#12 Yangon: Betelnüsse, Pagoden und eine 13 Cent-Zugfahrt

Willkommen im nächsten Reiseland: Myanmar. Ich hatte es am Abend vor meinem Abflug endlich geschafft, in meinen Reiseführer zu gucken. Eine fertige Reiseroute? Davon bin ich noch weit entfernt. Erst jetzt habe ich realisiert, dass Myanmar doppelt so groß ist wie Deutschland. Mit gerade einmal zweieinhalb Wochen Aufenthaltszeit wird es daher unmöglich sein, das ganze Land zu sehen. Aber immerhin die Hauptziele und Highlights will ich ansteuern. Auch wenn das eventuell bedeutet, dass meine Reise etwas stressiger wird als in Kambodscha.

Myanmar ist auch unter dem Namen Burma bekannt. Die Landessprache ist Birmanisch (ich bin schon fleißig am lernen) und das Land hat über 52 Millionen Einwohner. Erst seit 2011 wandelt sich Burma von einer Militärdiktatur langsam in eine Demokratie. Die letzten Neuwahlen fanden Ende 2015 statt, bei denen Aung San Suu Kyi mit ihrer Partei über zwei Drittel der Stimmen gewann. Sie kämpft seit den 1980er Jahren für die Demokratisierung des Landes und erhielt Anfang der 1990er Jahre dafür sogar den Friedensnobelpreis. Das Militär hat aber weiterhin einen großen Einfluss auf die Politik. Vielleicht auch deswegen verleugnet die Regierung samt Aung San Suu Kyi den aktuellen Konflikt rund um die ethnischen Minderheit der Rohingya. Obwohl die Armee für die gewaltsame Vertreibung der Minderheit verantwortlich gemacht wird, ist in der burmesischen Presse zu lesen, dass die Rohingya aufgrund von Anschlägen muslimischer Rebellengruppen freiwillig Richtung Bangladesch flüchten und ihre Dörfer beim Verlassen selbst anzünden. Das ist natürlich totaler Quatsch (der aber tatsächlich so in der burmesischen Zeitung steht!), denn die Rohingya gelten seit Jahrzehnten als illegale Einwanderer und verfügen über keinerlei Rechte in Myanmar.

Auch wenn die ethnische Säuberung weiter anhält, braucht ihr euch über meine Sicherheit keine Sorgen zu machen. Ich werde den Rakhine-Staat (in dem der Konflikt vordergründig stattfindet) nicht bereisen.

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Nun aber zu meinen ersten Eindrücken in Myanmar. Die ersten 24 Stunden in Yangon waren ein totaler Kulturschock, aber inzwischen habe ich mich weitestgehend an die Gepflogenheiten der Burmesen gewöhnt.  An meinem ersten Tag bin ich zunächst mit dem Circle Train (für gerade einmal 13 Cent) einmal um die Stadt herum gefahren und habe mir abends den Sonnenuntergang an der Shwedagon Pagode (dem absoluten Wahrzeichen Myanmars) angeguckt. Dieser Ausflug hat bereits gereicht, um so einige Kuriositäten auszumachen:

1) Die Nationalwährung ist Kyat. Ein Euro sind ungefähr 1.600 Kyat. Bezahlen kann man in vielen Unterkünften und Restaurants auch in US-Dollar, aber dabei muss man sehr vorsichtig sein: Es wird kein Schein akzeptiert, der nicht hundertprozentig neu aussieht. Das hat zur Folge, dass ich meine US-Dollar in einem verstärkten Umschlag in einem Buch mit mir herumtrage (doppelt hält besser). Hat der Schein auch nur den Hauch eines Knicks, wird er nicht angenommen. Ich hatte tatsächlich einen handfesten Streit in einer Wechselstube am Flughafen, die mir einen zerknickten 50 Dollar Schein andrehen wollten (und ich wusste, dass dieser nirgendwo als Zahlungsmittel akzeptiert wird). Im Gegensatz dazu sind Kyats oft relativ zerfleddert, das ist den Burmesen aber egal.

2) Der absolute Hit in Myanmar ist das Kauen von Betelnüssen. Die mit Tabak in Blätter eingewickelten Nüsse sind eine Art Wachmacher (oder um es präziser auszudrücken, die Landesdroge der Burmesen). Nebeneffekt: Die Speichelproduktion wird angeregt, was zur Folge hat, dass Betelnusskauer konstant am Spucken sind. Und da die Nuss den Speichel rot einfärbt, finden sich überall auf der Straße rote Speichelfützen. Im Circle Train durfte Gott sei Dank nicht gespuckt werden, dafür kam dann eine Spucktüte zum Einsatz. Weiterer Nebeneffekt: Die Zähne und das Zahnfleisch werden angegriffen. Um es etwas visueller zu machen: Viele Burmesen, die mich bisher angelächelt haben, sahen aus, als würde ihr Mund verrotten. Da kriegt man im ersten Moment einen großen Schrecken (gerade an Halloween).

3) Die Kleiderordnung hier ist sehr traditionell. 95 % der Burmesen (egal ob Mann oder Frau) tragen einen Longyi, eine Art Wickelrock. Gleichberechtigung pur, denn alle müssen im Sitzen pinkeln (in Myanmar dominieren nämlich die Hocktoiletten). In meinem Hostel gibt es netterweise europäische Toiletten, aber während meines Tagesausflugs habe ich bereits die ein oder andere Hocktoilette besucht. Und ich muss zugeben – ich bin froh darüber, dass ich vor meiner Reise so viele Impfungen hatte. Eine deutsche Zugtoilette ist nichts gegen den Standard, der in Myanmar vorherrscht.

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4) Viele Frauen und Kinder laufen hier mit einer sandfarbenen Paste namens Thanaka im Gesicht rum. Erst dachte ich, das diene allein dem Sonnenschutz, aber meine Recherche im Internet verriet, dass es auch als eine Art Schmuck getragen wird. Jeder trägt die Paste auf eine andere Art und Weise – mal sind es Striche, mal runde Kreise oder Punkte im Gesicht. Die Paste soll kühlend wirken und auch gegen Hautkrankheiten helfen. Vielleicht probiere ich Thakana mal während meiner Reise aus (und dann bekommt ihr natürlich ein Foto davon).

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bisbald

 

 

 

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