#6 Phnom Penh: Stromausfall, Verspätung und meine erste Fahrt mit einem Nachtbus

Bislang hatte ich ziemlich Glück mit dem Wetter. Meist sonnig und etwas bewölkt, regnete es in den letzten Tagen lediglich in den Morgenstunden. Trotzdem aber so heftig, dass ich oft um 5 Uhr morgens kerzengerade in meinem Hostelbett saß (und man sollte meinen Tiefschlaf nicht unterschätzen). Das diese Schön-Wetter Periode irgendwann ein Ende haben muss, wurde mir spätestens am frühen Abend in Sihanoukville klar, als ich nichtsahnend bei der Maniküre saß (so günstig!). Nachdem sich der Himmel immer bedrohlicher verdunkelte, ging nach kurzer Zeit einfach das Licht aus. Mein erster Stromausfall in Kambodscha, und die Kosmetikerin zögerte nicht lange, bevor sie mit mir ins zwei Häuser weiter gelegene Reisebüro umzog,  welches glücklicherweise über einen Generator verfügte. Kambodschaner gehen mit Stromausfällen definitiv sehr pragmatisch um. Eine Stunde später begann es dann schließlich aus Kübeln zu schütten. Bis dahin hatte ich es Gott sei Dank einigermaßen trocken zurück ins Hostel geschafft. Und zack, der nächste Stromausfall. Bei einem Hostelzimmer ohne Fenster kann es da schon ziemlich dunkel werden. Aber auch im Gemeinschaftsbereich waren nur zwei spärlich leuchtende Campinglampen aufgestellt – trotzdem war es angenehm, von hier aus dem Gewitter zu lauschen.

Der Regen hielt sich bis zum nächsten Morgen, und ich war ziemlich froh, mich auf den Weg zurück nach Phnom Penh zu machen. Mein Tuk Tuk Fahrer hatte mir am vorigen Abend versprochen, mich um kurz nach 6 abzuholen und mich zum Bahnhof zu bringen. Als die Uhr dann halb 7 anzeigte, wurde ich etwas nervös. Mein Zugticket war schon gekauft und es gab nur diesen einen Zug am Tag. Außerdem war meine Bereitschaft, bei diesem Wetter in Sihanoukville zu bleiben, nicht wirklich groß. Einen Anruf später (Miss, the weather, the weather..) versicherte Mr Nee mir, dass er bereits unterwegs war, aber er durch den Regen nicht so gut durchkam. Als er schließlich um kurz vor sieben vor der Tür stand, und wie ein Irrer Richtung Bahnhof düste, war ich mir eigentlich sicher, dass ich den Zug mit Sicherheit verpasst hätte. Zehn Minuten später die Erleichterung – Pünktlichkeit nimmt auch die kambodschanische Bahn nicht so genau. Zudem kam ich zur Einsicht, dass ich  mich vielleicht langsam von meiner German Pünktlichkeit verabschieden sollte. Zumindest für die Zeit in Südostasien.

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Die Bahnfahrt war super. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von höchstens 50 km/h sind wir durch wunderschöne Landschaften gefahren, vorbei an Reisfeldern, Hügeln und Blechhütten. Nebenbei wurden in meinem Abteil kambodschanische Filme gezeigt – ich habe nicht viel verstanden, die Filmeffekte schienen sehr veraltet, alle zwei Minuten war Blut zu sehen, aber die kambodschanische Frau, die neben mir saß, konnte sich vor Lachen nicht mehr auf ihrem Sitz halten. In zwei Städten (Kampot und Takeo) hatten wir einen kurzen Halt. Da ich im Hostel kein Frühstück hatte, kamen die Stops gut gelegen, denn am Bahngleis wurden Snacks en masse verkauft. Meine Wahl viel auf Kekse (warum auch nicht), und für 25 Cent schien die Packung ein guter Deal zu sein. Auf Nachfrage erklärte die alte Frau mir, dass die Kekse Num am bung genannt werden. Num steht hier generell für Kuchen (so eine wichtige Vokabel habe ich mir natürlich schon in den ersten Tagen angeeignet), aber was der Rest heißt, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Das wichtigste: Sie haben geschmeckt und bewahrten mich den Rest der Fahrt vor dem Hungertod.Processed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 preset

Zurück in Phnom Penh traf ich wieder auf die Amerikanerin Amy, die ich auf Koh Rong kennen gelernt hatte (die Angst vor Spinnen hatte uns da ziemlich zusammengeschweißt). Sie ist Golftrainerin und gerade für fünf Wochen in Asien unterwegs. Zusammen besuchten wir den Nachtmarkt, hatten Dinner und sprachen über Gott und die Welt. Amy war super geschockt, so viele Sextouristen in Phnom Penh zu sehen (was daran liegen mag, dass Prostitution in den USA verboten ist). Viele alte Männer, mit oft sehr junger weiblicher Begleitung. Ziemlich schockierend, aber der Sextourismus ist omnipräsent in Phnom Penh. Überall gibt es „Dream Bars“ und viele Massagestudios werben mit „Happy End“.

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Mit in unserem Hostelzimmer war auch die Chinesin May, die gerade in Kambodscha ihren Führerschein macht. Angeblich soll es hier einfacher sein als in China. Das mag zum Großteil am kleineren Fragenkatalog für die theoretische Prüfung liegen (10.000 Fragen zu vier DIN A4-Seiten), oder auch am günstigeren Preis. Die praktische Fahrprüfung findet dann auf einem speziellen Verkehrsübungsplatz statt (was in China nicht anders ist). May erzählte uns jedenfalls, dass viele Chinesen nach Kambodscha reisen, um hier ihren Führerschein zu machen. Was sie uns noch erzählte: Viele Chinesinnen finden Putin ziemlich attraktiv. So zumindest hat May ihre Handyhülle verteidigt, auf der das Gesicht von Putin abgebildet ist („He is such a handsome man, Charlotte!“). Es ist schon immer spannend, was für unterschiedliche und teils kuriose Leute man auf Reisen trifft. Aber das macht das ganze vielleicht auch so spannend.

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Am nächsten Abend ging es dann mit dem Nachtbus nach Battambang. Sieben Stunden Fahrt, ein 1 m breites und höchstens 1,70 m langes „Bett“ und eine asiatische Bettnachbarin, die zwar zierlich aussah, sich aber in der Nacht ordentlich breit machte. In Kombination mit unserem Handgepäck (man sollte seine Wertsachen ja immer nah bei sich haben) war also eher wenig Platz. Dazu die holprige Fahrt über die kaputten Straßen Kambodschas – ich muss wohl nicht erklären, warum ich in der Nacht nicht allzu viel Schlaf bekommen habe. Dennoch: für meine Zeit in Myanmar werde ich diese Busse aus Zeit- und Kostengründen wohl etwas öfter buchen müssen. Und vielleicht ist das Ganze nur Gewöhnungssache!

Processed with VSCO with av8 presetbisbald

  1. He Lotti. Was für eine super Sache, dieser Blog! Es ist so unterhaltsam, Deine Stories zu lesen und erinnert mich teils stark an meine Zeit in Thailand und Indo. 😉 Pass weiterhin gut auf Dich auf und genieß die vermeintlichen Kuriositäten!

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