#25 Randwick: Frohe Weihnachten!

Wir sind nun genau einen Monat in Australien. Gefährliche Tiere? Fehlanzeige. Zwei harmlose Spinnen, ein paar Kakerlaken – mehr haben wir bislang nicht gesehen. Kängurus oder Koalas habe ich bislang auch noch nicht entdeckt. Aber die leben wahrscheinlich alle nicht gerne in einer Großstadt.

Heute ist tatsächlich schon der erste Weihnachtstag. Wahnsinn, wie die Zeit verfliegt und wie schnell wir uns hier in Sydney eingelebt haben. Ich kenne meine Wege zur Arbeit in und auswendig und weiß inzwischen die Namen und Kaffee-Bestellungen von locker zwanzig Stammkunden (large weak extra hot soy flat white with two equals in a take away cup für Greg zum Beispiel). Die Leute haben hier echt einen totalen Kaffee-Tick – teilweise kommen sie jeden Tag für ihren Kaffee vorbei. Im Gegensatz zu Deutschland (und den Niederlanden) wird hier kein normaler Café Americano getrunken, sondern ein Long Black – ein Espresso mit Wasser verdünnt. Das klingt erst einmal ziemlich absurd, schmeckt aber sehr lecker.

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Auch wenn ich mehr als 40 Stunden die Woche arbeite, macht es super viel Spaß. Nach drei Monaten Nichtstun in Asien hat man das Gefühl, wieder etwas Vernünftiges zu machen. Ein weiterer Vorteil: Es gibt immer leckeres Essen für mich und natürlich Unmengen an Kaffee. Die Male, die ich jetzt noch zu Hause mit Marius koche sind daher ziemlich rar geworden (und ich bringe ihm oft noch Reste mit nach Hause).

(Ergänzung von Marius: Ich arbeite jetzt einigermaßen regelmäßig abends im Bat Country. Es macht mir super viel Spaß, ich finde mich schnell mit den Angeboten und den Bestellungen zurecht und das Team ist einfach grandios. Leider kann ich momentan nur etwa 20 Stunden pro Woche arbeiten, aber vielleicht kann ich im neuen Jahr morgens oder mittags noch mehr aushelfen. Als weitere Ergänzung dazu habe ich bei den „Reindeer People“ angefangen. Ich sammle an ein paar Tagen Spenden für die Organisation KIDS HOPE AUSTRALIA, indem ich Rentiergeweihe und Fidget Spinner verkaufe. Den Leuten ausgerechnet letzteres anzudrehen hätte ich nie gedacht, denn noch vor ein paar Monaten habe ich Schulkindern in meinem Unterricht diese nervigen Fidget Spinner weggenommen. Die paar Stunden Spendensammeln ziehen sich leider echt immer sehr in die Länge und es ist ein zermürbender Job. Immer lächeln, unendlich oft „Merry Christmas“ und „Would you like to support Kids Hope Aus?“ wiederholen und dabei einhundert Schaumstoff-Geweihe herumtragen. Egal, der Stundenlohn ist gut!)

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Ein Monat reicht auch, um die Australier und ihre Eigenschaften (und –arten) etwas besser zu verstehen. Da wäre zum Beispiel der Hang zum Small Talk. Egal wie fremd einem die Person ist, man quatscht schnell mal in der Bahn oder in der Schlange vorm Bäcker mit seinem Hinter- oder Nebenmann. Das „Wie geht’s“ zur Begrüßung hat sich bei mir schon fest eingebrannt. Und so hat man das Gefühl, dass man in einer Großstadt wie Sydney nicht allein ist. Als ich mich nach der Weihnachtsfeier mit David, Shri, Alina und ein paar weiteren Freunden auf dem Rückweg hoffnungslos verirrt habe, weil mein iPhone Akku seinen Geist aufgegeben hatte, durfte ich mein Handy in einem Kiosk aufladen. Aus fünf Minuten wurden dann plötzlich 15, weil ich den Verkäufer über seine Heimat Jordanien ausgefragt habe. Wer weiß schon, was für ein politisches System Jordanien hat und in welcher Beziehung es mit seinen Nachbarländern wie Israel oder Palästina steht? Mit funktionierendem Handy fand ich dann auch wieder zur Bushaltestelle (mit meiner Orientierung außerhalb unseres Vorortes hapert es noch etwas bei mir) und der Busfahrer, verkleidet als Santa Claus, verteilte an jeden Fahrgast Weihnachtssüßigkeiten. Sein Sitzplatz war komplett in Lametta gehüllt und passend dazu wurden Weihnachtsklassiker rauf und runter gespielt. „Driving Home for Christmas“ also.

Letzten Sonntag haben Shri, David, Marius und ich bei uns zuhause deutsche Plätzchen gebacken. Ich war erst skeptisch, ob das mit unserem Gasofen so gut funktioniert. Ein Blech ist uns auch verbrannt, aber der Rest der Plätzchen konnte sich sehen lassen. Und beim Plätzchenausstechen und –verzieren kam tatsächlich so was wie Weihnachtsstimmung auf. Und Shri weiß jetzt, was Mürbeteigplätzchen sind.

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Die letzte Woche war – neben unserer Arbeit – auch von Weihnachtsfeiern gespickt. Montags war Marius bei seiner (feuchtfröhlichen) Weihnachtsfeier vom Bat Country und am Dienstag haben wir Weihnachten mit unserer Vermieterin, ihrem Mann und unseren anderen Mitbewohnern gefeiert. Für jeden von uns hatte Santa ein Geschenk gebracht (sogar für die Hunde Ruby Rose, Brim und Ranny) und es gab reichlich Kaltgetränke und Knabbereien. Samstags war dann die Weihnachtsfeier bei David und Shri, und gestern (an Heiligabend) waren Marius und ich dann in Manly – einem größeren Strand im Norden von Sydney. Den kann man vom Sydney Opera House mit der Fähre erreichen. Mit neuem Sonnenschirm bewaffnet verbrachten wir einige Stunden damit, Leute am Strand zu beobachten, die Klatschpresse zu verfolgen und ein Nickerchen zu machen. Der Sonnenschirm ist schon jetzt Gold wert. Auch wenn 30 Grad nicht unbedingt super heiß klingt, knallt die Sonne extrem (hallo Ozonloch!) und man merkt bereits nach wenigen Minuten, wie man sprichwörtlich verbrennt (hallo Hautkrebs!).

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Mittwoch waren Marius und ich am Maroubra Beach. Während Marius für einige Stunden surfen war, wollte ich meinen freien Morgen gemütlich auf meinem Strandhandtuch verbringen – aber schon nach einer Stunde habe ich mich wie in einem Pizzaofen gefühlt. Den Rest der Zeit verbrachte ich dann lieber in einem Café, schlürfte einen leckeren Beerensmoothie und las Zeitung. Mittwoch war übrigens der heißeste Tag im Dezember in Sydney seit Beginn der Wettermessung. In einigen Bezirken (die nicht an der Küste liegen) wurden 42 Grad gemessen. Einen Sonnenbrand habe ich mir in Australien bis jetzt noch nicht geholt (ich creme mich jeden Morgen brav ein, Oma).

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Marius hat sich übrigens ein zweites Surfboard geholt. Ich weiß nicht genau, wie man mit zwei Surfboards gleichzeitig surfen kann, aber er wird das wohl irgendwie können. Zumindest hat er es mir Freitagabend ziemlich stolz präsentiert. (Ergänzung von Marius: dieses zweite Board ist nicht aus Fieberglass gefertigt, sondern aus einem hochwertigen, festen Kern, um den eine Art fester Schaumstoff laminiert ist. Damit geht das Board nicht so schnell kaputt, bzw. ist nicht so anfällig für kleine Macken, die das sonst übliche Fieberglas brechen lassen, was dann eine Reperatur erfordert. Da ich ein Surfboard gern auf die weitere Reise mitnehmen möchte, habe ich mir spontan überlegt, dieses Softboard (Mick Fanning – Little Marley in 5´2´´ für die Experten unter den Lesern) zu testen. Gefällt es mir, dann behalte ich es und verkaufe das andere Brett und es macht das Reisen mit einem Surfboard einfacher! Ach, und übrigens: natürlich kann man mit zwei Surfboards gleichzeitig surfen. Einfach mal „jamie o’brien board transfer“ googlen und sich das erste Video anschauen.)

Heute haben wir endlich mal wieder ausgeschlafen, gemütlich zu Hause gefrühstückt und sind dann nach Coogee, um von dort den Coogee to Bondi Coastal Walk zu laufen. Wie erwartet, waren wir nicht die Einzigen, die am ersten Weihnachtsfeiertag auf diese Idee kamen. Trotz Trubel war der Spaziergang richtig schön, gerade, weil man alle halbe Stunde an einer neuen Bucht vorbeigelaufen ist. Immer vorbei an steilen Felsklippen, Steinformationen, Rock-Pools und sogar einem Friedhof. Und auch das milde Wetter war für die sieben Kilometer Strecke perfekt – ich glaube, bei 30 Grad und gleißendem Sonnenschein wäre ich total verschwitzt in Bondi Beach angekommen. Nach dem Walk waren wir lecker Essen, sind per Bus zurück nach Hause gefahren und haben sogar noch eine weitere Sporteinheit auf der Veranda absolviert. Jetzt liegen wir müde und glücklich im Bett und schauen noch weiter Harry Potter. Morgen ruft der Arbeitsalltag wieder! Der zweite Weihnachtsfeiertag ist hier übrigens der typisch amerikanischeBoxing Day, in dem das Weihnachtsgeld wieder vershoppt wird und viele Geschäfte Rabattaktionen starten. Gut, dass ich den ganzen Tag arbeite (so kann ich mein frisch verdientes Geld nicht direkt wieder ausgeben, sondern für unsere nächsten Reisen sparen).

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Habt noch schöne Weihnachtsfeiertage und esst fleißig Knödel und Rotkohl für uns mit!

bis bald charlotte

 

 

  1. Wie immer: tolle Fotos und super Berichte. Und das sogar zur Weihnachtszeit! Nur die Wärme können wir hier nicht fühlen. Dafür haben wir das traditionelle „Schmuddelwetter“. Ein bisschen Glühwein, Jagatee oder Puntsch kann da ein wenig ablenken. Von Österreich habe ich 3 verschiedene Sorten Puntsch mitgebracht und konnte damit auch die Horst-Family begeistern. Sie waren heut bei mir zum Kaffee und dazu gabs original Nürnberger Lebkuchen. Wie gut, dass ich diese Menge nicht allein verputzen muss. Nächte Woche noch 1-2 Trainingsläufe, damit ich für den Silvesterlauf fit bin.
    Bleibt weiterhin gesund und munter
    Liebe Grüße von Papa Winni

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