#22 Malakka: das Münster von Malaysia, Multikulti und Massagen

Die Straße von Malakka (oder Melaka bzw. englisch Malacca) ist eine der am stärksten befahrenen Wasserstraßen weltweit, dutzende Containerschiffe ziehen vor der Westküste Malaysias vorbei. Schon vor einigen hundert Jahren war dieser Handelsweg von großer Bedeutung für die Region, und so wuchsen wichtige Handelsstädte wie z.B. Port Dickson oder eben auch Malakka entlang der Küste. Wir checken nach angenehmer Busfahrt von Singapur in unserer zuvor von Lotti gebuchten Unterkunft ein und lernen den vermutlich überfreundlichsten chinesisch-stämmigen Malaysier kennen, der uns alles Wichtige im Hostel Once In Peninsula sowie in der Altstadt Malakkas auf einer selbstgemalten Karte zeigt. Scheinbar sind wir die einzigen Gäste in dem kleinen, ziemlich neuen und super sauberen Hostel. Nach kurzer Erfrischung starten wir eine kleine Erkundungstour mit den beiden Fahrrädern, die uns kostenlos zur Verfügung stehen.

Malakka erinnert mich mit seinen ca. 370.000 Einwohnern irgendwie ein wenig an Münster. Das liegt nicht nur an der Größe, sondern vor allem an der Fahrradfreundlichkeit, dem Vorhandensein einer Altstadt und vielen kleinen, hippen Cafés und Läden, die zum Bummeln einladen. Der ein oder anderen klischeehafte Touristengruppe (meistens Chinesen) rennt man hier auch gezwungenermaßen über den Weg. Der Bereich der Altstadt wurde über die vergangenen Jahrhunderte abwechselnd von den Portugiesen, den Niederländern und den Briten baulich überformt (Kommentar von Lotti: der fachsprachliche Ausdruck eines Geographielehrers) und die verschiedenen Kolonialstile finden sich noch heute überall wieder. Die auf einem Hügel gelegene St. Pauls Kirche wurde mal von den Portugiesen, mal von den Niederländern genutzt und diente in Kriegszeiten als Munitionslager. Heute ist die Kirche verfallen und wird von Künstlern als Rückzugsort und zur Darstellung von Performances verwendet.

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Auf Empfehlung unseres freundlichen Hostel-Chinesen sollen wir das Jonker 88 ausprobieren. Kein Geheimtipp, aber es gibt dort eben günstige, lokale Gerichte. Schön, denken wir und bestellen etwas, das auf Nachfrage am wenigsten scharf ist. Lotti genießt es, ich finde es auch super lecker und sterbe trotzdem dreimal aufgrund innerer Überhitzung und Lippenverbrennung. Her mit dem Eis! Denn das soll eine typische Nachspeise sein: schlichtes Wassereis, das von einem Eisblock abgeschabt und mit Mango bestückt wird, darüber ein ziemlich klebriger Zuckersirup. Es ist ganz lecker, stillt aber vor allem meine brennende Kehle. Interessanterweise wird das Eis auf einer Schicht Mais und Bohnen gebettet, wie wir beim Auslöffeln herausfinden.

Später am Nachmittag fahren wir in Richtung Neustadt, wo sich die meisten Wellnesstempel angesiedelt haben. Lotti lässt sich die Fingernägel neu machen und ich gönne mir eine einstündige Thaimassage (für knapp 10 Euro!). Den Sonnenuntergang beobachten wir nahe einer besonderen Moschee, die auf Betonpfählen über Wasser gebaut ist. Diese Moschee ist wirklich schön und hat einen tollen Ausblick auf die Straße von Malakka mit ihren dahinschippernden Containerriesen und einem riesigen Kreuzfahrtschiff. Die traditionelle Verschleierung ist für uns beide mal wieder Pflicht.

Im angrenzenden arabischen Viertel wird fleißig ein Pestizidmittel versprüht. Die Straßen sind in einen dicken, beißenden Nebel gehüllt. In der Nähe der Moschee erfahren wir dann den Grund der Aktion: auf Plakaten, die in der Nähe der Moschee hängen, wird vor Dengue Mücken gewarnt. Auch wenn unsere Luftröhre beim Einatmen fast wegätzt, ist das uns immer noch lieber als am Schluss unserer Asienreise Dengue Fieber zu bekommen.

Tags darauf erkunden wir den Rest der Stadt auf eigene Faust und werden dabei immer wieder von einer kleinen Gruppe Schülern interviewt. Sie möchten unsere Herkunft wissen, den Grund unserer Reise nach Malaysia und wie wir die Stadt Malakka finden. Der didaktisch-methodische Hintergrund dieser Interviews ist offensichtlich die Förderung der englischen Aussprache der Schüler, das habe ich als Pädagogikexperte doch ganz klar erkannt. Die Schüler sind übrigens sehr interessiert an uns, teilweise aber auch ganz schön frech. Aber als Lotti einmal erwähnt, dass ich Lehrer bin, wird die Gruppe lammfromm.

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Viele Teile der Altstadt und der alten Befestigungsmauern des portugiesischen Forts sind UNESCO Weltkulturerbe. So auch die Straße der Harmonie, auf der die ältesten Moscheen, Tempel und Kirchen stehen. Malaysia hat uns schon von Anfang an mit einem sehr harmonischen Zusammenleben verschiedener Religionen aus aller Welt beeindruckt. Das unterstreicht diese Straße, auf der auf engstem Raum Hindus, Buddhisten, Muslime, Christen und Taoisten gemeinsam leben und in ihren Gotteshäusern beten. Wir besichtigen die nun bestimmt schon fünfte Moschee und erfahren, in langen Gewändern gehüllt, von einer älteren Muslima so einiges über den Islam. Sie stellt uns auch ein paar Fragen zum Christentum und wieder fällt mir auf, wie viele Gemeinsamkeiten diese Religionen doch haben.

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Der Himmel fällt sprichwörtlich immer mal wieder in sich zusammen und schüttet Unmengen an Wasser herab. Mit einem Grab-Taxi kommen wir fast trockenen Fußes in Richtung Neustadt. Stichwort Fuß ist hier richtig, denn wir gönnen uns eine einstündige Fußmassage. Die ist so herrlich, dass wir zwischenzeitlich kurz einnicken, dann aber wieder aufwachen, wenn unsere strapazierten Waden kraftvoll malträtiert werden.

Processed with VSCO with av8 presetZurück in der Unterkunft stellen wir fest, dass der Boden zum Teil unter Wasser steht. An einigen Stellen sogar bis zu fünf Zentimeter. Der Besitzer kommt kurze Zeit später und öffnet die Tür von zwei Gästezimmern, eines davon war unseres (unser Gepäck war glücklicherweise in einem anderen, trockengebliebenen Raum untergebracht, da wir ja schon vormittags auschecken mussten). Die Matratze war komplett durchnässt und von der Decke tröpfelte es durch. Das andere Zimmer sah noch schlimmer aus, dort ist die gesamte Decke eingestürzt. Uns tun die Jungs vom Hostel super leid, gerade weil der betroffene Teil erst vor drei Monaten renoviert wurde. Leider können wir nicht helfen, da wir unseren Bus in Richtung Kuala Lumpur International Airport nehmen müssen.

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Wir nehmen Abschied von Malaysia, einem Land mit tausend Gesichtern, vielen Kontrasten und wieder einmal super freundlichen Menschen. Ich muss sagen, dass ich Malaysia komplett unterschätzt habe und enorm beeindruckt bin. Und das, obwohl wir nur einen Bruchteil dieses Landes gesehen haben, welches in etwa so groß ist wie Deutschland. Da Kuala Lumpur ein internationaler Knotenpunkt von Asienflügen ist, werden wir sicher noch einmal herkommen.

bis bald marius

  1. Ihr Lieben,
    habe gerade erst erkannt,d.du,lieber Marius schon wieder einen Reisebericht geschrieben hattest!!
    Die Bilder sind ja auch wieder gigantisch!
    Wir werden morgen vormittag dann in unsere 2.Unterkunft umziehen-haben nun Halbzeit.
    Ich amüsiere mich immer köstlich drüber,wie Lotti das scharfe Essen verträgt und du da wohl doch noch so deine’Probleme’hast :-))
    Schönen 1.Advent wünschen wir euch!!

    Gefällt 1 Person

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