#13 Mount Kyaiktiyo: Buspanne, kreischende Burmesen und ein goldener Fels

Weil Großstädte auf Dauer anstrengend werden, bin ich für einen Tag zum Berg Kyaiktiyo gefahren, der etwa 200 km nordöstlich von Yangon liegt. Das genaue Ziel: der goldene Felsen, einer der wichtigsten Pilgerstätten Myanmars. Das Besondere: auf 1100 Metern soll der Fels alleine von zwei Haaren Buddhas auf dem Berg gehalten werden (laut Legende).

Die Busse zum Basiscamp hatte ich über mein Hostel buchen können. Um 5 Uhr ging es zunächst mit dem Taxi Richtung Busstation. Diese liegt rund eine Stunde ausserhalb des Zentrums von Yangon. Eigentlich sehr clever, denn so wird der innerstädtischen Allzeit-Stau umgangen. Um kurz nach sechs ging es pünktlich los und ich war erstaunt, wie viele Leute so früh morgens mit mir im Bus saßen (und was sie dabei alles transportierten). Zudem war ich froh, einen Pulli und Sarong mit eingepackt zu haben, denn der Bus war auf gefühlte minus 20°C temperiert. Mein Hostel hatte mir netterweise ein Frühstückspaket (Reis, Linsen und Bohnen mit Kokosraspeln) mitgegeben, und so sah ich den angepeilten dreieinhalb Stunden Busfahrt entspannt entgegen. Es war wunderschön, die Landschaft Myanmars beim Sonnenaufgang zu beobachten und zu sehen, wie das Leben am Straßenrand langsam begann.

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Etwa 20 km vor dem Ziel hielt der Bus dann plötzlich am Rand der mit Schlaglöchern übersäten Fahrbahn. Auch eine halbe Stunde später bewegte sich noch nichts, und aus dem burmesischen Gebrabbel meines Sitznachbarn wurde ich auch nicht schlauer. Also sah ich mir den Schaden von außen an – um es kurz zu fassen, war wohl irgendwas an der Kühlung kaputt. Aufgrund des vielen Dampfes, der aus der Rückseite des Busses aufstieg, der ratlosen Blicke des Busfahrers und helfenden Burmesen und der allgemeinen Zeitknappheit meiner Tagestour entschied ich mich spontan, weiter zu trampen. Zusammen mit vier anderen Ausländern, die mit im Bus gesessen hatten (zwei ältere Spanierinnen und ein tschechisches Pärchen) konnten wir schnell einen Lastwagenfahrer anhalten, der uns auf der Ladefläche mit zum nächsten Taxistand nahm. Von da aus ging es im Shared Taxi weiter Richtung Basislager, wo wir auf einen weiteren LKW umsteigen mussten, der bis zur Mittelstation fahren würde. Noch etwas unsicher, was wohl die beste Platzwahl wäre, fand ich mich am Ende zusammengequetscht auf der hintersten Bank des LKWs wieder. Zeitweise kam ich mir wie bei einem Viehtransport vor – insgesamt saßen mindestens 60 Leute auf der kleinen Ladefläche des LKWs. Die Fahrt entpuppte sich schließlich als sehr rasant (trotz steiler und schmaler Serpentinen), was dazu führte, dass der Großteil der burmesischen Passagiere ein Kreischkonzert wie auf einer Achterbahnfahrt veranstaltete.

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Nach knapp sechseinhalb Stunden war ich endlich am goldenen Felsen angekommen. Zwei Stunden später als ursprünglich geplant, so dass ich relativ schnell durch die Tempelanlage hetzen musste. Die Aussicht war meiner Ansicht nach enttäuschend, da man durch den vielen Smog nicht gerade weit schauen konnte. Der goldene Felsen: Ganz nett, aber auf Fotos sieht er doch irgendwie spektakulärer aus. Männer können am Felsen übrigens Blattgold anbringen (das man direkt vor Ort kaufen kann). Frauen dürfen den Felsvorsprung nicht betreten (und den goldene Felsen somit nicht berühren). Was ich ganz interessant fand: Da viele ältere Pilger die letzten 300 Höhenmeter zum goldenen Felsen nicht mehr alleine bewältigen können, werden sie auf Tragbahren hochgeschleppt. Zur Mittelstation wird gerade übrigens eine Seilbahn gebaut.

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Nach anderthalb Stunden auf dem Platteau durfte ich mich auch schon wieder auf den Heimweg begeben. Diesmal sicherte ich mir einen luftigeren Platz an der Seite des LKWs, aber leider erwies sich der Magen meiner burmesischen Sitznachbarin während der Abfahrt (die sich als noch abenteuerlicher entpuppte als der Weg nach oben) als sehr sensibel. Zumindest hatte sie im Vorfeld schon für eine Spucktüte gesorgt.

Nach fünf Stunden Busfahrt zurück nach Yangon (aufgrund des Feierabendverkehrs) hatte ich dann auch noch das Pech, an einen unerfahrenen Taxifahrer zu gelangen. „Kennen Sie diese Adresse?“ „Ja, kein Problem“. Als ich im Taxi saß und mir aufgrund seiner langsamen Fahrweise bewusst wurde, dass er keinen Schimmer hatte, wo ich hin wollte, half leider auch meine Idee, ihm Google Maps zu zeigen, nicht weiter. Während der Fahrer irgendwann seine Frau und sein Kind einsammelte (da seine Frau etwas besser Englisch sprach als er), versuchte ich allen die interaktive Straßenkarte zu erklären. Vergeblich. Bis zum Ende verstanden sie nicht, dass der blaue blinkende Punkt unser Taxi darstellte. Nach über anderthalb Stunde herum gegurke waren wir endlich in der Nähe meines Hostels, und ich entschied mich, den Rest zu Fuß zu laufen. Ach ja, falls ein Klugscheißer unter euch anmerken möchte, dass ich doch auch das Taxi hätte wechseln können: keine Chance, denn der Taxifahrer (und der Rest der Familie) versicherte mir ja immer freundlich, er kenne die Adresse. Und aussteigen wäre dann ziemlich unhöflich von mir gewesen.

Nach insgesamt über 14 Stunden Reisezeit war ich mehr als froh, endlich wieder im Hostel zu sein. Ein gutes Abendessen (Sushi für 3,50 Euro) und ein Bier später konnte ich sogar wieder über die Buspanne, die kotzenden und kreischenden Burmesen und die Taxifahrerfamilie lachen. Der Tag hat mir auch gezeigt, dass Burmesen unglaublich hilfsbereit sind (gerade was das Trampen betrifft), und dass Distanzen von 400 km unmöglich an einem Tag bewältigt werden sollten (auch wenn Leute dir sagen, es wäre super easy). Ich werde solche waghalsigen Tagesausflüge also in Myanmar nicht mehr antreten, denn die anderthalb Stunden am goldenen Felsen haben sich für den Stress nicht wirklich gelohnt (na gut, vielleicht für die Geschichte, die ich nun darüber erzählen kann).

bisbald

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