#4 Phnom Penh: Rote Khmer, Banana Shakes und Fußmärsche

Processed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 preset

Nach insgesamt drei Tagen in Phnom Penh hieß es heute für mich schon wieder: Bus buchen, Sachen packen und auf in die nächste Stadt: Sihanoukville. Rund 220 km von Phnom Penh entfernt ist die Stadt Ausgangspunkt für meine Überfahrt nach Koh Rong morgen früh. Nachdem die zwei letzten Tage in Phnom Penh doch sehr programmreich und anstrengend waren, freue ich mich schon richtig, mir im Lonely Beach Resort die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen.

Rückblickend war Phnom Penh eine fantastische Erfahrung. Treibendes Stadtleben, wilder Verkehr und irgendwie so klein, dass sogar ich mich schnell zurecht finden konnte.

Mekong - Ausblick von der Dachterasse meines Hostels

Samstag ging es zusammen mit Steve und Jenny (zwei Briten) und Julia (aus Deutschland) zu zwei Gedenkstätten des kambodschanischen Genozids. Ich hatte im Vorfeld meiner Reise schon das Buch „First they killed my father“ von Loung Ung gelesen und den gleichnamigen Film (gedreht von Angelina Jolie) gesehen und war sehr gespannt, mehr über die Zeit der Roten Khmer und ihrem Anführer Pol Pot zu erfahren. Dieser herrschte von 1975 bis 1979 in Kambodscha. In diesem Zeitraum starb jeder vierte Kambodschaner.

Unser erster Halt waren die Killing Fields Choeung Ek, die etwas außerhalb des Zentrums von Phnom Penh liegen. Mit einer Audio Tour wurden wir über das weitläufige Gelände geführt. Insgesamt wurden hier fast 9,000 Leichen gefunden. Neben einer Stupa, in der 5,000 menschliche Totenschädel aufbewahrt werden, führte die Audio Tour uns an den Massengräbern vorbei und erklärte sehr eindrucksvoll von den schrecklichen Geschehnissen in Choeung Ek. Viel möchte ich hierzu nicht schildern, denn mein kurzer Bericht würde wahrscheinlich einen Haufen wichtiger Informationen vergessen. Wer möchte, findet hier den englischen Script der Audio Tour. Mich hat die Begehung der Massengräber ehrlich gesagt sehr mitgenommen und es gab einige Stationen, bei denen ich meine Tränen nur schwer unterdrücken konnte. Hierzu gehörte auch der Killing Tree, an dem hunderte Kinder qualvoll sterben mussten. Noch immer werden in den Regenmonaten Knochen und Kleiderreste freigelegt und es gibt Gräber, die aus Respekt vor den Toten nicht geöffnet wurden. An den geöffneten  und meist eingezäunten Massengräbern hängen hunderte Glücksarmbänder.

Unser zweiter Stopp war das Tuol Sleng Genozid Museum. Vor der Roten Khmer Zeit als High School in Benutzung, wurde es ab 1975 als Foltergefängnis (S-21) der Roten Khmer gebraucht. Insgesamt sollen hier rund 17,000 Menschen, darunter auch Ausländer, inhaftiert worden sein. Mithilfe von perfiden Foltermethoden wurden die Häftlinge zu „Geständnissen“ gezwungen und dann meist nach Choeung Ek zur Exekution gebracht. Viele aber starben bereits durch die furchtbaren Haftbedingungen. Das Museum zeigt Fotos der peinlich genau dokumentieren Häftlinge, der Haftbedingungen und Folterinstrumente, sowie der involvierten Gefängniswächter, hierunter auch der Gefängnisdirektor Kaing Guek Eav. Dieser wurde 2012 vom internationalen Rote-Khmer-Tribunal zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

Ich kann es jedem wirklich nur ans Herz legen, sich näher mit dem kambodschanischen Genozid auseinanderzusetzen. Rund 30 Jahre nach dem Ende der Roten Khmer Herrschaft werden die Geschehnisse erst langsam aufgearbeitet und erst seit kurzem ist die Rote Khmer Herrschaft Teil des kambodschanischen High School Unterrichts. Fast ein Drittel aller Kambodschaner kam in der vierjährigen Herrschaft um, und wenn ich das Treiben auf der Straße beobachte, kommt es mir vor, als wäre eine gesamte Generation komplett ausgelöscht.

 

Sonntag stand dann im Zeichen einer etwas weniger aufwühlenden Sightseeing Tour. Wat Phnom, der Hauptbahnhof sowie Russian und Central Market standen auf der Liste. Die Märkte in Phnom Penh sind stickig und laut, aber man kann hier tatsächlich so einige Schnäppchen machen. Viele (europäische) Hersteller wie Nike, Adidas, Converse, Zara oder H&M lassen in Kambodscha produzieren, und die Märkte bieten einen Großteil der B-Ware an. Mit Blick auf mein eh schon schweres Gepäck habe ich mich vornehm zurück gehalten, aber Julia konnte echte Chucks für 12 Dollar ergattern. Highlight für mich war an diesem Tag der vietnamesische Reisnudelsalat, den es in der Mittagspause gab. Schmeckte tatsächlich genau wie bei Nom Nom in Recklinghausen, war aber mit USD 1,50 sehr viel günstiger. Zusammen mit den drei Bananenshakes (insgesamt liegt die Zahl der verzerrten Fruchtshakes seit meiner Ankunft bestimmt schon bei 10!), die uns durch die Hitze brachten, haben wir an diesem Tag erfolgreich 12 km zu Fuß zurück gelegt. Kein allzu fauler Sonntag also!

Processed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 presetProcessed with VSCO with av8 preset

bisbald

 

 

  1. Liebste Lotti,

    wieder so spannend und diesesmal auch sehr bewegend!!!
    Ich selber habe im Unichor eine über 70j.Bekannte,die in OS in die Schulen als sogenannte“Zeitzeugin“ geht und zur deutschen Nazivergangenheit berichtet!
    In Gedanken täglich bei dir wünsche ich dir weiterhin eine gute Reise!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s