#11 Bangkok: Willkommen zurück in der westlichen Welt

Weniger als 72 Stunden in Bangkok; ein Wiedersehen mit Sita, einer guten Freundin aus Rotterdam und meinem Masterstudium; und die Beerdigung von König Bhumibol Adulyadej – auch wenn Bangkok nur ein Zwischenstopp auf meiner Reise nach Myanmar darstellte, habe ich in kurzer Zeit so einiges erlebt (und gegessen) – und mich vielleicht ein wenig in die Stadt und Menschen verliebt.

Mein erster Tag in Bangkok war tatsächlich der Tag der offiziellen Beerdigung des im letzten Jahr verstorbenen Königs Bhumibol. Nachdem die Thais bereits ein ganzes Jahr um ihn getrauert hatten, markierte die Beerdigung den letzten Abschnitt der Trauerperiode. Wer an diesem Tag nicht komplett in schwarz gekleidet war, fiel auf. Ich hatte zum Glück bereits im Vorhinein (auch auf Sitas Rat hin) schwarze Sachen eingepackt um nicht vollkommen aus der Reihe zu tanzen. Darüber war ich schon nach Ankunft am Flughafen froh, denn in der Taxi-Warteschlange zeichnete sich bereits eine dominierende Kleidungsfarbe ab: schwarz.

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Der Spaziergang durch die Stadt am nächsten Morgen war surreal. Die meisten Geschäfte hatten zu (oder schloßen spätestens um 14.30 Uhr) und an vielen Tempeln der Stadt bildeten sich kilometerlange (!) Warteschlagen thailändischer Trauernder, die ihrem König die letzte Ehre erweisen wollten. Überall in der Stadt hingen Plakate mit Fotos von ihm, und auf jedem erdenklichen Bildschirm wurden Videos von Bhumibol gezeigt. Es war also unmöglich, sich nicht mit dem Thema auseinander zu setzen, und die vielen Bildschirme und Plakate erinnerten mich ein wenig an Big Brother aus dem Roman „1984“. Für mich war es im Vorhinein unvorstellbar, dass ein Volk einen Menschen freiwillig so verehren kann. Aber nach über 70 Jahren Regierungszeit (was ihn tatsächlich zum am längsten amtierenden Staatsoberhaupt Thailands UND DER WELT macht), kann man den starken Rückhalt in der Bevölkerung (die ihm sogar den Titel Bhumibol „der Große“ verliehen) sehr gut nachvollziehen. Der neue König Vajiralongkorn ist im Gegensatz zu Bhumibol ziemlich unbeliebt (na gut, vielleicht sollte man ihm noch ein paar Eingewöhnungsjahre einräumen).

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Da Bangkok Donnerstag einer Geisterstadt ähnelte, waren wir den Tag über größtenteils in Cafés,  haben Sitas Arbeitsstelle (die niederländische Botschaft) besucht und sind schlussendlich (auf Grund der Tatsache, dass gegen späten Nachmittag fast alles geschlossen hatte) zurück zu ihrem Appartement gefahren, um dort  einen schönen Abend zu verbringen. Wie schön es war, mal nicht mit sechs oder acht Personen ein Zimmer zu teilen, auf einer gemütlichen Couch im Wohnzimmer zu sitzen und Cocktails zu trinken. Ein wirklicher Luxus und pure Entspannung für mich, und Sitas Nachbarschaft lud am nächsten Tag (der Gott sei Dank wieder einen normalen Werktag war) zum Umherschlendern ein. In Ekkamai, wo Sita in einem wunderschönen und ziemlich günstigen Appartement wohnt, sah ich so gut wie keine Touristen; es gab süße kleine Läden und Cafés; und trotz der Tatsache, dass in Bangkok über acht Millionen Menschen leben, war es hier erstaunlich ruhig. Da Sita arbeiten musste, sah ich mir nach einem ausgiebigen Frühstück zunächst die World Press Photo Ausstellung an, die in der Nähe ihrer Wohnung lag. Danach ging es mit dem Boot weiter Richtung Old Town, und ich nahm mir von dort ein Taxi zur Platinum Fashion Mall. Sita hatte mir erzählt, dass dieses Einkaufszentrum wirklich nicht zu übertreffen ist. Und ich muss zugeben, ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sieben Stockwerke voller winziger Verkaufskabinen, die wirklich alles anboten, was man sich nur vorstellen konnte. Ziemlich verlockend, aber mit Blick auf mein immer noch sehr umfangreiches Gepäck (vielleicht hätte ich die wärmeren Klamotten lieber Marius mitgeben sollen) und der Tatsache, dass man die Kleidung nicht wirklich anprobieren konnte, habe ich es doch geschafft, mich zurückzuhalten. Das Highlight am Abend war dann der Besuch der Sky Bar – eine 48 Stockwerke hohe Dachterasse, auf der man eine Wahnsinnsaussicht über Bangkok genießen konnte. Da die Trauerfeier für Bhumibol noch bis Sonntag anhält, wurde auch hier kein Alkohol ausgeschenkt – was wahrscheinlich meiner Reisekasse zugute kam.

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Gerade einmal 61 Stunden haben ausgereicht, um Bangkok ganz oben auf meine Reisewunschliste für die nächste Asienreise zu setzen. Die Freundlichkeit und das Lächeln der Menschen, das wahnsinnig gute Essen (ich habe es in so kurzer Zeit dank Sita tatsächlich geschafft, mich durch alle bekannten thailändischen Hauptgerichte und Desserts zu probieren; das Thai-Curry ist tatsächlich überragend) und die Gelassenheit und Ruhe, die die Stadt ausstrahlt, haben mich komplett überzeugt. Und die Zeit bei Sita war so entspannt, dass ich jetzt voller Energie in mein Myanmar-Abenteuer starten kann.

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bisbald

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