#23 Sydney: Wohnungssuche, Wiedersehen und Strandhopping

Ich glaube, man lernt aus jeder Reise wieder etwas dazu. Nach Sydney waren es diesmal acht Stunden Flug mit Air Asia, der größten Billigairline in Asien. Wer hier trotz Langstreckenflug einen Service wie bei Emirates oder Etihad erwartet (so wie ich), wurde bitter enttäuscht. Kein Boardentertainment, kein Essen, keine Getränke. Wir hatten zumindest eine Mahlzeit und ein Getränk im Vorfeld hinzu gebucht, aber bei acht Stunden Flugzeit ist das vielleicht doch etwas mager. Acht Stunden in einem unbequemen und engen Flugzeugsitz können, trotz jeder Menge Schlaf, einem Buch, Musik und drei Folgen einer Netflix Serie verdammt lang werden. Als ich zwei Stunden vor Landung in einen vom Boardmagazin angepriesenen Schokomuffin investieren will, kam der Schock. Alle Muffins sind ausverkauft! Der Steward fügt lächelnd hinzu, dass für den hinteren Passagierteil, in dem locker über 100 Leute sitzen, lediglich ein Muffin verfügbar war. Ein Muffin?! Ich kann es nicht fassen und frage ungläubig zwei Mal nach. So sieht also die Kalkulation bei einer Billigairline aus.

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Gegen 20 Uhr landen wir erschöpft in Sydney. David, ein guter Kumpel aus meinem Bachelorstudium in Münster, hat sich netterweise bereit erklärt, uns vom Flughafen abzuholen. Was für ein Luxus! Bei ihm und seiner Freundin Shri werden wir die ersten zwei Nächte verbringen.

Wir fühlen uns direkt wie zuhause. David hat Snacks und Tonic Water besorgt, wir steuern den Duty Free Gin bei. Durch das eher mäßige Air Asia Catering bestellt Shri vorsorglich noch eine Pizza. Nach zwei Monaten asiatischem Essen fühle ich mich im Gourmet-Himmel. Obwohl Shri und David schon Ewigkeiten zusammen sind, habe ich Davids Freundin vor unserer Reise nach Australien noch nicht kennengelernt. Es ist trotzdem, als würde man sich schon lange kennen. Wir haben einen richtig guten Abend und beschließen gegen Mitternacht, noch spontan feiern zu gehen.

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Mit ordentlichem Kater geht es am nächsten Tag zum Frühstück in ein süßes Café nach Crows Nest, nicht weit von David und Shris Apartment entfernt. Während die anderen ihr Essen bestellen, gehe ich mit Shri zur Apotheke, um etwas gegen meine Mückenstiche und Sandfliegenbisse zu finden. Die letzten Tage in Melakka und Singapur habe ich den Juckreiz noch einigermaßen unterdrücken können, aber seit dem Flug steht mein Körper sprichwörtlich in Flammen. Mein Körper ist übersät von Stichen und ich sehe aus, als hätte ich ein zweites Mal Windpocken bekommen. Der Apotheker zeigt Mitleid und versorgt mich mit einer Salbe. Marius zählt später nach, das ich über 105 Stiche am ganzen Körper habe.

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Nach dem Frühstück fahren wir mit David zu den nördlichen Stränden. Da wir alle noch etwas mit dem Nachwirkungen des gestrigen Abends zu kämpfen haben, erscheint uns ein Tag am Strand genau richtig. Zuerst geht es zum Long Reef Point, einem wunderschönen Aussichtspunkt auf den tiefblauen Ozean. Der Blick auf die Strände sieht verheißungsvoll aus. David erzählt, dass wir nur knapp die Walsaison verpasst haben. Die Wale sind jetzt schon auf dem Weg in die Antarktis.

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Der zweite Strand, zu dem wir fahren, ist Curl Curl Beach. Hier genehmigen wir uns einen Burger (Fabi; ein separater Burger-Blogbeitrag folgt, wenn wir genug Vergleichsmöglichkeiten haben), und legen uns für den Rest des Nachmittags an den Strand. Im Vergleich zu Asien ist das Wasser hier ganz schön kalt (21°C), und ich verschiebe mein erstes australisches Bad im Ozean auf den richtigen Sommer hier. Es ist schon verrückt, dass wir hier in den Frühsommer gekommen sind. Die Bäume blühen noch und tagsüber sind es angenehme 25 Grad. Laut David stehen uns die 40 Grad plus Tage noch im Januar und Anfang Februar bevor.

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Abends fahren wir zu Shris Elternhaus, um dort zu übernachten und auf Freddy, den Hund der Familie aufzupassen. Es gibt Wein, David grillt und wir haben Unmengen an Essen. Für die Weihnachtsparty versprechen wir Shri, deutschen Glühwein mitzubringen. Wobei ich mir nicht wirklich vorstellen kann, dass der bei 30 Grad überhaupt schmeckt. Shri schlägt vor, dass wir uns beim Glühweintrinken vor den Ventilator stellen könnten.

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Dass mit der Weihnachtsstimmung ist hier so eine Sache. Wie soll bei Tanktop-Wetter Weihnachtsstimmung aufkommen? Ich bin noch etwas skeptisch, aber zumindest wird man in jedem Geschäft mit Weihnachtsmusik beschallt. Und wir haben uns mit Shri und David zum Plätzchenbacken verabredet. Vielleicht hilft das. In den Supermärkten habe ich übrigens noch keinen Lebkuchen entdeckt. Dominosteine auch nicht. Und auch Marzipankartoffeln scheint es hier nicht zu geben. Wahrscheinlich werde ich an Heiligabend Obstsalat essen, oder Eis.

Da ist eine weitere Sache, die mir hier in Australien bereits aufgefallen ist. Die Australier sind besessen von Sport. Wohin man auf der Straße blickt, laufen einem Menschen in Fitnessuniform entgegen. In fast jedem Park gibt es eine Fitnessecke, in der man sich mit den Einheimischen an der Klimmzugstange messen kann. Nach zwei Monaten quasi Sportpause durch den Asien-Reisestress und das hervorragende Essen kann man(n oder Frau) sich da schon mal etwas unsportlich fühlen. Aber wir haben ja nun wieder genug Zeit, an unserem australischen Beachbody zu feilen. Ich habe in der letzten Woche auf jeden Fall schon mehr Sport gemacht als in den letzten zwei Monaten. Zwei mal ging es ins Fitnesstudio mit Shri und David, und einmal sind Marius und ich zur Wohnungsbesichtigung gejoggt. Ein verheißungsvoller Start also.

Die Woche über geht es für uns wieder ins Hostel, um Shri und David nicht weiter auf die Pelle zu rücken. Hier treffen wir zum ersten Mal auf die Standart Backpacker aus Deutschland: Frische Abiturientinnen mit Langenscheidt Englisch-Deutsch Wörterbuch neben dem Kopfkissen. Während die deutschen Mädels die nächsten Wochen im Hostel bleiben wollen, ist unsere Mission für die nächsten Tage: Eine Unterkunft finden. Und das ist in Sydney gar nicht so einfach, wie sich schnell herausstellt. Nach drei Tagen intensiver Suche, unzähligen Anrufen und Absagen und vier Besichtigungen haben wir Mittwochnachmittag endlich den erlösenden Anruf erhalten: Wir können bei Lyn, einer älteren Dame mit drei süßen Hunden, einziehen. Sie wohnt mit ihrem Mann in Randwick und vermietet mehrere Zimmer in der gesamten unteren Etage. Von unserem Zimmer und dem Haus werden in Zukunft sicherlich noch ein paar Bilder folgen. Wir  ziehen Dienstag ein und können es kaum erwarten, unsere Rucksäcke endlich einmal komplett auszupacken. Und natürlich etwas mehr Privatsphäre zu haben. Von Lyns Haus sind es gerade einmal zwanzig Minuten zu Fuß bis zum nächsten Strand, Coogee Beach (wird wie Kuji ausgesprochen). Hier werden wir ab nächster Woche dann hoffentlich genauso schnell einen Job finden. Cafés und Restaurants gibt es hier jedenfalls genug. Marius hat bereits sein fast neues Surfboard startklar und wartet nur noch auf schöne Wellen, um loszulegen.

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Bislang gefällt uns Sydney richtig gut. Die Leute sind wahnsinnig nett, die Stadt ist wunderschön und hat gefühlt hundert Strände zur Auswahl. Überall in Sydney ist was los, und so sind wir letzten Sonntag aus Versehen in ein Aborigine-Festival gestolpert. Auch das Essen ist der Wahnsinn, was auch daran liegen mag, dass wir endlich mal wieder für uns selbst kochen können. Eine deutsche Bäckerei haben wir übrigens auch schon gefunden. Mit richtigem Brot, Bretzeln und Rosinenschnecken. Wie ihr seht, werden wir hier also nicht verhungern!

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bis bald charlotte

5 Antworten auf “#23 Sydney: Wohnungssuche, Wiedersehen und Strandhopping”

  1. noch keinen lebkuchen gefunden? wir werden hier in adelaide mit lebkuchen, marzipanstollen und allerlei original deutschem weihnachtskram überhäuft.. in jedem supermarkt.. egal wo man hin sieht…
    aber du hast recht. weihnachts stimmung ist irgendwie anders. vor allem ohne bratwurst und kartoffelpuffer.
    aber vielleicht hätten wir auch vorher nach asien reisen sollen, wir finden das essen hier total ekelig. nichts schmeckt wie zu hause und die qualität ist echt meistens sehr mies. vor allem das fleisch ist yak 😂👌🏻

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    1. Mm, vielleicht waren wir bislang auch in den falschen Supermärkten! Was das Essen betrifft, muss man dazu sagen, dass wir beide eigentlich kein Fleisch essen und solche Probleme daher noch nicht hatten 😀 aber wir waren auch oft auswärts essen oder bei Freunden, vielleicht hatten wir deshalb so viel Glück (

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  2. Toll,toll,toll-vor allem die süßen Hunde!!
    Weihnachtsmarkt und vorweihnachtliche Stimmung kommt bei uns auch nicht auf!.Essen hier viel zu gut – vor allem,weil der Willi oft selber kocht und das ganze Ambiente mit draußen essen bei 25Grad,macht einfach Spaß!!
    Wenn wir nur annähernd 2-3Wochen im Jahr solche angenehnen Temperaturen in Osna hätten,wären wir froh!!!
    Wieder super Bilder!!!!
    Arme Lotti-hoffentlich hilft die Creme!!!!
    Sonnige Grüße aus Playa del Ingles
    Ma und Willi

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  3. 4.Tag zurück im Old Germany und mein Haus hat immer noch keine Weihnachts-Deko. Liegt vielleicht daran, dass die Umstellung von 28 Grad auf gefühlte Null, noch nicht abgeschlossen ist. Jedenfalls hat die Bude Dank Kamin jetzt die Wohlfühltemperatur erreicht. Und beim Weihnachtsbasar habe ich Glühwein und Bratwurst probiert. Also, es entwickelt sich, wie bei Euch…Weiter alles Gute, auch für die Haut👍LG

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