#18 Nyaung Shwe: Kotzende Französinnen, Meditation und die Frage, warum es sowas nicht in Deutschland gibt

Nach einer etwas unruhigen Nacht in meinem Hostelzimmer (zwei Französinnen hatten offenbar einige Probleme mit ihrem Magen-Darm-Trakt), und der Erkenntnis, dass es in solch einer Situation sehr unangenehm ist, wenn der Eingang zum Bad direkt an dein Hostelbett grenzt, starte ich unausgeschlafen und früh in den Tag. Packen, auschecken und frühstücken bevor es um acht Uhr zur Tagestour losgeht. habe genau einen Tag am Inle See, und der muss ausgenutzt werden.

Meine Gruppe sammelt sich vor der Unterkunft. Vier sehr nette Mädchen aus Schottland, England und Kanada. Ich bin noch deutlich gezeichnet von der Nacht und der Kaffee hat noch nicht angeschlagen. Ich entschuldige mich für meine fehlende morgendliche Gesprächsbereitschaft und erkläre meine Situation. Jeder hat Verständnis.

Nachdem alle an Bord sind, geht die dreistündige Fahrt nach Sam Kar los. Im Hostel wurde diese Tour als die weniger touristische angepriesen. Ich bin gespannt, ob sich der weite Weg bis an die südliche Spitze des Inle Sees lohnt. Mein Reiseführer sagt, dass der See der zweitgrößte See in Myanmar ist. Von Nyaung Shwe bis zum südlichsten Zipfel sind es 22 Kilometer.

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Das Wetter ist ziemlich grau und durch den Fahrtwind ist es eisig kalt. Netterweise liegt auf jedem Stuhl eine Decke bereit. Die Berge sind noch komplett von Nebel bedeckt, und ich beschließe, ein kleines Nickerchen einzulegen. Zu sehen gibt es gerade sowieso nichts.

Nach anderthalb Stunden dann der erste Halt. Das Boot muss getankt werden. Überall auf und am See gibt es schwimmende Dörfer, in denen die Intha, die Einwohner des Inle Sees, wohnen. Das Benzin wird in abgefüllten Plastikflaschen verkauft.

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Je weiter wir uns von Nyaung Shwe entfernen, desto weniger Touristenboote begegnen wir und umso besser wird das Wetter. Auf der Fahrt sehen wir neben den schwimmenden Dörfern auch die schwimmenden Gärten der Intha. Da der See nicht gerade tief ist, sind viele Abschnitte bepflanzt. Wir kommen sogar an einem schwimmenden Feld voller Lotusblüten vorbei.

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Neben zwei Klosteranlagen schauen wir uns eine Töpferei und eine Reisweinfabrik an. Nichts, was ich nicht schon gesehen habe, aber es gibt gratis Reiswein, die Natur ist wunderschön und die Mädels sind gute Gesprächspartner. Zudem treffen wir unterwegs immer wieder auf Boote, die randvoll mit burmesischen Familien gefüllt sind. Jedes Mal wird uns wie wild zugewunken. Und jedes Mal kann ich es nicht fassen, in so viele freudenstrahlende Gesichter zu blicken.

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An der Töpferei schenken uns Kinder Lotusblüten. Wir bringen ihnen High Five bei und klatschen jedes Kind zehnmal ab. Am Ende siegt trotz trauriger Kinderaugen der Zeitdruck – es ist bereits drei Uhr nachmittags, und wir (beziehungsweise ich) müssen zurück nach Nyaung Shwe. Mein Nachtbus geht um 19 Uhr, und den will nicht ich unbedingt verpassen.

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An der Bushaltestelle treffe ich eine Holländerin. Sie ist wie ich auf dem Weg nach Yangon, und will von dort aus den Flieger zurück nach Amsterdam nehmen. Sie erzählt mir, dass sie einen zehntägigen Meditationskurs hinter sich hat. Zehn Tage lang meditieren, von morgens fünf bis abends neun Uhr. Dazu absolutes Redeverbot und lediglich zwei Mahlzeiten am Tag. Meditiert wird nur im Sitzen. Die Holländerin gibt zu, dass sie während der Tage öfters übers aufgeben nachgedacht hat.

Mein Nachtbus ist diesmal noch luxuriöser als die Male davor. Hätte ich das Kapital, würde ich diese Dinger direkt in Deutschland einführen. Sitze, die man zu Liegen ausklappen kann, mit eigenem Monitor; dazu verschiedenen Snacks und Heißgetränke. Wir werden von einer männlichen Bus-Stewardess bedient, die sogar einen Anzug trägt. Bei der ersten Pause gibt es für jeden eine Zahnbürste und Zahnpasta. Was ein Service.

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Nichtsdestotrotz täuscht die Ausstattung des Buses nicht über den schlechten Zustand der Straßen im Hinterland von Myanmar hinweg. Die Holländerin und ich haben die letzte Reihe im Bus erwischt. Jedes Schlagloch fühlt sich hier doppelt so schlimm an und ich bereue es, meine Reisetabletten nicht griffbereit zu haben. Die ersten zwei Stunden ist mir speiübel und es kostet mich jegliche Konzentration, die Kontrolle über meinen Magen zu behalten. Im Sitz vor mir steckt die Kotztüte (die netterweise bereitgestellt wird) schon griffbereit. Je weiter wir Richtung Yangon kommen, desto angenehmer wird die Fahrt, und ich kann gegen Mitternacht endlich einschlafen. Am frühen Morgen kommen wir in Yangon an und geht es für mich direkt weiter zum Hostel. Hier werde ich noch eine Nacht verbringen, bevor es morgen früh nach Kuala Lumpur weitergeht und ich endlich Marius wieder sehe. Auch wenn die letzten Wochen der Wahnsinn waren, kann ich es kaum erwarten, mit ihm zusammen weiterzureisen und gemeinsam Abenteuer zu erleben.

bisbald

3 Antworten auf “#18 Nyaung Shwe: Kotzende Französinnen, Meditation und die Frage, warum es sowas nicht in Deutschland gibt”

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