#38 Tongariro Alpine Crossing: Best hike of New Zealand!

Der Wecker klingelt um fünf Uhr morgens. Wir wachen verschlafen auf und quälen uns langsam aus den warmen Betten. Es ist immer noch dunkel und die elf Grad Außentemperatur auf unserem Campingparkplatz wirken wenig einladend. Genauso wenig wie die Dixi Toilette am Parkplatzende. Für zehn Dollar pro Person bekommt man anderswo deutlich luxuriösere Sanitäranlagen. Wir schmeißen uns direkt in unsere Wanderoutfits, die wir schon am Abend zusammengelegt haben. Zwiebellook heißt bei diesen kalten Temperaturen die Devise. Ich rationiere unser Essen für den Tag großzügig und schmiere die Butterbrote. Aus dem Abel Tasman Drama haben wir gelernt, dass zu wenig Essen die Wanderlaune erheblich senken kann. Eine Rolle Toilettenpapier findet auch den Weg in unsere Rucksäcke – auch diese wird sich als lebensnotwendig erweisen. Dazu noch ein paar Schmerztabletten, Blasenpflaster, Tape, und was man sonst noch gebrauchen kann, um eine achtstündige Wanderung zu überleben.

We wake up at 5 am. Tired after only a few hours of sleep, we are slowly crawling out of our warm nest. It is still dark outside and the temperature of 11 degrees outside of the van does not seem inviting, similar to the dirty portable toilets at the end of the camping ground. For 10 dollars per person you usually get more luxurious sanitary installations. We quickly change into our hiking outfits that we already prepared the night before. With regard to the relatively cold temperatures, we go for the onion look. I am responsible for rationing our todays food supply and prepare some sandwiches. After our food drama at Abel Tasman, it’s better to take a bit more than necessary. Next to food, we also pack a toilet roll – that will be of huge importance, as well as some painkillers, blistering plaster, gaffer tape and what else might seem to be of utmost importance in surviving an eight-hour hike.

Um zwanzig vor Sechs geht es in der Autokolonne von unserem Campingplatz Richtung Zielpunkt des Wanderwegs. Dort stellen wir unsere Wagen ab, und fahren im Minibus Richtung Startpunkt. Für diesen „Shuttleservice“ bezahlen wir beide je 35 Dollar und haben damit sogar noch die günstigste Variante gewählt. Die Neuseeländer wissen eben, wie man die Touristen ausnimmt und die lokale Wirtschaft ankurbelt.

At 5.40 am, our camping ground motorcade departs to the end point of the hike. Here we park our car, jump into the minibus and are driven right to the starting point of the trek. This shuttle service costs us 35 dollars per person but is still the cheapest option in town. The Kiwis know how to make money and do something good for the local economy.

Als ich aus dem warmen Bus aussteige, werde ich mit klirrender Kälte begrüßt. Wie elf Grad fühlt sich das für mich nicht an, und ich bezweifle, ob ich die eine Stunde auf den Rest unserer Wandergruppe (Gesa und Rebecca) warten kann. Was eine Fehlplanung. Wir überlegen, schon mal mit der Wanderung zu beginnen. Aber im Stockdunkeln macht das auch irgendwie keinen Sinn, und außerdem erreiche ich Gesa nicht. Also heißt es warten, Kniebeugen machen, auf der Stelle rumtreten, die Karten studieren und doch lieber noch einmal vorsorglich die Zehen tapen. Ich studiere unauffällig die vorbeilaufenden Touristen, die in Busladungen am Anfangspunkt des Wanderwegs abgeworfen werden. Nur ein Drittel sieht professionell ausgerüstet aus. Der Rest trägt wie wir normale Laufschuhe; das beruhigt mein Gewissen enorm. Wobei ich in Myanmar ja auch 60 Kilometer in diesen Schuhen gelaufen bin. Was soll uns also schon passieren. Das Tongariro Alpine Crossing geht insgesamt fast 20 Kilometer und beinhaltet 780 Höhenmeter. Wir starten auf knapp unter 1200m Höhe, erreichen mit ca. 1850m den höchsten Punkt der Wanderung und laufen von dort bis auf 800m ins Tal hinunter.

When existing the warm and cozy bus, we are welcomed with bone-chilling cold, which does not feel like 11 degrees anymore. It is still dark. I doubt that I am able to wait an hour for the rest of our hiking group (Gesa and Rebecca), but starting the trek is also no option and I can’t reach Gesa on the phone, either. What a bad planning. I have no other choice than waiting, doing squats, studying the hiking maps and taping my toes. I am observing the tons of tourists that arrive at the parking space. Only a third of them seems professionally equipped, the bigger half is wearing sneakers like me. I feel relieved, and remember that I actually walked 60 km in my shoes in Myanmar. I shouldn’t be concerned today, the trek is only around 20 km long. The difference in altitude is around 780 meters. We start hiking at a height of 1200m above sea level, reach the highest point at around 1850m and stroll down to around 800m height.

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Nach einer Stunde und einem wunderschönen Sonnenaufgang sind meine Füße Eiszapfen, aber immerhin treffen Gesa und Rebecca endlich ein. Es gibt eine wärmende Umarmung zur Begrüßung. Die Laune steigt wieder, und wir beginnen sofort mit der Wanderung. Veranschlagt sind sechs Stunden, mal sehen ob wir das schaffen. Ich fühle mich topfit.

Der erste Weg führt durch karge, aber blühende Landschaften und wir kommen gut voran. Bei einer ersten Snackpause wird die Pizza von gestern vertilgt. Schließlich liegt das Frühstück schon wieder drei Stunden zurück. Die Strecke wird steiler, und die Atmung schwerer. Der Schweiß beginnt langsam zu tropfen, und es wird Zeit, sich von einer Kleidungsschicht zu befreien. Die Aussicht ist jetzt schon grandios. Blauer Himmel und dunkelbraune Vulkanlandschaft – das können einem auch nicht die stinkenden Plumpsklos nicht vermiesen, die wir nach zwei Stunden Wanderung in Anspruch nehmen müssen. Das Toilettenpapier wird freundschaftlich mit Gesa und Rebecca geteilt, genauso wie das Handdesinfektionsmittel. Wenn ich damit schon Myanmar überlebt habe, dann auch die mit Abermillionen von Keimen übersäten Scheißhäuschen.

After an hour of waiting and a beautiful sunset, I don’t feel my feet anymore, but at least Gesa and Rebecca do finally arrive. They give us a warm hug and my mood rises instantly. Right after a quick chat, we begin with the trek. We want to do it within six hours, so let’s see if we can make it. I feel super fit.

The first part of the trek leads us through bleak but blossomed landscape. We can easily make the first kilometres and stop for a quick snack. Three hours after our morning breakfast, it’s time for the leftover pizza from yesterday. The trek gets steeper and I start struggling with my breath. Sweat pearls are dropping off my forehead, and I decided to get rid of a layer of clothing. The sky is blue and the landscape is volcano brown. A view, that cannot even be destroyed by the portable toilets we have to make use of now. We share our toilet paper with Gesa and Rebecca, as well as the disinfectant that I brought.

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Es geht weiter steiler bergauf und die Anzahl kleinerer Verschnaufpausen nimmt zu. Sonnencreme wird aufgelegt. Marius holt seine Wanderkekse hervor. Hart wie Stein, aber irgendwie lecker. An einer Hochebene machen wir eine weitere Snackpause. Wir liegen gut in der Zeit. So langsam verteilen sich auch die Touristenmassen wieder etwas besser.

Der größte Anstieg steht aber noch bevor. Es folgen steile Treppen bis zur nächsten Hochebene. Jeder Schweißtropfen wird mit einem atemberaubenden Blick auf den Vulkan Ngauruhoe und die Landschaft belohnt. Erst jetzt wird mir bewusst, wie weit wir eigentlich schon gekommen sind. Wir schießen ein paar Fotos, und begeben uns an den schwersten Teil der Wanderung. Eisenketten bieten Sicherheit, während wir über Geröll und Steine krackseln. Jetzt währen richtige Wanderschuhe doch von Vorteil. Das Gute ist, dass wir nicht die einzigen sind, die sich am rutschigen Aufstieg ohne Wanderschuhe abmühen. Was ich jetzt noch nicht weiß – der Weg runter wird noch deutlich rutschiger. Am höchsten Punkt angekommen, gibt es ein Wow aus allen Mündern – von hier kann man schon einen ersten Blick auf die verschiedenfarbigen Seen erhaschen. Meterologisch absehbar ist es am höchsten Punkt auch am kältesten – wir verweilen daher nicht lange und begeben uns langsamen Schrittes auf den Abstieg. Was nun folgt, ist eine unendliche Rutschpartie, und ich höre auf, die Male zu zählen, bei denen ich mich fast hinlege. Mit fünfzig neuen Steinchen im Schuh und hungrigen Mägen machen wir eine längere Mittagspause. Ein nahrhaftes Butterbrot verspricht neue Energie. Es sind inzwischen gut vier Stunden vergangen, und wir fragen uns, wie man das Tongariro Alpine Crossing in nur anderthalb Stunden schaffen kann. Das ist nämlich der Weltrekord.

The trek continues very steeply and the amount of short breaks to gasp for oxygen are increasing. We apply some sunscreen. Marius is offering us the hiking cookies he bought. They are hard as stone, but kind of yummy. At the next flat top, we are taking another snack break. We are still in the time frame, and slowly the mass of tourists appears to become less dense.

The biggest climb follows with very steep stairs. However, every sweat drop is worth the view we have from the next plateau. The volcano Mount Ngauruhoe and the landscape around it just looks absolutely incredible. Now I realize, how far we have come already. We make a few photos, but head up further quickly. The next part of the hike is the most dangerous. The ground becomes slippery by loose stones. An iron chain gives some security, but I wish for proper hiking boots now. At least we are not the only ones that are struggling at this point. What I don’t know now – the way down will be much more unpleasant. At the top of the mountain, we take a quick break and recover. However, it’s quite cold and windy up here, so we decide to find a calmer spot for lunch on the way down, which is just awful. I stop counting the times I nearly fell during walking down, but it’s funny to see other people struggling to. With millions of small stones in our shoes and empty stomachs, we find a nice spot close to the lakes for lunch. A sandwich will give us new energy. Right now, we are already four hours on the trek, and we ask ourselves how it is possible to do the whole hike in only one and a half hours. That is the current world record.

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Die Seen umgibt ein wunderschöner Geruch von faulen Eiern. Je nachdem, wo gerade Schwefel aus der Erde austritt, ist der Duft mal stärker oder schwächer. Wir schießen ein obligatorisches „Man, stinkt das hier!“-Foto und laufen weiter. So langsam fangen meine Füße an, leicht zu schmerzen. Ich fühle mich wie ein Marathonläufer bei Kilometer 30. Was jetzt folgt, ist ein schier endloser Abstieg – dass wir jetzt noch mehr als drei Stunden vor uns haben, hätte keiner von uns gedacht, als das Tal schon in greifbarer Nähe ist. Die Landschaft wird grün, und erinnert mich an die Alpen. Die Wow-Momente sind irgendwie vorbei, und die Gesprächsthemen auch. Stille kehrt ein, und ich merke, wie jeder verbissen weiterläuft. Der innere Kampf mit dem Schweinehund und den schmerzenden Füßen. Der Weg zieht sich schier unendlich und ist monoton. Noch anderthalb Stunden. Das Toilettenpapier ist fast leer, und Marius entscheidet sich, vorzulaufen, um uns bei Ankunft einen Kaffee zu servieren. Das wirkt als Motivationsspritze. Rebecca, Gesa und ich ziehen das Tempo an. Trotzdem werden wir weiterhin von überehrgeizigen Zieleinläufern überholt. Die letzten Stufen, ein kurzer Sprint durch den Regenwald, der auch den letzten Abschnitt der 19,4 Kilometer darstellt. Uns begrüßt ein staubiger Parkplatz, Buslärm und erschöpfte Zieleinläufer, die uns zuvor noch überholt haben. Mit Genugtuung lasse ich mich auf den Campingstühlen nieder, die Marius schon platziert hat, und schäle mich aus meinen Schuhen. Schweiß schlägt mir entgegen. Ich entdecke keine Blase, und erfreue mich über meine Taping-Künste. Gesa zählt sieben Blasen. Majo hat eine Blase. Rebecca hat keine. Was ein Erfolg.

The area around the lakes smells like bad eggs. Depending on where sulphur leaks out the soil, the smell becomes less or more strong. We take a mandatory “Wow it stinks” picture and continuing the walk. Slowly, my feet begin to hurt. I feel like I reached kilometre 30 in a marathon. What follows now, is a sheer endless trek down to the valley. I am surprised the signs show it will be still three hours until we reach the parking ground. The landscape turns greener, and reminds me of the alps. The wow-moments are kind of gone and the topics of discussions, too. Everyone seems to fight with his inner pigdog and hurting feet. The monotonous trek does not really help. Marius decides to separate from our group and run the rest of the trek in order to welcome us with a nice, freshly brewed coffee. That gives us new motivation and we also walk faster. Still, there are a lot of other people much quicker than us. Then, finally, we take the last stairs and after a quick sprint through the rain forest we finally reach the parking area. After 19,4 kilometres, we are welcomed with a dusty parking space, bus noise and exhausted hikers, that just passed us before. I am happy to sit down in the camping chairs next to our van. The first thing to do: Getting rid of my shoes. My feet are quite sweaty (and smelly), but at least I didn’t get a blister. Gesa counts seven blisters on her feet. Majo has one blister. Rebecca has no. What a success.

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Nach dem Wandermarathon setzen wir uns verschwitzt ins Auto. Natur pur also. Während Rebecca und Gesa nur zurück nach ins einstündig entfernte Taupo fahren, beginnen wir den Auto-Halbmarathon und fahren bis nach Hawera. Das sind vier Stunden und 250 Kilometer. Warum wir das machen, weiß ich nicht mehr so genau. Wahrscheinlich weil es dort erst wieder einen kostenlosen Campingplatz gibt. Eine kalte Dusche am Strand später fühle ich mich, als hätte ich die Kontrolle über mein Leben wieder zurückerlangt. Zur Belohnung gibt es Spaghetti mit Pesto und einen guten Wein. Geparkt wird mitten auf der Dorfstraße von Hawera an einem örtlichen Parkplatz. Der Vorteil: Es gibt freies Wlan und ich kann sogar Oma noch persönlich zum Geburtstag gratulieren. Und jetzt kann ich sogar schon die Strapazen der Wanderung vergessen und über neue Abenteuer nachdenken.

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After the hiking marathon, we jump into our cars without changing any clothes. Don’t tell our mums. While Rebecca and Gesa are driving an hour to Taupo, we decide to drive until the West Coast near Hawera. That means four hours of driving. Why we do that, I don’t remember. I assume there is no other free camping spot on the way. Four hours later, we can finally take a free but cold shower at the beach. I feel like I gained control back over my body. We treat ourselves with pasta pesto and a good wine, before we find a camping spot right in the town centre of Hawera. Here, we even have free Wi-Fi and I can call my grandma for her birthday. Now, I don’t even think about the pain anymore but rather about new hikes next.

bis bald charlotte

3 Antworten auf “#38 Tongariro Alpine Crossing: Best hike of New Zealand!”

  1. Wie immer: sehr schön geschrieben! Manches erinnert mich an meine Alpenwanderungen, wenn der Akku leer ist und die Füße nicht mehr wollen. Erstaunlich wie schnell die Erholung zurück kommt, wenn‘s danach eine ordentliche Mahlzeit und vielleicht auch ein leckeres Bier gibt. Seid herzlich umarmt und gedrückt! Winni/Pa

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  2. HiHo Ihr Lieben!
    Nachdem ich sonst immer nur „Stippvisite“ in Eurem Blog gemacht habe, hatte ich heute mal so richtig Muße ALLES in Ruhe zu lesen … sorry, wird ja auch mal Zeit 😉 Hat mir sehr viel Spaß gemacht und daher ist es auch mehr als überfällig (!!!), dass ich Euch mal sage, wie cool ich das Ganze (und Euch sowieso) finde! Die Fotos der letzten Tour sind mal so richtig WoW! … So wie viele viele andere auch. Ihr macht es soooo richtig: GoGoGo with the flow 😉
    Übrigens: Eure Geburtstagskarte kam auf den Punkt am 22.02. an … Scham und Schade über mich (!!!), dass ich mich erst jetzt bedanke.
    Dafür mit einem gaaaanz dicken KUSS. Die treulose „Tante“ Silke 😉

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