#36 Wellington: Back to city life

Nach knapp einem Monat Natur pur (gut, Christchurch, Dunedin und Queenstown ausgenommen) sind wir endlich wieder in einer großen Stadt. Und wie es sich für Wellington gehört, werden wir am Morgen standesgemäß mit Wind und Regen begrüßt. Mein morgendlicher Weg zur Toilette wird so – trotz Regenjacke – zur unfreiwilligen Dusche. Da der Wind mir den Regen fast horizontal entgegenpeitscht, bin ich hilflos ausgeliefert.

After a month of sole nature (except Christchurch, Dunedin and Queenstown) we’re back to city life. Wellington welcomes us warm-hearted with rain and wind. Well, I didn’t expect it to be any different. My morning walk to the toilet turns out to be an involuntary shower. Even though I am wearing a rain jacket – with strong winds like these, it’s useless. My pants are soaking wet.

Nach einem schnellen Frühstück fahren wir zunächst nach Petone, wo ein Mechaniker sich Bärbel anschauen kann. Die Kleinstadt wirkt wie ein Vorort von Wellington und liegt zwölf Kilometer entfernt. Ich bin überrascht, wieder gut ausgebaute Autobahnen und Hochhäuser zu sehen. Beim Mechaniker Kerry folgt ein erster Schockmoment – nachdem er sein Ohr für ein paar Sekunden vor unseren Auspuff hält, ist seine erste Analyse sehr entmutigend. Er vermutet ein Problem mit dem Zylinder – eine Reparatur, die uns um die 1500 Dollar kosten könnte. Wir wollen trotzdem hundertprozentige Gewissheit und lassen Bärbel den Tag über in Kerrys Händen. In leichtem Nieselregen geht es zur nächsten Bushaltestelle. Hier wird mir erstmal wieder bewusst, wie viel Bequemlichkeit ein Auto doch mit sich bringt. 5,20 Dollar für ein Einzelticket und eine Stunde später sind wir endlich wieder im Zentrum Wellingtons. Unser Ziel: Das Te Papa National Museum. Die Empfehlungen, die wir hierzu erhalten haben (zum Beispiel von Heino, der Marius versichert hat, dass ein Besuch im Te Papa die Vorbereitung seines Erdkundeunterrichts ersetzt), waren durchaus gerechtfertigt: Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Drei Stunden später haben wir gerade einmal die erste der vier Etagen gesehen. Wir waren in einer Ausstellung über die Kräfte der Erde – inklusive eines Erdbebensimulators; haben den größten jemals ausgestellten Oktopus bestaunt (der zoologisch korrekt Kolossal-Kalmar heißt und 4,2 Meter lang ist); und bestaunen die riesigen Wachsfiguren in der Ausstellung über den Angriff der Neuseeländer und Australier auf Gallipoli nahe Istanbul. Später erfahren wir, dass die täuschend echten Wachsfiguren in Zusammenarbeit mit dem Herr der Ringe Filmstudio entstanden sind.

After a quick breakfast, we’re heading towards Petone to get Bärbel checked at a local garage. Only 12 kilometres away, it feels like Petone is rather a suburb of Wellington than an independent town. After having experienced the South Island, I am surprised how well developed the highways are and to see buildings with more than one floor again. Kerry, the mechanic, is quite quick with his analysis. I just remember being in shock hearing him saying: “… could maybe cost around 1500 dollars to repair”. We decide to let him take a closer look than just letting him listen to our exhaust pipe and head to the city to pass some time. I realize how comfortable it is to have our own drivable home. Taking public transport into the city is not only costly but it actually takes us a whole hour – not to mention the amount of people we have to share the vehicle with. Due to the rain, we decide to visit the Te Papa National Museum. A lot of people had recommended it to us, and one of Marius friends even mentioned that the museum offers enough teaching material for future geography lessons. Next to keeping ourselves dry and not having to pay for the entrance, I have to admit that it might be the best museum we have ever been to. Although we only made it to the first floor in three hours’ time, we saw the exhibition about earth forces (including a really cool earthquake simulator); we marvelled at the biggest ever exhibited colossal squid (which is about 4,2 meters long) and went to the see the huge wax figures in the exhibition about the First World War fight at Gallipoli. Later we get to know that the figures (which seriously look like they will recall to life any second) were made with the producer studio of Lord of the Rings.

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Gegen Nachmittag erhalten wir den erlösenden Anruf – Bärbels Problem konnte doch einfacher behoben werden! Bei der Abholung in Petone erklärt mir Kerry sogar noch anhand eines neuen Motorblocks, was das Problem genau war. Da die meisten von euch wahrscheinlich genauso Autolaien sind wie ich, erspare ich euch den fünfminutigen Vortrag. Kurz gefasst gab es ein Problem mit dem Ventilspiel des Einlassventils am dritten Zylinder. Das hat Kerry für uns behoben, und am Ende noch von seiner achtmonatigen Europareise in den 70er Jahren geschwärmt. Auch wenn er mit uns Deutschen nicht ganz so positive Erfahrungen gemacht hat, scheinen Marius und ich einen guten Eindruck zu machen und bekommen die Reparatur zu einem Freundschaftspreis. Nur hundert Dollar leichter sitzen wir wieder im Auto, dass jetzt schnurrt wie eine Katze, und können unser Glück kaum fassen. Tausend Dank, Kerry!

In the afternoon, we get the relieving call from Kerry –  the problems with Bärbel were easier to fix than assumed. Picking up our van, Kerry even takes the time to explain the non-experienced car owner (which is obviously me) which part of the engine didn’t work properly. To be honest, I don’t think most readers of this blog are interested in a lengthy talk about motor engines, so I keep it simply: The valve at the third cylinder had a clearance issue. Kerry is such a lovely guy, and tells us all about his roadtrip through Europe in the 70s. Although he didn’t make such good experiences with the Germans at that time, he seems to like us and the repair appears to be a bargain. Driving back to Wellington, I am still breathless by the friendliness of people we meet on our travels. Thank you so much for your help, Kerry!

Die nächsten zwei Stunden verbringen wir im Waschsalon – auch das gehört beim Roadtrip wohl oder übel dazu. Es sei erwähnt, dass Neuseeländer meistens nur kaltwaschende Waschmaschinen besitzen – so wie die meisten Waschsalons auch. Wir haben inzwischen eine Waschsalon-Kette gefunden, in der wir immerhin einigermaßen heiß waschen können. Einen großen Respekt vor dem „Umweltbewusstsein“ der Kiwis (oder wie soll man diese Tatsache sonst erklären?), aber wie zur Hölle bekommt ihr eure Wäsche mit einer Kaltwäsche sauber? Ich werde wohl weiter rätseln.

We spend the next two hours in a self-service laundry. Not quite glamorous or exiting though, but not everything in a road trip is.  I am still quite curious how Kiwis get their laundry clean – most laundromats we encountered so far provided only cold wash – and I heard from various people that this doesn’t look any different at Kiwi’s home. So here is the unanswered question: How do you get your laundry clean, for goods sake?

Am Abend löse ich mein Weihnachtsgeschenk ein – Marius und ich gehen im japanischen Restaurant Wagamama essen. Ob es an der Tatsache liegt, dass wir nicht selber kochen müssen, oder vielleicht daran, dass es endlich mal keine Spaghetti gibt – das Essen schmeckt wahnsinnig gut und merke, wie sehr ich asiatisches Essen (und Asien) eigentlich vermisse. Wir müssen unserem Campingspeiseplan definitiv mehr Abwechslung einhauchen.

In the evening, I am finally able to use the voucher Marius gave me for Christmas – eating out at Wagamama! I don’t know if it’s due to the fact that we don’t have to cook for ourselves, or that it’s not pasta again, but I feel like being in gourmet heaven while eating my Ramen. Taking a note that we should change our camping meal plan and give it a bit more variety, I also realize how much I miss Asian food (and Asia).

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Müde und satt fahren wir zurück zu unserem Campingplatz für die Nacht – der Nachteil des Großstadtlebens ist, dass wir hier lediglich auf einigen wenigen Parkplätzen frei campen dürfen. Bäume und Rasenflächen – Fehlanzeige. Stattdessen reiht sich hier Campervan an Campervan. Aber wir sind hier ja sowieso nur zum Schlafen.

Fully satisfied and tired, we drive back to our camping spot for the next night – which is a simple parking area close to town. That is truly the downside of being in a big city again – there is no lovely camping spot to stay at. But to be honest, we are only here for sleeping, aren’t we?

Am nächsten Tag fahren wir nach einer kalten Dusche am Strand zum Mount Victoria Lookout. Hier haben wir ein schönes Frühstück mit super Ausblick. Nur das Warnschild am Parkplatzrand erinnert daran, dass es hier in Wellington oft sehr, sehr windig ist (daher auch der Name der Stadt: Windy Wellington). Nach einigen Fotos und einem Gespräch mit einer älteren Dame, die die Innenaustattung von Bärbel bewundert, stellen wir Bärbel auf einem stadtnahen Parkplatz ab, und schlendern in die Stadt. Eve, mit der ich in Hongkong zusammengewohnt habe, hat mir einige Tipps für Wellington gegeben. Neben dem Mount Victoria Lookout sollten wir auch in die ganzen Op Shops gehen. Op Shop steht für Opportunity Shop – ein Secondhand Laden also. Drei Stunden und unzählige Op Shops später habe ich zwar nichts gekauft, muss aber dennoch gestehen, dass ich noch nie so gut sortierte Secondhand Läden gesehen habe. Nach einer kurzen Mittagspause beim Mexikaner (mit einer Karaffe Sangria, Guacamole und Nachos), geht es leicht angetrunken zur Parlamentstour. In der einstündigen Führung lernen wir einiges über die neuseeländische Politiklandschaft (zum Beispiel, dass es kein Oberhaus mehr gibt – das wurde 1951 kurzerhand abgeschafft) und schauen uns an, wie die Gebäude erdbebensicher gemacht wurden. Das politische System hier ähnelt sehr stark dem Deutschen – sei es bei der 5 % Hürde oder beim Wahlrecht. Der Unterschied jedoch: die Neuseeländer haben deutlich schneller (als wir Deutschen) nach der Wahl im September 2017 eine Regierung geformt (in nur drei Wochen). Interessant ist, dass die größte Partei (New Zealand National Party) in der Opposition sitzt, und drei kleinere Parteien die Regierung bilden. Ob das so in Deutschland möglich wäre, bezweifle ich – genauso wie die Frage, ob wir überhaupt eine Regierung bilden können. Am Ende setzten wir uns noch ins Parlament und hören einer Steuerdebatte zu. Ein etwas trockener Abschluss, aber dennoch hat sich der Besuch gelohnt.

The next morning, we drive up to Mount Victoria early. Here, we enjoy a nice breakfast on top of the mountain with fantastic views on the city itself. Only a small sign at the parking area reminds us that Wellington is actually named “Windy Wellington”, but we caught a perfectly calm day today. After breakfast and a few photos at the lookout platform, we park Bärbel close to town again and head into the city. On the recommendation of Eve, my old flatmate in Hong Kong, we check out the op (opportunity) shops in town. Although I haven’t found anything, I have to say that the tons of shops we went into were the best second-hand stores I’ve visited so far. Three hours of exhausting shopping asks for an immediate break. We treat us with Mexican food and Sangria (why not having alcohol for lunch, it’s a holiday?) and then go over to the more serious part of the day – visiting the New Zealand parliament. We take the free parliament tour and learn a lot of new things about Kiwi politics and the buildings itself. As a German, it is quite interesting to hear that forming a coalition can be done much quicker (the Kiwis only needed three weeks!) and that the biggest party does not necessarily have to be a part of the government. I doubt, that Merkel would be much amused by that idea – similar to the question if there will be a working coalition within the next few weeks in Germany. Ending the tour with listening to an ongoing parliamentary debate on taxation (which was quite boring as the topic already suggests), it was still worth visiting this place.

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Bevor es am nächsten Tag weiter Richtung Napier geht, besuchen wir noch einmal das Te Papa Museum – schließlich haben wir mehr als die Hälfte des Museums noch nicht gesehen! Diesmal drehen sich die Ausstellungen um die Themen Ansiedlung, Immigration und Maori.  Überflutet von Informationen, und der Einsicht, dass die westlichen Siedler innerhalb von wenigen Jahrzehnten die Landschaft Neuseelands fast komplett zerstört haben (zugunsten von Weidelandschaften für die Abermillionen von Schafen, die hier exzessiv gezüchtet werden), geht es nach einer Kaffeepause zurück zum Parkplatz. Es kann weitergehen!

Before going to our next stop (Napier), we are visiting the Te Papa museum the next day once again – to see the rest of the museum, too! This time, we are visiting exhibitions on settlement, immigration and Maori. Completely overwhelmed by tons of information, and the truth about how much Western settlers have destroyed the nature of this country (for farming, mostly), we head back to the car after a coffee break. Let’s go further!

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bis bald charlotte

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