#5 Koh Rong: Schnorcheln, Strand und Mr. Hun

Drei Tage und Nächte ohne fließendes Wasser, Klimaanlage oder Ventilator. Mitten am Strand, umgeben vom Dschungel und abgeschnitten von jeglicher Zivilisation. Welcome to Lonely Beach! Oder auch: Wie ich das Paradies fand und doch wieder verließ.

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Nach 72 Stunden und einer unfassbar wohltuenden Dusche bin ich wieder in Sihanoukville (der Zivilisation) und liege zufrieden unter der Klimaanlage. Abgesehen von acht Mückenstichen (trotz ultrastarkem Insektenschutzmittel) und einem kleinen Sonnenbrand (von der dreistündigen Bootsfahrt zum Festland) bin ich wohlbehalten zurück gekehrt. Wenn ich bis jetzt dachte, allein Hunger kann mich zur Bestie machen, dann muss ich das nach der dreitägigen Dschungelerfahrung etwas revidieren: Auch der Wunsch nach körperlicher Hygiene und einer Raumtemperatur unter 35°C  ist nicht zu unterschätzen. Jetzt, nachdem ich mich von einem unerträglichen Gemisch aus Schweiß, Sand, Insektenschutzmittel und Sonnencreme befreit habe und meine feucht-modrigen Klamotten bei der Wäscherei sind, kann ich ziemlich sicher behaupten, dass ich (a) noch niemals an einem so schönen Fleckchen Erde war und (b) ziemlich über mich hinausgewachsen bin.

Lonely Beach Resort ist eine umweltfreundliche Unterkunft, die von einer französischen Familie geführt wird. Komplett betrieben mit Sonnenenergie, lebt man hier in und mit der Natur. Und das meine ich nicht nur sprichwörtlich: Wenn man um 5 Uhr morgens vom Quaken der Frösche aufwacht und Toilette und Eimerdusche mit Spinnen, Eidechsen und anderen Krabbeltieren teilt, lernt man schnell, sich anzupassen. Oder in meinem Fall: seine Angst vor Spinnen für drei Nächte zu ignorieren (und mit Stirnlampe bewaffnet und in geduckter Haltung mitten in der Nacht zur Dschungeltoilette zu rennen). Was man dafür geboten bekommt: unberührte Natur. Einen wunderschönen weißen Strand. Palmen, wohin das Auge blickt. Kristallklares Wasser. Badewannentemperatur und Korallenriffe. Und nicht zu vergessen die tolle Atmosphäre der Unterkunft, das superleckere Essen und jede Menge Ruhe.

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In den 72 Stunden habe ich zwei Bücher gelesen, war zum ersten Mal in meinem Leben schnorcheln, habe ununterbrochen im Wasser gelegen (oder geschlafen) und abends fluoreszierendes Plankton im Meer bewundert. Mittwoch bin ich mit anderen Gästen zum 4 km entfernten Dorf Prek Svay gelaufen (natürlich durch den Dschungel und barfuß – so wie bei Tarzan), um bei Mr. Hun einen Kochkurs zu absolvieren und mehr über das kambodschanische Leben auf Koh Rong zu erfahren.

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Im Dorf leben ungefähr 800 Menschen und Mr. Hun hat hier vor drei Jahren sein Restaurant Firefly eröffnet. Mr. Hun gibt nicht nur Kochkurse und bekocht Gäste, sondern versucht auch, den ökologischen Tourismus zu fördern. Das bedeutet, dass er in mehreren Familien sogenannte Homestays (Privatunterkünfte) eingerichtet hat, dorfeigene Produkte in seinem Restaurant verkauft (so wie Bambushüte, Kokosöl oder Reiswein) und Dorfbewohnern aus Prek Svay beibringt, ihr Lebensumfeld nicht zu vermüllen, weniger Plastik zu verbrauchen und zu recyceln. Daneben bildet er Köche aus, die dann in umliegenden Resorts auf der Insel Arbeit finden und heuert ausländische Freiwillige an, die für einige Wochen in Prek Svay unterkommen, um den Kindern im Dorf Englisch beizubringen. Eine ziemlich tolle Sache, wie ich finde, vor allem wen man bedenkt, dass Mr. Hun zuvor auf dem Festland in Luxusrestaurants gearbeitet hat, in denen er sicherlich mehr verdienen konnte als hier.

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Mit uns hat Mr. Hun ‚Khmer Red Curry‘ gekocht – nur mit lokalen Zutaten, die wir zuvor im Dorfladen eingekauft hatten oder in seinem Kräutergarten fanden. Und es war definitiv so lecker wie es auf den Fotos aussieht, und das Firefly Restaurant ist eine Empfehlung für jeden, der mal nach Koh Rong kommt.

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Morgen geht es für zurück nach Phnom Penh. Diesmal nicht mit dem Bus, sondern mit dem Zug. Mein Tuk Tuk Fahrer Mr. Nee, der mich vorhin vom Pier abholte, hat ziemlich erstaunt geguckt, als ich auf dem Weg zum Hostel am Bahnhof stoppen wollte, um mir für morgen früh ein Zugticket zu holen. Er selbst ist noch nie mit dem Zug in Kambodscha gefahren (nun gut, den Zugbetrieb gibt es auch erst wieder seit einem Jahr). Da der Zug aber genauso teuer ist, wie der Bus – und auch genauso lange dauert – will ich mir diese Erfahrung auf keinen Fall nehmen lassen. In Phnom Penh bleibe ich voraussichtlich auch nur für eine Nacht, bevor es dann weiter Richtung Nordwesten geht – Richtung Pursat und Battambang.

bisbald

3 Antworten auf “#5 Koh Rong: Schnorcheln, Strand und Mr. Hun”

  1. Super tolle Bilder und Hut ab Lotti!!
    Ich weiß nicht,ob ich nachts den Mut gehabt hätte – von wegen WC usw.
    Das Kochen wäre voll was für Willi& Mich!!!
    ….& ich würde auch fast nur noch im Wasser herum duempeln und schnorcheln :-))

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  2. Liebe Lotti,
    lange hat’s gedauert, bis ich jetzt endlich Deinen/Euren Blog komplett gelesen habe. Super toll !!! Ich finde die Entscheidung zur Reise mutig und goldrichtig. Das wird sehr einprägsam für’s gesamte Leben – unvergesslich.
    Deine Berichte sind hervorragend, war ich doch selbst auch schon 3 mal in Asien und kann einiges nachvollziehen. Meine Reiselust kann nach der erledigten Haus- und Gartenarbeit jetzt praktisch umgesetzt werden. September: Alpenwanderung und Formentera, Oktober: Barcelona, November: Fuerteventura, Dezember: Wörgl und Ischgl, Januar: Les Crosets, Februar: Kuba (da ist leider der Flug durch AirBerlin futsch, muss ich neu buchen) usw. mal sehen was noch kommt 🙂
    Ich wünsche Dir / Euch eine tolle, erlebnisreiche Weltreise und schaue jetzt öfter in den Blog. Kommt vor allem gesund wieder. Fotos im Blog sind klasse – so hat man einen kleinen Eindruck. Freue mich auch schon auf das Filmmaterial mit der GoPro.
    Liebe Grüße von Winni

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    1. Hallo Winni!
      Wow, die Reisepläne klingen ja super toll. Blöd, dass der AirBerlin Flug nicht mehr stattfindet, bekommst du das Geld wenigstens zurück erstattet? Kuba steht auf meiner Reiseliste auch ganz weit oben.
      Viel Spaß in den nächsten Monaten! Mach das Beste aus deiner freien Zeit! 🙂
      Liebe Grüße aus Battambang, Lotti

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