#20 Tekek, Tioman Island: Traumstrände, Mückenplage und ein witziger Japaner

Tag 1:

Mit dem Nachtbus geht es um kurz vor Mitternacht Richtung Mersing. Von dort soll in den Morgenstunden die Fähre nach Tekek auf Tioman Island abgehen. Das Busterminal in Kuala Lumpur ist unfassbar modern und erinnert eher an ein Flughafenterminal. Wir holen unsere Tickets vom Schalter ab und müssen über die Versicherungsreklame schmunzeln. Man kann Hände, Füße oder Augenlicht für 0.40 Ringgit (ca. 8 Cent) versichern lassen. Ich frage die Frau am Schalter, ob die Busfahrt wirklich so gefährlich sei und zeige auf das Versicherungsangebot. Sie muss selbst lachen. Wir beschließen, dass wir unsere Hände, Füße und Augen dem Risiko einer Busfahrt aussetzen und die Versicherung trotz unschlagbarem Preis nicht abschließen.

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Der Bus ist wie zu erwarten eiskalt. Wir ziehen nach und nach alles an, was wir im Handgepäck verstaut bekommen haben. Die Nacht bleibt kurz und gegen fünf Uhr sind wir bereits in Mersing. Die Stadt schläft noch und wir kämpfen uns mit unserem Gepäck zum Fährenterminal. Frühstück (für Marius ziemlich scharf!), Ticketkauf und ein kurzer Outfitwechsel in luftigere Klamotten – es kann weitergehen.

Die Fährenfahrt verschlafe ich komplett. Gegen 10 Uhr kommen wir an und trotten bei 30 Grad plus zu unserer Unterkunft. Mir kommen langsam Zweifel auf, wie ich bei diesen Temperaturen drei Tage lang ohne Klimaanlage auskommen soll. Wir haben lediglich ein „Chalet“ (schöneres Wort für Hütte) mit Ventilator gebucht.

Unsere Unterkunft ist bescheiden, aber für den Preis netter als erwartet. Nachdem wir die Taschen abgeladen haben geht es direkt zum Strand. Das Wasser ist kristallklar und spiegelglatt. Wir hüpfen kurz hinein und machen uns dann auf die Suche nach einem zweiten Frühstück (Marius: „Bitte nicht scharf!“). Beim Cabana Resort bleiben wir hängen – wie sich herausstellt, werden wir hier die nächsten Tage noch so einige Stunden verbringen. Es gibt Toast mit Ei, Pfannkuchen, Bananenmilchshake und einen Eiskaffee.

Nach dem Essen sind wir hundemüde. Wir haben letzte Nacht beide wenig geschlafen und das macht sich jetzt bemerkbar. In den Nachmittagsstunden schaffen wir es gerade noch, bei einigen Anbietern nach Schnorcheltouren zu fragen. Den Rest des Nachmittags verbringen wir im badewannenwarmen Wasser. Am Cabana treffen wir noch einen britischen Japaner Yuji („100% Made in Japan„), der auch bis Montag auf der Insel ist. Seine freundliche Art und sein Humor stecken direkt an. Während wir im Wasser planschen, macht er eine kleine Stand Up Paddeling Tour an der Bucht und sahnt bei den Fischern kostenlosen frischen Fisch ab. Sein Abendessen ist auf jeden Fall gesichert. Wir verabreden uns auf ein Bier am Abend.

Nach einer kurzen Dusche und einem Besuch beim örtlichen Duty Free Shop (von denen gibt es in Tekek eine Menge) schaffen wir es noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang. Mit einem kühlen Bier lässt es sich am Strand gut aushalten. Einziges Manko: die abertausenden Sandfliegen und Mücken. Aber damit muss man leben, bei so einem Blick.

Den Rest des Abends verbringen wir im Cabana. Neben Yuji treffen wir hier auch auf einen Amerikaner und seine Familie, die mit ihrem 17 Meter langen Katamaran vor Anker in der Bucht liegen. Er ist Pilot für Privatjets reicher Chinesen. Was ein Leben. Vielleicht sollte ich doch noch umschulen?

Tag 2:

Wir stehen um kurz vor acht auf. Das Ziel: eine bezahlbare Schnorcheltour für zwei Personen finden. Das französische Pärchen, dass in der Hütte neben uns geschlafen hat, ist leider heute morgen schon abgereist. Nach kurzem Spaziergang müssen wir feststellen, dass die Insel verschlafener ist, als erwartet. Nichts hat geöffnet. Um das um halb neun morgens. Ich hätte erwartet, dass die Leute hier bei so einer Hitze früh aufstehen und wie die Südeuropäer Siesta halten. Gerade, weil die Muslime unter den Einwohnern doch eh vor dem Sonnenaufgang zum Gebet aufstehen müssen. Aber gerade ist die tiefste Nebensaison, und vor neun Uhr kräht hier höchstens der Hahn.

In der Nähe des Fährenterminals finden wir ein offenes Restaurant. Die Besitzerin schreit uns „Breakfast, breakfast“ zu. Da ansonsten nichts offen hat, ist die Entscheidung schnell getroffen. Wir bestellen zwei Pfannkuchen und Fruchtsäfte. Der Pfannkuchen erinnert mich stark an marokkanische Crêpes. Lecker, aber wie sich herausstellt leider nicht so günstig. Morgen werden wir etwas Anderes suchen.

Wir beschließen, die Schnorcheltour auf morgen zu verschieben und heute zur anderen Seite der Insel zu wandern. Sieben Kilometer durch den Dschungel. Yuji begleitet uns. Nachdem wir den Eingang des Wanderwegs hinter der örtlichen Moschee gefunden haben, stehen wir nach wenigen Metern bereits mitten im tiefsten Dschungel. Der Weg scheint wenig benutzt und die Vegetation hat sich ihren Lebensraum wiedergeholt. Die Luftfeuchtigkeit ist irrsinnig hoch und die Mücken sind irrsinnig blutrünstig. Die Geräuschkulisse um uns herum nimmt zu, je weiter wir vorankommen.

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Zwischen uns und Juara Beach liegt eine Bergkette. Das heißt, wir laufen die meiste Zeit bergauf. Der höchste Berg auf Tioman Island ist übrigens 1038 m hoch, aber ziemlich weit von unserem Dschungelweg entfernt. Der Schweiß läuft und wäscht das Insektenschutzmittel ab. Wir alle stöhnen über jeden Schritt. Teilweise führen Treppenstufen hinauf, was uns zumindest schneller vorankommen lässt. Der Schweiß läuft trotzdem unerbittlich.

Unterwegs entdecken wir immer wieder witzige Insekten am Wegesrand. Mal einen Tausendfüßler, mal eine riesige Ameise. Zwischendurch folgen uns eine Gruppe Affen. Es wird nicht langweilig.

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Nach zwei Stunden erreichen wir die Straße, welche von Tekek nach Juara führt. Von hier aus geht es wieder bergab. Nur wenige Autos überholen uns, einige Motorradfahrer liefern sich kleine Rennen auf den steilen Straßen. Am Wegesrand finden wir eine tote grüne Peitschennatter. Obwohl wir vor Schlangen wie dieser gewarnt wurden, bleibt dies die einzige Begegnung. Ihr Biss ist übrigens nicht tödlich. Ein ähnliches lebendes Exemplar habe ich bereits in Myanmar über die Straße schlängeln sehen.

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Nach einem weiteren Kilometer erreichen wir den Wasserfall. Yuji und Marius hüpfen direkt rein, ich muss mich erstmal an die Wassertemperatur gewöhnen. Am Ende ist es aber doch eine angenehme Abkühlung.

Zum Juara Beach ist es von hier aus nur noch ein Katzensprung. Wir steuern das nächste Restaurant an und bestellen gebratene Nudeln und Eistee zum Mittagessen. Den Rest des Nachmittags planschen wir im warmen Wasser. Durch den leichten Wind fühlt sich die Temperatur hier deutlich angenehmer an. Auch Juara wirkt wie ausgestorben und wir sind die einzigen im Wasser. Der Strand ist kilometerlang und der Sand ist unfassbar weiß und fein. Trotzdem sind wir froh, gegen Abend mit einem Einheimischen zurück nach Tekek zu fahren. Dort ist dann doch noch etwas mehr los. Yuji bringt mir über den Tag hinweg ein wenig Japanisch bei. Wusstet ihr, dass Karaoke „empty orchestra“ (kara oke) heißt?

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Tag 3:

Heute geht es zum Schnorcheln. Wir haben gestern Abend noch Luke aus Deutschland und Anna aus Korea kennengelernt, die gerne dazu stoßen wollen. Yuji ist auch mit an Bord, obwohl er sich am ersten Tag beim Schnorcheln einen fetten Sonnenbrand geholt hat. Wir treffen uns um neun Uhr vor unserer Unterkunft. Wie sich später herausstellt, viel zu früh. Marius und mein Körper sind übersäht von Mückenstichen. Ein Mitbringsel aus dem Dschungel. Mein ganzer Körper juckt. Ich habe aufgehört, die Stiche zu zählen, aber es müssen locker über 30 sein.

Wir warten insgesamt gut zwei Stunden, bevor es endlich losgeht. Je mehr Zeit vergeht, desto gereizter werde ich. Aber das nennt man wohl malaysische Pünktlichkeit. Und an meiner malaysischen Gelassenheit muss ich noch etwas arbeiten.

Das Schnorcheln ist der Wahnsinn. Wir steuern insgesamt fünf Stopps an. Überall wunderbare bunte Fische und Korallen. Am letzten Stopp sehen wir sogar einen kleinen Black Tip Hai. Ungefährlich für Menschen, aber im ersten Moment rutscht einem doch das Herz in die Hose. Schließlich sieht das Tier immer noch aus wie eine Miniversion vom weißen Hai und umkreist uns, als ob er eine Attacke auf uns plant. Am Ende traue ich mich aber sogar, dem Hai hinterher zu Schnorcheln.

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Als wir eine riesige Qualle ein paar Meter weiter entdecken, bekommen wir dann doch etwas Bammel. Und riesig bedeutet, dass die Tentakel locker mehrere Meter lang waren. Ob die Qualle giftig war oder nicht, wissen wir nicht. Aber wir haben schleunigst eine 180 Grad Wende gemacht. Gut so, denn im quallenfreien Gewässer haben wir ihn dann gefunden: Clownfisch Nemo!

Am letzten Halt entdecken wir auch einen Stachelrochen. Der ist definitiv gefährlich. Wer sich dran erinnert: Crocodile Hunter Steve Irwin starb Anfang 2000 durch eine Attacke eines Stachelrochens.

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Morgen geht es dann um sieben Uhr mit der Fähre zurück nach Mersing und dann weiter nach Singapur. Hier wollen wir zwei Tage bleiben. Nun heißt es, noch die letzten Stunden im wunderschönen Tekek (trotz Mückenstiche und kleinem Sonnenbrand vom Schnorcheln) zu genießen. Das Bier ist hier übrigens fast günstiger als Wasser.

Processed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetbis bald charlotte

 

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