#19 Kuala Lumpur: Man schwitzt und Essen brennt zweimal

Anstatt wie geplant über London und Muskat (Oman) nach Kuala Lumpur zu fliegen, habe ich unfreiwillig den Direktflug von Amsterdam nach Kuala Lumpur nehmen müssen (KLM Royal Dutch Airline hatte den Flug von Amsterdam nach London kurzerhand gestrichen). Naja, der Direktflug bedeutete weniger Umsteigen und ziemlich genau fünf Stunden Zeitersparnis, sodass ich tatsächlich fast zeitgleich mit Lotti in Malaysia gelandet bin. Da sag ich doch nicht nein, auch wenn der erste Schock über meinen gestrichenen Flug groß war. Nun starte ich also auch in unser weit-weg-Abenteuer und sitze jetzt bereits an meinem ersten Blogartikel über unsere drei Tage in der Hauptstadt Malaysias.

Lotti hat ein goldenes Händchen bei der Auswahl der Unterkünfte, das hat sie sofort in Kuala Lumpur unter Beweis gestellt. D´Majestic bietet luxuriöse residences, und so finden wir uns bei tropischen Temperaturen ziemlich schnell im Infinity Pool auf dem Dach des zwanzig-stöckigen Hochhauses wieder. Den Abend runden wir mit Pestonudeln ab (die ich zollfrei auf Lottis Wunsch hin aus Deutschland importiert habe).

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Kuala Lumpur, von den Einwohnern einfach nur KL genannt, ist ein bunter Mischmasch aus allen erdenklichen Kulturen. Am häufigsten sind Muslime vertreten und so stolpern wir nach dem Aussteigen aus der Metro in die älteste Moschee Malaysias (Masjid Jamek, erbaut 1908). Lotti trägt plötzlich Hijab und ich muss meine Knie mit einem Herrenrock bedecken. Ein freundlicher Mann in der sehr schönen, schlichten Moschee erklärt uns unter anderem, dass Muslime keine Abbilder Gottes, keine Apostel oder keine Statuen anbeten, sondern direkt zu Gott. Das war mir so auch noch nicht bewusst. Wir lernen von diesem Mann noch viel mehr über den Islam und ich bin über die vielen Gemeinsamkeiten zum Christentum überrascht. An einem Bildschirm zeigen verschiedene Uhren alle Gebetszeiten an, das Mittagsgebet wird schon vorbereitet. Wir werden gebeten, doch ein paar Fotos zu machen. So offen habe ich den Islam noch nicht kennen gelernt.

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Die Freundlichkeit der Malaysier begegnet uns vielerorts. Mal wird mit einem Pflaster ausgeholfen (ich habe mir den Zeh am Straßenrand blutig gestoßen), oder es wird nett, aber nicht aufdringlich auf eine Ausstellung hingewiesen. In dieser Expo erfahren wir unter anderem, dass man bald (2026) mit einem Schnellzug von KL nach Singapur fahren kann.

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Der Bird Park (das weltweit größte Freifluggehege) ist ein kleiner Reinfall. Es mag vielleicht schön darin sein und exotisches Federvieh geben, für uns ist er aber eindeutig zu teuer. Der lange Fußmarsch dorthin war also umsonst, wir kommen halb um vor schwüler Hitze und sind irgendwie froh, als es ganz leicht anfängt zu regnen. Ein Grab Taxi bringt uns super günstig nach China Town. Grab ist eine App, mit der man private Fahrer anheuern kann und man zahlt einen vorher für die Strecke festgelegten Preis. Deutlich günstiger als das normale Taxi, bei dem man sowieso immer Gefahr läuft, als Tourist über den Tisch gezogen zu werden. Zu zweit ist es fast so günstig wie Metro fahren.

Als wir China Town betreten, hätten wir auch in jeder anderen Stadt in China Town sein können. Alles ist Ramsch, billig, es blinkt und glitzert, T-Shirts sind mit komischen Sprüchen bedruckt, das Bayerntrikot bekommt man fast geschenkt (is original, my friend!) und wir sollen nur looki looki machen, very cheap! Ich suche nach einer neuen Hülle für mein iPhone und möchte sichergehen, dass diese auch das Display am Rand umschließt. Der Preis steht nach kurzem Handeln und ich frage: „Can I try first?“ Schließlich war die Handyhülle noch in der Verpackung. „Can you pay first?“ ist die stumpfe Antwort und ich ziehe erfolglos weiter. Ich werde am Tag darauf in einer Shoppingmall noch viele Hüllen ausprobieren können und eine passende finden.

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Der Hunger wächst bei uns beiden und so beschließen wir, in einem Food-Court auf den billigen Plastikstühlen Platz zu nehmen. Lotti bestellt eine Suppe, die nur ein wenig scharf sein soll. Ich bestelle asiatische Nudeln, no spicy! Die Nudeln kommen und sind unfassbar scharf. Ich leide, gebe mich aber tapfer. Viel später kommen… nochmal Nudeln. Die sehen eher so aus wie die, die ich eigentlich bestellt habe und dann wird uns erklärt, dass ich die ganze Zeit die von Lotti bestellte „Suppe“ esse. Wobei von essen kaum die Rede sein kann, meine Stirn glänzt vor Kampfschweiß und die große Wasserflasche ist halbleer. Es bleibt die Erfahrung, dass malaysisches Essen richtig scharf sein kann und tatsächlich zweimal brennt, wie ich am Tag später leider feststellen muss. Wir finden noch einen Snack für Lotti und machen uns auf den Heimweg, um ein wenig in unserem luxuriösen Apartment zu entspannen. Und Schweiß, Staub und Sonnencreme von uns abzuduschen.

Am Abend ziehen wir trotz der schwülen Wärme lange Hosen, bessere Shirts und feste Schuhe an, denn ein Top-Tipp ist der Besuch einer Bar, die sich auf dem Dach eines Hochhauses befindet. Eigentlich ist so eine Rooftop-Bar ja nichts Besonderes, doch diese Bar wird jeden Abend auf dem Helikopter-Landeplatz aufgebaut. Die Plattform bietet – ohne gewissenhaft-deutsche Umzäunung – einen atemberaubenden Rundumblick auf die umliegenden Hochhäuser und den blinkenden Fernsehturm. Die Cocktails haben europäische Preise (und auch die Gäste sind oft aus Europa). Eines der Hochhäuser, die für KL berühmten Petronas Towers, besuchen wir später. Ich finde sie wirklich schön und einzigartig. Ein Grab Taxi bringt uns nach Hause und wir fallen K.O. ins Bett.

Processed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetTag zwei startet mit Toast and Juice zum Frühstück im gleichnamigen Restaurant gegenüber unserer Unterkunft. Genauso wie am Tag zuvor, denn es schmeckt unfassbar gut. Wie bekommt man nur so leckere Sandwiches belegt mit Salat, Ei und Kartoffelpuffern hin? Gestärkt für ein paar Stunden beginnt eine typisch touristische Stadtrundfahrt mit dem hop on/hop off Bus. Uns erscheint diese Methode, die Stadt zu erleben, mit Blick auf die extreme Hitze und die vielen Sehenswürdigkeiten, ziemlich sinnvoll. So werden uns also schön der Reihe nach sämtliche wichtige Gebäude, Moscheen, Hochhäuser, Märkte und Stadtviertel häppchenweise präsentiert. Wir steigen kurz am Königspalast aus und schießen in wenigen Minuten locker 30 Fotos. Voll touri-like!

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Der Chow Knit Market reizt uns, sodass wir an dieser Haltestelle (von insgesamt 23 Stopps) erneut aussteigen. Wir befinden uns in einem Viertel, in dem scheinbar die untere, ärmere Schicht der Gesellschaft KL´s wohnt. Nach etwa einer halben Stunde zu Fuß und dem Verlust von mindestens einem halben Liter Schweiß finden wir den Markt. Kuhfüße baumeln am Fleischstand herab, riesige Fische werden grob zerhackt und frisches Obst und Gemüse (so manches habe ich noch nie gesehen) stapelt sich auf den Auslagen. Es herrscht angenehmes Treiben, momentan ist auch wohl gerade Mittagszeit. Das melden auch unsere Mägen und wir steuern die nächste Fressbude an: günstiges, leckeres Essen, welches nicht touristisch überformt und westlich beeinflusst, sondern absolut lokal ist. Die Wasserreserven füllen wir mit dem süßen Wasser einer Kokosnuss, frisch aufgehackt natürlich.

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Es folgt ein absoluter Bruch: lokale Straßenbuden und billige Ramschläden werden durch Louis Vuitton, Rolex und Zara ausgetauscht. Hop on/hop off… andere Welt! Ziel ist eine riesige Shoppingmall, in der sich laut Lottis Recherche eine Achterbahn befinden soll. Gut, denke ich, vielleicht ein lahmer Abklatsch der wilden Maus auf deutschen Jahrmärkten. Nix da! Diese Achterbahn hätte gut und gerne im Heide Park Soltau stehen können. Die Achterbahn nimmt einen Teil der riesigen Berjaya Times Square Shoppingmall ein und fährt mit einem Looping, zwei Schrauben und ziemlich schnellen Abschnitten auf. Die drei Fahrten, die wir lösen, werden wir später definitiv nicht bereuen.Processed with VSCO with av8 preset

Mir fröstelt es in der klimatisierten Shoppingmall und wir machen uns auf den Weg zur Haltestelle unseres Busses. Der zwischenzeitlich starke Regen hat wieder aufgehört (und noch mehr Schwüle hinterlassen), jedoch setzt der Feierabendverkehr gerade voll ein. Für ein paar Hundert Meter brauchen wir mehr als eine halbe Stunde und wir beschließen, bis ins Stadtviertel Little India zu gehen (etwa anderthalb Kilometer). Ich habe dort ein vegetarisches, indisches Restaurant ausgemacht. Das Essen ist super und ich muss an Kaya Yanars Witze über Inder denken. Wir grabben uns ein Taxi und können noch in unserem Luxusapartment duschen und entspannen, bevor wir Richtung Busterminal aufbrechen, um den Nachtbus an die Ostküste Malaysias nehmen. Kuala Lumpur ist absolut einen Besuch wert!

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bis bald marius

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