#14 Bagan: Pagoden, E-Roller und panische Amerikaner

Um von Yangon nach Bagan zu kommen habe ich mich wieder zum Nachtbus hinreißen lassen. Dieses Mal im VIP-Bus – das versprach deutlich mehr Komfort, mehr Platz und … eine noch aktivere Klimaanlage. Trotz Alaska-Kälte konnte ich der Busfahrt viel abgewinnen. Keinen Sitznachbarn, keine nervige Musik und Verpflegung inklusive  – falls ich also nochmal den Nachtbus nehmen sollte, lege ich die 3500 Kyat extra (2,20 Euro mehr im Vergleich zum normalen Nachtbus) gerne hin. Und packe vielleicht doch noch eine extra Jacke ein.

Im Hostel angekommen kam erst einmal der Schock: Ich konnte um acht Uhr morgens weder mein Zimmer beziehen, geschweige denn duschen oder im Hostel frühstücken. Bislang waren meine Hostels sehr kulant gewesen und ließen mich immer früher ins Zimmer. In diesem Fall war das leider nicht möglich. Meine Laune war nach vier Stunden Schlaf nicht unbedingt die Beste, aber als ich gedankenverloren an der Rezeption saß und überlegte, wie ich in diesem (ungeduschten) Zustand den Tag verbringen sollte, wurde ich von Julia angesprochen, einer Düsseldorferin, die für gerade einmal neun Tage Myanmar bereist. Da sie vor der selben Check-In-Problematik stand wie ich, beschlossen wir, zusammen den Tag zu verbringen. Das Ausleihen der E-Roller verlief sehr unkompliziert (5000 Kyat für einen Tag, und der Verleih wollte noch nicht mal unseren Ausweis einbehalten) und ich war erstaunt, dass ich trotz mangelnder Fahrkenntnisse nach kurzer Zeit bereits den Dreh raushatte. Und natürlich habe ich einen Helm getragen, Papa.

Wir fanden relativ schnell heraus, dass der Besuch der größeren Tempel nicht unbedingt unser Ding ist (da es hier von riesigen Ausflugsbussen und nervigen Händlern wimmelte), und konzentrierten uns auf die in der Karte eingezeichneten Aussichtspunkte. Meist waren es kleinere Pagoden, bei denen der Eingang offen stand und man von oben einen tollen Ausblick genießen konnte. Ein wenig abenteuerlich war es schon, durch die kleinen Gänge nach oben zu klettern, aber wir wurden mit wunderschönen Ausblicken belohnt.

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Bagan ist definitiv kein Vergleich zu Angkor in Kambodscha. Ich hatte das Gefühl, es gibt abertausende Pagoden, an denen wir halten könnten, und bei den abgelegeneren Pagoden waren wir tatsächlich die einzigen Gäste. Der Mix aus Natur, Pagoden und Berglandschaft war einfach wunderschön. Mit unseren Rollern konnten wir die Hauptspots der chinesischen Touristen umfahren und waren abseits der Hauptstraße komplett alleine. Zwischendurch hielten wir an Straßenständen für eine obligatorische Kokosnuss (die einfach so viel besser schmeckt als in Deutschland).

Kurz vor Sonnenuntergang hatte mein Hinterreifen dann einen Platten. Wir hatten am Morgen nicht unbedingt auf die Qualität der Roller geachtet, den erstbesten Rollerverleih angesteuert und bekamen jetzt die Quittung dafür. Gott sei Dank waren wir nicht mitten in der Wildnis gestrandet, sondern fanden uns in der Nähe eines gutbesuchten Palastes. Eine Burmesin rief netterweise den Rollerverleih an, und 30 Minuten später kam ein Mechaniker mit einer Luftpumpe. Der aufgepumpte Reifen hielt genau 200 Meter, und wir beschlossen, meinen Roller besser stehen zu lassen und zu zweit auf Julias Roller weiterzufahren.

Beim Sonnenuntergang hatten wir leider nicht so viel Glück wie zuvor bei den anderen Pagoden. Waren wir die erste halbe Stunden noch alleine auf dem Dach, gab es eine Stunde später keinen freien Stehplatz mehr (und ich hatte mich schon gewundert, warum vor der Pagode so viele Händler ihre Stände aufgebaut hatten). Durch die vielen Wolken war der Sonnenuntergang außerdem unspektakulär und wir fuhren früh wieder zurück zum Hostel. Endlich eingecheckt (wir durften netterweise gemeinsam ein Zimmer beziehen) war die (kalte) Dusche ein himmlisches Erlebnis. Dadurch, dass der Großteil der Straßen und Wege in Bagan nicht befestigt ist, habe ich locker eine zentimeterdicke Staubschicht von mir herunter gewaschen.

Am nächsten Tag klingelte der Wecker um Viertel vor fünf zur Sonnenaufgangstour, die unser Hostel kostenlos anbot. Wieder ging es zu einem abgelegenen Tempel, und wieder war die Aussicht wunderschön. Um kurz nach sechs stiegen dann die ersten Heißluftballons auf, die Touristen hier für 350 US-Dollar buchen können (ich hatte vor meiner Reise auch überlegt, so einen Flug zu buchen, aber für gerade einmal 45 Minuten fand ich den Preis sehr übertrieben). Und auch von unserer Pagode aus war der Sonnenaufgang fantastisch. Ich glaube, die Bilder sprechen für sich selbst. Wer bis jetzt noch zweifelt, Myanmar zu bereisen, den werden die nachfolgenden Fotos hoffentlich überzeugen.

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Bis zum Mittag ging es weiter durch die Tempellandschaft. Am Shwe Leik Too Tempel trafen wir auf eine Reisegruppe aus Amerika, und Julia wurde versichert, „you are very brave to travel this country alone without booking a guided tour„. Ja, super mutig sind wir. Ich muss sagen, ich fühle mich in Myanmar bislang viel sicherer als in Kambodscha, und kann über die Panikmache der Amerikaner nur lächeln. Auch wenn es an der Verständigung manchmal hapert, sind alle Burmesen, die ich bislang getroffen habe, super hilfsbereit. Lustigerweise sind wir Europäer hier immer noch eine Rarität, und so wurden Julia und ich mit vielen Fotokameras abgelichtet. Der Ansturm auf uns als Fotomotiv war besonders extrem, nachdem wir bei einer Burmesin am Straßenrand die typische Thanaka-Behandlung bekamen. Das Zeug kühlt echt extrem und fühlt sich sehr angenehm auf der Haut an. Ich habe mir vorsorglich zwei Packungen mitgenommen, da die Paste auch gegen Hautunreinheiten wirken soll. Und bei der Luftverschmutzung hier tut eine Thanaka-Maske meiner Haut wahrscheinlich richtig gut.

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Nach einem Nachmittagsschläfchen ging es um halb fünf Richtung Flussufer. Das Hostel bot eine Sunset-Bootstour an, und nach anderthalb Tagen Roller fahren und navigieren (was ganz schön schlauchen kann), war ich froh, mit einem Gin Tonic bewaffnet im gemütlichen Ausflugsboot umherzufahren. Am Abend hieß es dann Abschied nehmen von Julia (die leider eine andere Reiseroute hat als ich), und alle sieben Sachen zusammenpacken. Morgen früh geht es um halb fünf los Richtung Mandalay.

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bisbald

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