#37 Napier: Birds, wine and my old school

Im Juni 2009 habe ich Napier das letzte Mal gesehen, nachdem ich meinen Zivildienst hier (und in Rotorua) geleistet habe. Napier ist mir damals sehr ans Herz gewachsen und daher freue ich mich schon sehr auf ein Wiedersehen mit dieser Stadt. Da wir aus südlicher Richtung ankommen und es schon Nachmittag ist (wir haben nach Wellington auf halbem Wege für die Nacht gehalten und morgens lange geschlafen und Sport gemacht), fahren wir erstmal auf den Te Mata Peak. Diese kleine Bergkette gibt uns einen netten Überblick auf die Hawkes Bay, die vom Cape Kidnappers, Hastings und Napier gesäumt wird. Wir schauen auf ein Weingut und auf die trockenen Hügel außerhalb der Siedlungen. Es ist trocken und windig. Ich erinnere mich, dass die Hawkes Bay eine der sonnenreichsten Regionen Neuseelands ist. So soll es auch die nächsten Tage sein.

I’ve seen Napier for the last time in June 2009 while I was doing my compulsory community service there (and in Rotorua). The city really won my heart in these few months, so I was happy to finally return back. Because we are coming from the South (after having stopped at Woodsville for the night and a workout in the morning), we first head to Te Mata Peak. It is a small chain of mountains and gives a perfect overview of Hawkes Bay, Cape Kindnappers, Hastings and Napier. We also see a vineyard and the hills surrounding the villages. It is dry and windy. I remember, that Hawkes Bay is one of the sunniest regions in New Zealand. The forecast for the next days is supposed to be good, too.

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Nach einer ruhigen Nacht direkt am Meer fahren wir zunächst zu meiner alten Arbeitsstelle, der Hohepa Community School. In diese Schule gehen bis zu vierzig geistig und manchmal auch körperlich behinderte Kinder und lernen in ihrem individuellen Tempo sprechen, lesen, schreiben (bzw. sich überhaupt verständigen), musizieren, malen, … wobei sie von umfangreichen Therapien begleitet werden. Ich kann von meinen damaligen Erfahrungen sagen, dass dieser Ort das Beste für die teils sehr schwer beeinträchtigten Kinder ist.

Wir fahren also einfach auf gut Glück vorbei und ich schaue mal, ob ich noch auf bekannte Gesichter treffe. Die damalige Schulleiterin, nach der ich am Empfang frage, ist bereits pensioniert. Wir werden von einer jungen Frau aber netterweise direkt in den Pausenraum gebracht. Dieser hat sich in den letzten neun Jahren in seiner Einrichtung, und was das Angebot von Keksen, Tee und Kaffee angeht, überhaupt nicht verändert. Ich sehe eine bekannte Lehrerin und spreche sie sofort an (wir wurden knapp im Raum vorgestellt und uns allein überlassen). Penny kann sich erst im zweiten Moment an mich erinnern. Kein Wunder, damals hatte ich ja auch noch Haare oben auf dem Kopf, und deutlich weniger im Gesicht. Sie fragt mich sofort aus, wen ich denn von damals noch kennen würde und mit welchen Kids ich zu tun hatte. Bei einem Kaffee tauschen wir uns also aus, bis John, ein weiterer Lehrer, den ich kenne, in den Raum kommt. John hat sogar gerade etwas mit einem damaligen Schüler von mir zu tun und wir können ihn auf dem großen Spielplatz sehen. Er ist mittlerweile um das doppelte gewachsen (also auch deutlich größer als ich), und hat nach wie vor ein unheimliches Interesse an allem, was mit dem Bauen zu tun hat (Bagger, Lastwagen, Schaufeln, Erde, Stahl, Steine). Das sehen wir auch, als er einen Haufen Sand in seiner Schubkarre von A nach B transportiert. Da wir merken, dass hier alles seinen geregelten (Therapie-)Weg geht und wir etwas nutzlos herumstehen, verabschieden wir uns noch einmal bei Penny und machen uns nun endlich auf in die Innenstadt von Napier.

After a calm night at a camping spot right at the sea we first drive to my old working place, the Hohepa Community School. This school accommodates nearly forty mentally (and sometimes also physically) handicapped kids. Depending on their handicap, they get individual support on learning to speak, read, write, make music, draw… From my past experience, I can tell for sure that this place is the best thing that can happen to the children.

Entering the school, I try to find staff that might remember me. At the reception, I get to know that the old head teacher is already pensioned. However, the receptionist brings us into the staff room, because she still assumes I might know a few teachers. On the first sight, not a lot has changed here. The staff room still offers a great variety of tea, coffee and cookies and the interior is still the same, too. I immediately recognize Penny, a teacher that I worked with 10 years ago. It takes her some time to remember me, possibly due to the fact that a) I had more hair on my head 10 years ago and b) I was less beardy at that time. We catch up about who else is still working here, which kids I might know from my past work, and what has changed being away for a decade. John, another teacher I remember, asks us if we want to visit one child that I worked with a lot. We meet him at the big playground and I am surprised how much he has developed – he has doubled in size and is now even bigger than me! Still, he loves everything that has to do with construction work – and is currently busy with transporting sand from A to B in a small wheel barrow. Although it feels good to be back, we quickly recognize that everyone is quite busy, so we decide to head back to Napier after saying goodbye to Penny.

Napier hat sich nicht groß verändert (vor allem nicht so groß wie in den dreißiger Jahren, denn damals wurde die Stadt durch ein sehr starkes Erdbeben zerstört und im Art-Deko-Stil der dreißiger Jahre wiedererrichtet). Art Deko gibt es immer noch, mein Lieblingscafé Ujazi auch; und so stark touristisch, wie im Rest Neuseelands hat es sich hier nicht entwickelt.

Napier hasn’t changed much. It is still a lovely town that has been rebuild completely in Art-Deco style after a severe earthquake in the 1930s. Even my favourite café, Ujazi, still exists and generally, the town seems much less exploited by tourism than other places we visited before.

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Da die Hawkes Bay ein beliebtes Weinanbaugebiet ist, beschließen wir, ein paar Weine zu probieren. Schnell noch an der Stranddusche erfrischt und nach langer Zeit mal richtig hübsch gemacht, fahren wir wieder an den gleichen Platz zum Übernachten, wie nachts zuvor. Von dort sind es nämlich keine fünfzehn Minuten zu Fuß zum nächsten Weingut. Alkohol und Auto fahren verträgt sich schließlich auch down under nicht gut! Dass wir das große Tasting machen wollen, stand schnell fest. Genauso schnell hatten wir den ersten von sechs Weinen (pro Person) im Glas – natürlich nur ein Probierschluck. Der Heini vom Weingut nuschelte so sehr, dass ich kein Wort von dem verstanden habe, was er gesagt hat. Nicht nur akustisch… er hat auch ganz schön in seiner Wein-Linguistik gefaselt. Leichte Noten von Brombeere und erdige Töne, dazu eine rauchige Note im Abgang, bla bla. Die ersten zwei, drei Weine versuche ich auf Biegen und Brechen noch zu verstehen und schmecken. Im Endeffekt konnte ich aber nur sagen: schmeckt mir oder schmeckt mir nicht. Okay, rauchige Noten schmecke ich wirklich bei bestimmten Weinen! Da Lotti und ich in unserer Auswahl der sechs Weine natürlich unterschiedliche gewählt haben, probieren wir also gerade quasi zwölf unterschiedliche Weine und müssen uns am Ende auf zwei einigen. Denn die 10 Dollar pro Nase für das Tasting wird mit dem Kaufpreis einer Flasche verrechnet. Der andere Weinmensch hinter der Theke spricht deutlicher (obwohl Franzose!) und ich meine zu verstehen, was er mit den Geschmacksnoten sagen will. Mit dem fünften von sechs Gläsern setzen wir uns in Ruhe hin und lassen so einiges von unserer Reise quer durch Neuseeland Revue passieren. Es tut gut, mal nicht als Dauercamper oder Tageswanderer zu wirken, und das nehmen wir uns auch in Form von zwei edlen Flaschen mit in unseren Campervan. Diese Nacht schlafen wir besonders gut, wenn auch der Durst irgendwann dazukommt.

Because Hawkes Bay is a famous wine region, we decide to do a wine tasting in the early evening. Before, we take a quick and cold shower at the beach and decide to dress up a bit more than usual (which feels very good after one month of camping). We park our car at the same camping spot than last night, and can luckily walk to one of the trillions of vineyards from there (we take don’t drink and drive seriously in New Zealand, too). At the vineyard, we decide to do the big wine tasting. That means six different wines to taste (of course not six whole glasses of wine, but merely a sip). The wine waiter tries to explain every single note of the wine, but honestly, I will never be a sommelier. I can barely differentiate between fruity and smoky, so I decide to keep it simple: Do I like the wine, or not? After the fourth of six glasses, we sit down on the terrace and talk about our journey in New Zealand so far. It is crazy how much we experienced already, and how much is yet to come. After the tasting has finished, we buy two bottles to make our further camping adventure a bit more glamourous (glamping is the key to survive) and head back to our camper van.

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Bevor wir Napier schon wieder verlassen, wollen wir eine Traktor-Tour zu einer der größten Tölpelkolonien (Neuseelands? der Welt?) unternehmen. Vom Wandern haben wir noch genug, die Abel-Tasman-Wanderung steckt uns noch in den Knochen. Daher sitzen wir zusammen mit locker vierzig weiteren Touristen auf dem Anhänger eines Traktors und lassen uns die acht bis neun Kilometer bis zum Cape Kidnappers über Sand und flache Felsen chauffieren. Für mich als Hobbygeologen sind die Felsformationen entlang der Steilküste sehr interessant. Man erkennt Schichten, die nur junge 400.000 Jahre alt sind, und man sieht welche, die es seit über vier Millionen Jahren gibt. Durch besondere Plattentektonik wurden diese Schichten recht schief an die Erdoberfläche befördert und treten nun entlang der Küste zutage. Doch das Highlight dieses vierstündigen Ausflugs sind definitiv die großen Vögel, die an verschiedenen Stellen entlang der Steilküste sitzen. Einige fliegen elegant im Aufwind an uns vorbei, sogar so knapp, dass man sie mit ausgestrecktem Arm fast berühren könnte. Der australische Tölpel kommt – wie der Name schon sagt – ursprünglich aus Australien und hat hier in Neuseeland perfekte Brutstätten gefunden, da es so gut wie keine natürlichen Feinde gibt. Ein Jungtier kehrt nach dem Erstflug in Richtung Australien erst nach vier bis fünf Jahren wieder zurück (sofern es überhaupt überlebt hat), um sich dann einen Partner zu suchen. Gelingt dies erfolgreich, üben die beiden einen Liebestanz ein und prägen sich bestimmte Laute des Partners genau ein, um ihn/sie nach der Futtersuche im Meer zwischen Tausenden anderer Tölpel wiederzuerkennen. Neben den Facts, dass Tölpel beim Gehen ziemlich hilflos wirken und ihre Augen im Schnabel verwachsen sind, sind es perfekte Gleiter im Wind. Und sie stinken! Meine Güte, was ist uns nahe der Kolonie doch ein Geruch entgegengekommt. Okay, wie wäre das bei uns, wenn wir uns ausschließlich von Heringen und anderen Kleinfischen ernähren würden. Wir sind jedenfalls überglücklich, diese anmutigen Tiere gesehen zu haben und tuckern gemütlich wieder über den langen Strand zurück, vorbei an der geologischen Zeitreise der Steilküste.

Before leaving Napier, we decide to visit the gannet colony at Cape Kidnappers. Is it the biggest of New Zealand? Or the world? I don’t recall it anymore. Due to the fact that we are both done with having to face another big hike (17 km), we choose the easier option and go by tractor. It is quite comfortable to be driven the 9 kilometres to the Cape. On several spots, the tractor stops and the tour guide explains things about the magnificent geology around the coastline. The cliffs show different structures and rock layers which are up to 4 million years old. Due to the unique plate tectonics around here, the whole trip feels like a time travel back to the past. As a passionate hobby geologist, I am completely stunned by the different rock layers and layer shifts.

Nevertheless, the highlight is the gannet colony, of course. Right at Cape Kidnappers, they breed on several cliffs. We are allowed to get really close, and sometimes the birds fly so low that they are nearly touching our heads. They look absolutely amazing with their yellow heads. We take some pictures and observe their special “dance” with which they recognize their partner. The gannets here are actually Australian gannets and they fly to Cape Kidnappers every year for breeding (because there are no natural enemies here). A young bird, who leaves New Zealand, will come back for the first time after four to five years. Than he will search a partner, with whom he will stay together the rest of his bird life. Unfortunately, only one in five young birds survives the first five years (due to the fact that the first big flight of their life takes them right over the Tasman Sea to Australia). Happy to have booked this tour, we drive back to Napier and are off to our next stop.

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3 Antworten auf “#37 Napier: Birds, wine and my old school”

  1. Wieder einmal unheimlich schöne Bilder – Willi wird bei den Fotos der Tölpel schon ganz neidisch!!
    Wir drücken ganz doll Daumen für den Verkauf von Bärbel!!
    …..und dann geht es bald ins nächste australische Abenteuer :-))

    In Gedanken immer bei euch,
    eure Ma/Iris

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  2. Hallo Charlotte, Hallo Marius,
    der Beitrag ist mal wieder sehr schön geschrieben. Das hilft uns beim guten Erinnern an unsere Zeit in Neuseeland.
    Habt noch eine schöne Zeit auf der Nordinsel.
    Viele Grüße aus Deutschland
    Christian

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