein Zuckerschlecken. Aber darüber werdet ihr dann im nächsten Bericht erfahren.

bisbald

#15 Mandalay: deutsche Privilegien, ein Kokosnussdonut und die längste Teakholz-Brücke der Welt

Von Bagan ging es gestern um fünf Uhr morgens Richtung Mandalay, und damit in die zweitgrößte Stadt Myanmars. Mein Verkehrsmittel diesmal: das Schiff. Für 32 US-Dollar versprach die 10-Stunden Fahrt gute Verpflegung und eine tolle Aussicht auf den Irawadi-Fluss. Die Wahrheit nach meiner Ankunft in Mandalay: Weder die Aussicht, noch die Verpflegung haben mir in irgendeiner Weise zugesagt. Dafür konnte ich dem Fakt, der einzige Passagier an Bord zu sein, sehr viel abgewinnen. Ich konnte viel versäumten Schlaf der letzten Tage nachholen, habe angefangen, meine Kamerabilder zu sortieren und natürlich den Blog auf den neusten Stand zu bringen. Das war in den vollgepackten Tagen in Bagan nämlich nicht möglich.

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Bereits abends am Hostel verabredete ich mich mit Mr. Si für eine Sightseeing-Tour am nächsten Tag in Mandalay und in der Umgebung. Für umgerechnet 13 Euro von Sonnenauf- bis untergang fand ich das einen durchaus gerechtfertigten Preis.

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Um 5.30 Uhr (früh aufstehen in Myanmar ist für mich bereits Normalität) ging es auf Mr. Sis Motorrad zur U Bein Bridge. Ich hatte gelesen (und das bestätigte mir Mr. Si auch am Abend zuvor), dass es an der Brücke zum Sonnenaufgang noch etwas ruhiger zugehe. Und was soll ich sagen: Bis auf die Mönche, die die 1,2 Kilometer lange Brücke überquerten, konnte ich nur eine Handvoll Touristen zählen, die sich zu dieser frühen Stunde aus dem Bett gequält hatten. Zusammen mit einer sehr netten Malaysierin (die mir bereits Tipps für Marius und meine Zeit in Kuala Lumpur gab) und zwei Franzosen (mit denen ich nicht ganz warm geworden bin) habe ich mir ein Boot geteilt, um auf die Mitte des Taungthaman Sees zu fahren. Von hier aus hatte man eine fantastische Aussicht auf die Brücke und den bevorstehenden Sonnenaufgang. Die Stille wurde lediglich vom Betelnusskauen unseres Ruderbootfahrers gestört. An die Kau- und Spuckgeräusche habe ich mich übrigens immer noch nicht gewöhnt, genauso wenig wie an die roten vor sich hin rottenden Münder vieler Burmesen. Mr. Si rauchte zum Glück nur und verfügte über ein strahlend-weißes Lächeln.

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Weiter ging es nach Sagaing, dass auf der anderen Seite des Irawadi liegt. Nach einem kurzen Frühstücksstop (Mr. Si lud mich auf Shan Nudeln ein, die getreu des Namens aus dem östlichen Shan-Staat kommen), ging es weiter zu zwei größeren Pagoden. Mr. Si erklärte mir, warum der Lucky Buddha elf Finger besitzt und ich spendete 30 Cent an die Vergoldung der Buddha-Statue, da noch niemand am Eingang saß, um eine Gebühr für meine Kamera zu kassieren. In jeder Pagode stehen hier nämlich hunderte von Spendenboxen, und die Burmesen können anscheinend gar nicht genug von vergoldeten Pagoden und Buddhas bekommen (oftmals wird auch am Straßenrand für den Bau von neuen Pagoden Geld gesammelt). Mr. Si bat mich auf jeden Fall, meine Kameragebühr zu spenden, auch wenn ich das Geld lieber an ein etwas sozialeres Projekt gegeben hätte. Aber ich wollte nicht unhöflich erscheinen und nach der Bedeutung jeder einzelnen Spendenbox fragen (wobei es wahrscheinlich bei jeder Box um die Vergoldung eines anderen Gegenstandes geht). An einer der Pagode hingen sogar Namensschilder von Spendern, und ich habe einige deutsche Namen darauf entdeckt.

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Weiter ging es zum absoluten Highlights des Tages – wir machten einen Zwischenstop bei der Sagaing Hill Monastic Education Free School. Bei meiner Ankunft füllten sich bereits die Klassenräume mit hunderten Kindern. Bevor der Unterricht mit einem traditionellen Gebetsgesang begann, hatte ich Zeit, mir die Klassenräume näher anzuschauen. Winzige Holzbänke und schmale Tische, eine Tafel, und einige selbstgemalte Plakate an der Wand – ich glaube, hier wurde mir erst einmal wieder richtig bewusst, wie privilegiert wir eigentlich in Deutschland leben. Die Kinder hier in der Schule hatten die einfachsten Hefte und Materialien zur Verfügung, und trotzdem sah ich in hunderte strahlende Gesichter, als der Unterricht begann. Vom Kindergarten bis zum oberen Schulabschluss wird hier alles unterrichtet. Auf einem der Fotos könnt ihr sehen, wie sehr die Schule in den letzten fast 15 Jahren seit ihrer Gründung gewachsen ist. Ich bin sehr froh, die Schule besucht und diese Erfahrung gesammelt haben zu können, auch wenn ich teilweise mit meinen Emotionen kämpfen musste (das lag nicht nur an den vorherrschenden primitiven Verhältnissen, sondern auch am Gebetsgesang der über 700 Schüler, der einfach wunderschön war). Ein Mönch brachte mich zum Abschluss noch in den Kindergarten, wo mir jedes Kind freudestrahlend ein High-Five zum Abschied gab.

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Nach der Besichtigung der Universität, die auf der anderen Straßenseite lag, tranken Mr. Si und ich einen traditionellen süßen Tee an einer der vielen Teestuben am Straßenrand. Dazu gab es für mich Onde jar bausi (wahrscheinlich wird es anders geschrieben), einen Kokosnuss-Zucker-Donut. Ich stellte Mr. Si tausende Fragen über das Schulsystem, seine Familie und auch seine Zukunftspläne. Sogar über den Rohingya-Konflikt haben wir gesprochen, aber seine Meinung dazu war sehr eindeutig. Seiner Ansicht nach ist dieser Volksstamm illegal nach Myanmar eingewandert und bedroht den Zusammenhalt und die Sicherheit in der buddhistischen Bevölkerung. Angesichts der Tatsache, dass so auch in der burmesischen Presse berichtet wird, überraschte mich seine Erklärung jedenfalls nicht. Dennoch habe ich viel von ihm gelernt, über die Regierung, den Jobmarkt und das durchschnittliche Einkommen der meisten Burmesen. Auf die Frage, ob Mr. Si mal (so wie ich und Marius) in ein anderes Land reisen möchte, antwortete er: „Ich müsste erst einmal mein eigenes Land bereisen“. Denn bis jetzt ist er noch nicht einmal über den Großraum Mandalays hinausgekommen.

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Mit dem Sonnenuntergang am Mandalay Hill endete für mich ein erlebnisreicher, anstrengender und emotionaler Tag. Ich kann Mr. Si nicht dankbarer sein für all die Einblicke, die er mir heute ermöglicht hat und die ich sicherlich nie vergessen werde.

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#14 Bagan: Pagoden, E-Roller und panische Amerikaner

Um von Yangon nach Bagan zu kommen habe ich mich wieder zum Nachtbus hinreißen lassen. Dieses Mal im VIP-Bus – das versprach deutlich mehr Komfort, mehr Platz und … eine noch aktivere Klimaanlage. Trotz Alaska-Kälte konnte ich der Busfahrt viel abgewinnen. Keinen Sitznachbarn, keine nervige Musik und Verpflegung inklusive  – falls ich also nochmal den Nachtbus nehmen sollte, lege ich die 3500 Kyat extra (2,20 Euro mehr im Vergleich zum normalen Nachtbus) gerne hin. Und packe vielleicht doch noch eine extra Jacke ein.

Im Hostel angekommen kam erst einmal der Schock: Ich konnte um acht Uhr morgens weder mein Zimmer beziehen, geschweige denn duschen oder im Hostel frühstücken. Bislang waren meine Hostels sehr kulant gewesen und ließen mich immer früher ins Zimmer. In diesem Fall war das leider nicht möglich. Meine Laune war nach vier Stunden Schlaf nicht unbedingt die Beste, aber als ich gedankenverloren an der Rezeption saß und überlegte, wie ich in diesem (ungeduschten) Zustand den Tag verbringen sollte, wurde ich von Julia angesprochen, einer Düsseldorferin, die für gerade einmal neun Tage Myanmar bereist. Da sie vor der selben Check-In-Problematik stand wie ich, beschlossen wir, zusammen den Tag zu verbringen. Das Ausleihen der E-Roller verlief sehr unkompliziert (5000 Kyat für einen Tag, und der Verleih wollte noch nicht mal unseren Ausweis einbehalten) und ich war erstaunt, dass ich trotz mangelnder Fahrkenntnisse nach kurzer Zeit bereits den Dreh raushatte. Und natürlich habe ich einen Helm getragen, Papa.

Wir fanden relativ schnell heraus, dass der Besuch der größeren Tempel nicht unbedingt unser Ding ist (da es hier von riesigen Ausflugsbussen und nervigen Händlern wimmelte), und konzentrierten uns auf die in der Karte eingezeichneten Aussichtspunkte. Meist waren es kleinere Pagoden, bei denen der Eingang offen stand und man von oben einen tollen Ausblick genießen konnte. Ein wenig abenteuerlich war es schon, durch die kleinen Gänge nach oben zu klettern, aber wir wurden mit wunderschönen Ausblicken belohnt.

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Bagan ist definitiv kein Vergleich zu Angkor in Kambodscha. Ich hatte das Gefühl, es gibt abertausende Pagoden, an denen wir halten könnten, und bei den abgelegeneren Pagoden waren wir tatsächlich die einzigen Gäste. Der Mix aus Natur, Pagoden und Berglandschaft war einfach wunderschön. Mit unseren Rollern konnten wir die Hauptspots der chinesischen Touristen umfahren und waren abseits der Hauptstraße komplett alleine. Zwischendurch hielten wir an Straßenständen für eine obligatorische Kokosnuss (die einfach so viel besser schmeckt als in Deutschland).

Kurz vor Sonnenuntergang hatte mein Hinterreifen dann einen Platten. Wir hatten am Morgen nicht unbedingt auf die Qualität der Roller geachtet, den erstbesten Rollerverleih angesteuert und bekamen jetzt die Quittung dafür. Gott sei Dank waren wir nicht mitten in der Wildnis gestrandet, sondern fanden uns in der Nähe eines gutbesuchten Palastes. Eine Burmesin rief netterweise den Rollerverleih an, und 30 Minuten später kam ein Mechaniker mit einer Luftpumpe. Der aufgepumpte Reifen hielt genau 200 Meter, und wir beschlossen, meinen Roller besser stehen zu lassen und zu zweit auf Julias Roller weiterzufahren.

Beim Sonnenuntergang hatten wir leider nicht so viel Glück wie zuvor bei den anderen Pagoden. Waren wir die erste halbe Stunden noch alleine auf dem Dach, gab es eine Stunde später keinen freien Stehplatz mehr (und ich hatte mich schon gewundert, warum vor der Pagode so viele Händler ihre Stände aufgebaut hatten). Durch die vielen Wolken war der Sonnenuntergang außerdem unspektakulär und wir fuhren früh wieder zurück zum Hostel. Endlich eingecheckt (wir durften netterweise gemeinsam ein Zimmer beziehen) war die (kalte) Dusche ein himmlisches Erlebnis. Dadurch, dass der Großteil der Straßen und Wege in Bagan nicht befestigt ist, habe ich locker eine zentimeterdicke Staubschicht von mir herunter gewaschen.

Am nächsten Tag klingelte der Wecker um Viertel vor fünf zur Sonnenaufgangstour, die unser Hostel kostenlos anbot. Wieder ging es zu einem abgelegenen Tempel, und wieder war die Aussicht wunderschön. Um kurz nach sechs stiegen dann die ersten Heißluftballons auf, die Touristen hier für 350 US-Dollar buchen können (ich hatte vor meiner Reise auch überlegt, so einen Flug zu buchen, aber für gerade einmal 45 Minuten fand ich den Preis sehr übertrieben). Und auch von unserer Pagode aus war der Sonnenaufgang fantastisch. Ich glaube, die Bilder sprechen für sich selbst. Wer bis jetzt noch zweifelt, Myanmar zu bereisen, den werden die nachfolgenden Fotos hoffentlich überzeugen.

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Bis zum Mittag ging es weiter durch die Tempellandschaft. Am Shwe Leik Too Tempel trafen wir auf eine Reisegruppe aus Amerika, und Julia wurde versichert, „you are very brave to travel this country alone without booking a guided tour„. Ja, super mutig sind wir. Ich muss sagen, ich fühle mich in Myanmar bislang viel sicherer als in Kambodscha, und kann über die Panikmache der Amerikaner nur lächeln. Auch wenn es an der Verständigung manchmal hapert, sind alle Burmesen, die ich bislang getroffen habe, super hilfsbereit. Lustigerweise sind wir Europäer hier immer noch eine Rarität, und so wurden Julia und ich mit vielen Fotokameras abgelichtet. Der Ansturm auf uns als Fotomotiv war besonders extrem, nachdem wir bei einer Burmesin am Straßenrand die typische Thanaka-Behandlung bekamen. Das Zeug kühlt echt extrem und fühlt sich sehr angenehm auf der Haut an. Ich habe mir vorsorglich zwei Packungen mitgenommen, da die Paste auch gegen Hautunreinheiten wirken soll. Und bei der Luftverschmutzung hier tut eine Thanaka-Maske meiner Haut wahrscheinlich richtig gut.

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Nach einem Nachmittagsschläfchen ging es um halb fünf Richtung Flussufer. Das Hostel bot eine Sunset-Bootstour an, und nach anderthalb Tagen Roller fahren und navigieren (was ganz schön schlauchen kann), war ich froh, mit einem Gin Tonic bewaffnet im gemütlichen Ausflugsboot umherzufahren. Am Abend hieß es dann Abschied nehmen von Julia (die leider eine andere Reiseroute hat als ich), und alle sieben Sachen zusammenpacken. Morgen früh geht es um halb fünf los Richtung Mandalay.

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bisbald

#13 Mount Kyaiktiyo: Buspanne, kreischende Burmesen und ein goldener Fels

Weil Großstädte auf Dauer anstrengend werden, bin ich für einen Tag zum Berg Kyaiktiyo gefahren, der etwa 200 km nordöstlich von Yangon liegt. Das genaue Ziel: der goldene Felsen, einer der wichtigsten Pilgerstätten Myanmars. Das Besondere: auf 1100 Metern soll der Fels alleine von zwei Haaren Buddhas auf dem Berg gehalten werden (laut Legende).

Die Busse zum Basiscamp hatte ich über mein Hostel buchen können. Um 5 Uhr ging es zunächst mit dem Taxi Richtung Busstation. Diese liegt rund eine Stunde ausserhalb des Zentrums von Yangon. Eigentlich sehr clever, denn so wird der innerstädtischen Allzeit-Stau umgangen. Um kurz nach sechs ging es pünktlich los und ich war erstaunt, wie viele Leute so früh morgens mit mir im Bus saßen (und was sie dabei alles transportierten). Zudem war ich froh, einen Pulli und Sarong mit eingepackt zu haben, denn der Bus war auf gefühlte minus 20°C temperiert. Mein Hostel hatte mir netterweise ein Frühstückspaket (Reis, Linsen und Bohnen mit Kokosraspeln) mitgegeben, und so sah ich den angepeilten dreieinhalb Stunden Busfahrt entspannt entgegen. Es war wunderschön, die Landschaft Myanmars beim Sonnenaufgang zu beobachten und zu sehen, wie das Leben am Straßenrand langsam begann.

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Etwa 20 km vor dem Ziel hielt der Bus dann plötzlich am Rand der mit Schlaglöchern übersäten Fahrbahn. Auch eine halbe Stunde später bewegte sich noch nichts, und aus dem burmesischen Gebrabbel meines Sitznachbarn wurde ich auch nicht schlauer. Also sah ich mir den Schaden von außen an – um es kurz zu fassen, war wohl irgendwas an der Kühlung kaputt. Aufgrund des vielen Dampfes, der aus der Rückseite des Busses aufstieg, der ratlosen Blicke des Busfahrers und helfenden Burmesen und der allgemeinen Zeitknappheit meiner Tagestour entschied ich mich spontan, weiter zu trampen. Zusammen mit vier anderen Ausländern, die mit im Bus gesessen hatten (zwei ältere Spanierinnen und ein tschechisches Pärchen) konnten wir schnell einen Lastwagenfahrer anhalten, der uns auf der Ladefläche mit zum nächsten Taxistand nahm. Von da aus ging es im Shared Taxi weiter Richtung Basislager, wo wir auf einen weiteren LKW umsteigen mussten, der bis zur Mittelstation fahren würde. Noch etwas unsicher, was wohl die beste Platzwahl wäre, fand ich mich am Ende zusammengequetscht auf der hintersten Bank des LKWs wieder. Zeitweise kam ich mir wie bei einem Viehtransport vor – insgesamt saßen mindestens 60 Leute auf der kleinen Ladefläche des LKWs. Die Fahrt entpuppte sich schließlich als sehr rasant (trotz steiler und schmaler Serpentinen), was dazu führte, dass der Großteil der burmesischen Passagiere ein Kreischkonzert wie auf einer Achterbahnfahrt veranstaltete.

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Nach knapp sechseinhalb Stunden war ich endlich am goldenen Felsen angekommen. Zwei Stunden später als ursprünglich geplant, so dass ich relativ schnell durch die Tempelanlage hetzen musste. Die Aussicht war meiner Ansicht nach enttäuschend, da man durch den vielen Smog nicht gerade weit schauen konnte. Der goldene Felsen: Ganz nett, aber auf Fotos sieht er doch irgendwie spektakulärer aus. Männer können am Felsen übrigens Blattgold anbringen (das man direkt vor Ort kaufen kann). Frauen dürfen den Felsvorsprung nicht betreten (und den goldene Felsen somit nicht berühren). Was ich ganz interessant fand: Da viele ältere Pilger die letzten 300 Höhenmeter zum goldenen Felsen nicht mehr alleine bewältigen können, werden sie auf Tragbahren hochgeschleppt. Zur Mittelstation wird gerade übrigens eine Seilbahn gebaut.

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Nach anderthalb Stunden auf dem Platteau durfte ich mich auch schon wieder auf den Heimweg begeben. Diesmal sicherte ich mir einen luftigeren Platz an der Seite des LKWs, aber leider erwies sich der Magen meiner burmesischen Sitznachbarin während der Abfahrt (die sich als noch abenteuerlicher entpuppte als der Weg nach oben) als sehr sensibel. Zumindest hatte sie im Vorfeld schon für eine Spucktüte gesorgt.

Nach fünf Stunden Busfahrt zurück nach Yangon (aufgrund des Feierabendverkehrs) hatte ich dann auch noch das Pech, an einen unerfahrenen Taxifahrer zu gelangen. „Kennen Sie diese Adresse?“ „Ja, kein Problem“. Als ich im Taxi saß und mir aufgrund seiner langsamen Fahrweise bewusst wurde, dass er keinen Schimmer hatte, wo ich hin wollte, half leider auch meine Idee, ihm Google Maps zu zeigen, nicht weiter. Während der Fahrer irgendwann seine Frau und sein Kind einsammelte (da seine Frau etwas besser Englisch sprach als er), versuchte ich allen die interaktive Straßenkarte zu erklären. Vergeblich. Bis zum Ende verstanden sie nicht, dass der blaue blinkende Punkt unser Taxi darstellte. Nach über anderthalb Stunde herum gegurke waren wir endlich in der Nähe meines Hostels, und ich entschied mich, den Rest zu Fuß zu laufen. Ach ja, falls ein Klugscheißer unter euch anmerken möchte, dass ich doch auch das Taxi hätte wechseln können: keine Chance, denn der Taxifahrer (und der Rest der Familie) versicherte mir ja immer freundlich, er kenne die Adresse. Und aussteigen wäre dann ziemlich unhöflich von mir gewesen.

Nach insgesamt über 14 Stunden Reisezeit war ich mehr als froh, endlich wieder im Hostel zu sein. Ein gutes Abendessen (Sushi für 3,50 Euro) und ein Bier später konnte ich sogar wieder über die Buspanne, die kotzenden und kreischenden Burmesen und die Taxifahrerfamilie lachen. Der Tag hat mir auch gezeigt, dass Burmesen unglaublich hilfsbereit sind (gerade was das Trampen betrifft), und dass Distanzen von 400 km unmöglich an einem Tag bewältigt werden sollten (auch wenn Leute dir sagen, es wäre super easy). Ich werde solche waghalsigen Tagesausflüge also in Myanmar nicht mehr antreten, denn die anderthalb Stunden am goldenen Felsen haben sich für den Stress nicht wirklich gelohnt (na gut, vielleicht für die Geschichte, die ich nun darüber erzählen kann).

bisbald